Manchmal gibt es Dinge, die einen froh und sehr traurig zugleich stimmen. In Saudi Arabien hat ein unbekannter einen Kühlschrank für Mittellose auf der Straße installiert und Anwohner bestücken ihn. Und in Hamburg haben die meisten noch nicht mal begriffen, dass Pfand verdammt noch mal neben die Tonne gehört! Ein Appell für Solidarität. Denn es gibt keine Mindermenschen!

Seit ein paar Tagen schwirrt ein Bild durchs Netz, sogar die BBC berichtete schon darüber. Es zeigt einen Kühlschrank im Schatten der Außenwand eines Hauses in Ha’il in Saudi Arabien. Es ist das Haus eines Mannes, der anonym bleiben will, seine Nachbar jedoch dazu aufforderte den Schrank mit Lebensmitteln zu füllen, die sie selbst nicht verbrauchen, um den Mittellosen die Scham des Bettelns zu ersparen. Und siehe da. Es funktioniert: Nachbarn bringen essen und die Bedürftigen freuen sich über Nahrungsspenden, die über trockene Brötchen hinausgehen.

Es ist eine Geschichte, die einem die Tränen in die Augen treibt und im selben Moment Fragen aufwirft: Wieso schaffen es die Menschen in einem Land, das nicht einmal die Hälfte des deutschen Bruttoinlandsproduktes pro Kopf abwirft, das noch immer Heimat schwerer Menschenrechtsverletzungen ist und in dem eine Königsfamilie die Macht hat; wieso schaffen sie es, sich solidarischer und menschlicher zu verhalten als ein sehr großer Teil der Bewohner unseres Wohlstandslandes, in dem sich Fettleibigkeit und ADHS durch Unterforderung zu Problemen entwickeln???

Von US-Amerikanern fange ich jetzt besser gar nicht erst an. Dort hat die Dachorganisation der Wohltätigkeitsverbände schon 2011 festgestellt, dass Haushalte mit einem Jahreseinkommen von unter 25.000 Dollar (18.700 Euro) 4,2 Prozent davon in Form von Spenden abgeben, während Haushalte mit mehr als 100.000 (75.000 Euro) Dollar nur 2,7 Prozent abdrücken. Kurz: je reicher sie werden, umso weniger interessiert es sie, wie es den Bedürftigen geht. Und da wir gerade bei Zahlen und dem Spenden sind: Im vergangenen Jahr landete Deutschland auf dem „World Giving Index“, der die Spendenbereitschaft auf Staatsebene erfasst, nur auf Platz 27, noch hinter ärmeren Staaten wie Somaliland und Paraguay.

Im schönen, aber versnobbten Hamburg sind viele unterdessen nicht einmal in der Lage ihre ihnen lästigen Pfandflaschen neben die Tonne zu stellen. Sieht ja nicht aus. In einer Eimsbüttler Nachbarschaft musste ich sogar kürzlich beobachten, dass vor einem schon lange leerstehenden Geschäft Bauzäune und Spanplatten angebracht wurden, nur um die Obdachlosen, die es sich in der wind- und regengeschützen Nische vor dem Geschäft fast wohnlich gemacht hatten, aus ihrem Lager zu vertreiben. Und das alles wahrscheinlich, weil es irgendeinem sesselpupsenden CDUler auf seinem morgendlichen Arbeitsweg im Mercedes ein Dorn im Auge war, den er einfach nicht mehr ertragen könnte. Und auch so ein Kühlschrank, der bräuchte ja Strom und und würde wahrscheinlich das Bild stören.

Ekelhaft! Die meisten von uns sind einfach ekelhaft! Wo zur Hölle ist unsere Solidarität mit jenen hin, denen es wirklich schlecht geht? Aber immerhin betrauern wir Paul Walker und weinen mit Miley Cyrus um ihren verdammten Köter.

Einen Lichtblick gibt es doch: Wenigstens ein paar Kreuzberger zeigen, dass auch sie so mitmenschlich sein können, wie die Menschen in Ha’il in Saudi Arabien. Bereits den zweiten Foodsharing-Kühlschrank haben sie nun schon in der Nachbarschaft, diesmal im Tommy-Weisbecker-Haus in der Wilhelmstraße installiert. Den Ersten überhaupt in Deutschland gibt es schon seit März 2013 in der Markthalle Neun. Dort können Anwohner, aber auch gern Händler abgeben, was ihnen wahrscheinlich während des Wochenendtrips nach Paris unterm Arsch wegschimmeln würde. Es geht doch. Auch die Wohlständler können anscheinend noch solidarisch sein. Wir wollen mehr davon!

Und liebes Hamburg: Pfand gehört daneben!

Fotos: Eric Pouhier

Originally posted 2014-05-22 15:05:56.