Diese Form der „Psychotherapie“ ist nicht wirklich neu, aber auch weiterhin umstritten und wird dementsprechend kaum noch praktiziert.
Bei der Lobotomie werden mit einem Eispickelähnlichen Stäbchen die Nervenbahnen zwischen Thalamus und Frontallappen zertrennt. Ursprünglich setze man die Methode zur Schmerzausschaltung (in besonders schweren Fällen) ein, doch später kam man auf die Idee, sowas auch mal bei Depressionen und Psychosen zu versuchen.

So weit die harten Fakten aus unser aller Lieblings-Enzyklopädie

Vorreiter dieser Eingriffe war der US-amerikanische Psychater Walter Freeman, der mit seinem Lobotomobil ähnlich eines Eiswagens durchs Land tingelte und Hirnhälften spaltete, was der Eispickel hergab. Anders, als der Eismann oder die Merry Pranksters, hatte er aber nicht ausschließlich Gutes im Sinn.
Die Grundsatzdiskussion um Gut und Böse sparen wir uns an dieser Stelle einmal und genaugenommen wollte Freemann den Menschen auch kein Unheil antun, aber sagen wir er hat sich mit seinem Willen den Leuten zu helfen ein wenig verrannt.

Lobotomie

Mr. Freeman in seinem Lobotomobil

Denn nicht nur Schizophrene und andere unter starken psychischen Erkrankungen Leidende, wollte er heilen, sondern auch generell Aufmüpfige, Homosexuelle und Menschen mit kommunistischer Einstellung. Dass er damit im Amerika der 50er Jahre offene Türen einrannte, ist kein Geheimnis und so verwundert es auch nicht, dass diese Art der Behandlung wohl Jahrelang ohne empirische und stichhaltige Belege für die Wirksamkeit durchgeführt wurden.
Ende der Siebziger Jahre diskutierte man sogar die Möglichkeit eine Lobotomie zur „Rehabilitation“ an jugendlichen Straftätern einzusetzen. Immerhin sei sie deutlich kostengünstiger und weniger aufwändig als eine richtige Resozialisierung oder gar lebenslange Verwahrung.

Belegt ist, dass sich durch den Eingriff die Persönlichkeit der Betroffenen teils stark veränderte und Motivation, Antrieb und Emotion erheblich beeinträchtigt wurden. Beispielsweise wurde John F. Kennedys Schwester 1941, aufgrund einer leichten geistigen Behinderung, einer solchen Behandlung unterzogen und trug schwere Schäden davon.

Das Thema wurde durch Ken Keseys Roman „Einer flog über das Kuckucksnest“ und die gleichnamige Verfilmung an die breite Öffentlichkeit getragen. Auch Shutter Island und weitere Bücher sowie Filme, beschäftigen sich mit der Thematik – und auffallend oft steht die Lobotomie nicht gerade gut da.

Dass man die Unruhen von Detroit auf eine „fokale Hirnstörung“ zurückführte, der mit einer Lobotomie bei der schwarzen Bevölkerung beigekommen werden sollte, spricht Bände.

Behaltet das im Hinterkopf, wenn ihr euch nun die Vorher/Nachher-Bilder der „erfolgreich“ lobotomierten anschaut

 

Bildquelle: Lobotomy Project

Originally posted 2014-01-07 15:40:50.