Andere Länder, andere Sitten. Das gilt nicht nur für Opferrituale oder das Oktoberfest, auch das international scheinbar kapitalistisch-gleichgeschaltete Weihnachtsfest bringt noch ein paar räumlich begrenzte Traditionen hervor. Während an einem Ort der Weihnachtsbaum geschmückt wird und man die Lieben wahlweise am 24. abends oder am 25. morgens mit Geschenken überschüttet, müssen die lieben Blagen anderswo bis zum 6. Januar durchhalten. Neben diesen harmlosen, feinen Unterschieden aber gibt es noch ganz andere, zu Teilen höchstgradig verstörende Weihnachtstraditionen. Hier unsere liebsten fünf.

Platz 5: Der Caganer (dt. Scheißer)

Die Krippenszene ist eine der tatsächlich nicht kommerziell bedingten Weihnachtstraditionen, die deshalb auch rund um die Welt bekannt ist. Einzig im spanischen Katalonien wird sie etwas anders dargestellt als im Rest der Welt. Zunächst einmal stellt man dort nicht nur die Szene im Stall nach, sondern die ganze Stadt Bethlehem zum Zeitpunkt der Geburt des kleinen Jesus, und zwar genau in der Position, in der sie sich zur Christigeburt nunmal befanden. So begibt es sich, dass neben den all-time-favourites a la Maria, Joseph, Könige und Kamel eben auch eine Figur existiert, die man den Caganer nennt, auf Deutsch am besten übersetzt als „Scheißer“.Damit ist leider nicht Jesus, der kleine Scheißer gemeint. Der Caganer ist der arme Schlucker, der eben just im Moment der Geburt die Hose in den Kniekehlen hatte, um seiner Notdurft nachzukommen.

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Ursprünglich war der Caganer ein Zeitgenosse mit einer roten Mütze, heute aber kann er jede Gestalt haben. Es gibt ihn als Nonnen, Papst, George W. Bush oder Obama und „Finde den Scheißer“ in den riesen Krippenspielen in Katalonien ist ein beliebtes Spiel.

Platz 4: Yule Lads

In den USA gibt es Santa, Frosty, die Weihnachtselfen, in Deutschland das Christkind oder den Weihnachtsmann. In Island gibt es auch eine traditionalle Weihnachtsfigurenbesetzung, die sogenannten Yule Lads. Sie sind sowas wie die Arschlochversion der sieben Zwerge und jeder von ihnen ist benannt nach seiner prägnantesten Charaktereigenschaft. Sie tragen also so besondere Namen wie: Löffel-Lecker, Topf-lecker, Tür-Schnüffler und äußerst beunruhigend Fenster-Gucker und Würstchen-Dieb (Ähm…was bitte?!).

Was nach sexueller Belästigung klingt und nach seltsamen Semi-Obdachlosen aussieht, hat aber doch irgendwie einen netten Hintergrund: In den 13 Tagen vor Weihnachten erhalten isländische Kinder je ein Geschenk von jedem von ihnen. Süß, ne? Wäre da nicht die Yuletide Katze, Haustier der Yule Lads. Ihre Aufgabe ist es, die Kinder zu verspeisen, die zu Weihnachten keine neue Kleidung bekommen. In your faces, Familien an der Armutsgrenze!

Bild von fjallasyn.is

Bild von fjallasyn.is

Zugegeben, auch wir haben den Knecht Ruprecht für Unartige, aber den Vorweihnachtshorror der isländischen Kinder mussten wir zum Glück nicht durchstehen. Denn was ist, wenn Mutti vergisst Socken zu schenken?!

Platz 3: Tio de Nadal

Der kleine Kacker ist nicht die einzige seltsame Weihnachtstradition, die die Spanier hervorgebracht haben. Denn es gibt da auch noch den Tio de Nadal. Ein Holzscheit, der die Geschenke kackt.

Ja, das habt ihr ganz richtig verstanden. Traditionall wird der Scheit am Weinachtsmorgen im Kamin platziert um dort ursprünglich Nüsse und Früchte, heute auch mal größere Kleinigkeiten auszuscheiden. Und was genau muss man tun, damit der Tio de Nadal sich der Geschenke entledigt? Ja, genau. Man drischt auf ihn ein bis er seinen Darm entleert. Ganz logisch eigentlich. Wer nicht hauen möchte kann auch singen: „Kacke, lieber Holzscheit. Kacke Turron, Haselnüsse und Hirtenkäse. Und wenn du nicht ordentlich scheißt, dann hau ich dich mit einem Stock. Kacke, Holzscheit!“

Vielen Dank, liebe Spanier, für dieses Bild.

Platz 2: Zwarte Piet

Auch in den Niederlanden gibt es einen Weihnachtsmann. Er heißt Sinterklaas und er hat einen Sidekick, den Zwarte Piet. Gemeinsam kommen sie jedes Jahr mit einem Schiff in den Niederlanden an und während Sintaklaas Geschenke an die lieben Kinder verteilt, ist der Zwarte Piet dafür zuständig die Unartigen einzusammeln und mit sich nach Spanien zu entführen.

Das spannendste aber am Zwarte Piet ist sein Auftreten. Das nämlich ist nach heutigen Rassismuskriterien ein ganz klein wenig problematisch. Traditionsverteidiger sagen, dass die Pietdarsteller imm ein blackface haben, weil doch der Zwarte Piet immer den Kamin rauf und runter muss und halt einfach dreckig ist. Ja, und seine vollen Lippen…nun ja…die sind halt einfach angeschwollen vom…ähm…vielen Ruß. Und der Afro…the fuck…

Bild von scientias.nl

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Ja, der Zwarte Piet ist eine übriggebliebene rassistische Tradition. Aber was soll man auch machen? Ist eben so. Man kann ja nicht einfach aufhören sich das Gesicht anzumalen.

Platz 1: Krampus und Perchten

Wo führt uns jede Aufzählung von verstörenden Kuriositäten hin? Wie immer nach Österreich. Die dortige Version des Weihnachtsmanns übertrifft alles bisher dagewesene. Der nämlich ist gleich mit einer ganzen Truppe an Dämonen am rumklüngeln.

Der erste von ihnen ist Krampus, der gemeinsam mit dem Nikolaus durch die Häuser zieht und mal checkt, ob die lieben Kleinen auch lieb waren. Wenn nicht, droht ihnen Übles, denn ohne Umschweife und Ausreden, geht’s dann an Weihnachten gemeinsam mit Krampus direkt und sofort in die Hölle. Da wird nicht lange gefackelt bei unserem konsequenten Bergvölkchen.

Bild von Verein Krampus

Bild von Verein Krampus

Und dann gibt es da noch Perchta. Die ist ein kleines bisschen umgänglicher als Krampus. Als keine Vorabbestrafung nimmt sie die kleinen Quälgeister nicht direkt mit in die Hölle, sie schlitzt ihnen nur die Bäuche auf. Anscheinend ist die Androhung von Hölle für die österreichischen Kacker nicht ausreichend, um Bernhard sein Gemüse aufessen zu lassen und Elisabeth zu ihren Hausaugaben zu nötigen. Deswegen kommt Prechta an den zwölf Tagen vor Weihnachten vorbei und macht ihrem Zweitnamen als Bauch-Schlitzerin alle Ehre. Aber immerhin keine Hölle, nech?

Originally posted 2014-12-14 14:00:56.