Das Internet hat uns frei zugängliche Informationen und eine Menge Spaß gebracht – aber auch Shitstorms und deren Konsequenzen.

Für den, der den Wind macht, sind Shitstorms eine feine Sache. Man tut seinen Unmut kund, liefert seine un/gerechtfertigten Probleme beim Verursacher ab und hat eine ganze Menge Mitstreiter. Das fühlt sich gut an, ist unfassbar einfach und dazu musste man nichteinmal eine Hose anziehen.
Auf der anderen Seite sitzt dann irgendein armes Würstchen in der Marketingabteilung eines großen Unternehmens und muss um seinen Job bangen, während der Konzern bestenfalls einen Imageschaden davonträgt.

Doch nicht immer funktioniert das nach dem Kleine-Mann-gegen-Großkonzern-Prinzip, sodass auch reale Menschen zu Schaden kommen und ihr Leben ruiniert ist. Manchmal selbstverschuldet, manchmal nicht.

Dell Hell

Dell Hell gilt als der erste Shitstorm und brach im Jahre 2005 über den Computerhersteller Dell herein. Jeff Jarvis, ein unzufriedener Kunde, postete seine fehlende Customer Experience, wie man im Fachjargon sagt, auf seinem Blog. Dell, die die Macht von Bloggern, einem wütenden Internet-Mob und dem Internet allgemein unterschätzt haben, ignorierten die Beschwerde und mussten schmerzlich feststellen, dass man seine Kunden auch – oder gerade – im Internet ernst nehmen sollte.
Bekannt ist diese dunkle Stunde der Firmengeschichte seither als Dell Hell

Dell Hell shitstorms

 

 

Pizza mit „Spezialsoße“

Zwei Mitarbeiter der Fast-Food-Kette Domino’s haben sich eines Tages dazu entschlossen das angebotene Essen zu modifizieren. Was sie vorher vermutlich auch schon regelmäßig praktizierten, wurde nun mit einer Videokamera festgehalten. Die Protagonisten halten sich an strikte Arbeitsteilung – Christie moderiert und Michael übernimmt den operativen Teil.
Nachdem sie sich über mehrere Minuten an fremden Essen zuschaffen gemacht haben, landet das Video kurzerhand auf Youtube und wird binnen kürzester Zeit sehr oft angeschaut.
Domino’s reagierte schnell, machte die beiden Angestellten ausfindig und direkt unschädlich. Neben einer Kündigung mussten sich die Küchenfeen mit einer mehrfährigen Haftstrafe wegen vorsätzlicher Lebensmittelkontamination auseinandersetzen.

Scheiße am Schuh

Am 05. Juni 2005 entledigte sich der Hund einer Südkoreanerin auf dem Boden der Seouler U-Bahn. Der Hundebesitzerin schien das wenig auszumachen, oder ihr war es so unangenehm, dass keine Versuche unternommen wurden, die Sache wieder zu bereinigen.
Der Vorfall wurde gefilmt, landete im Internet und innerhalb weniger Stunden waren alle persönlichen Daten zur Person, die ab da nur noch als „dog poop girl“ bekannt war, ebenfalls dort zu finden.
Kurz nach dem Vorfall verließ sie ihre Universität, weil sie täglich belästigt wurde und drohte mit Klagen und sogar Selbstmord, um der Flut an Hassmails Einhalt zu gebieten.

(Besser als das Symbolbild – der Symbolsong)

Unter der Gürtellinie

Justine Sacco flog im Dezember 2013 von new York nach Südafrika. Davor setzte sie ein paar Tweets ab, die ihr Leben verändern sollten. Davon wusste sie zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht – obwohl sie es als Senior Chefin der Firmenkommunikation bei einem US-amerikanischen Internet- und Medienunternehmen (dem bspw. OkCupid, Vimeo und CollegeHumor gehört) hätte besser wissen müssen.

Als sie nach einigen Stunden in der Luft und ausgeschaltetem Handy auf dem Boden der tatsachen landete, hatten bereits mehrere Zehntausend Menschen ihre Tweets kommentiert. Sie wurde gefeuert und widmete sich – womöglich als Buße – der Öffentlichkeitsarbeit einer Hilfsorganisation. Seit dem hat sie auch Probleme mit Dates, denn wer Google fragt, findet ihren Namen nur in Zusammenhang mit rassistischen Tweets.

shitstorms justine sacco

Wie man einen Shitstorm macht: In drei Schritten zum beruflichen Tiefpunkt

Im Ratgeber mit Paul Christoforo lernen wir heute, wie man seine mühsam aufgebaute Reputation und die seiner Firma ganz bequem und einfach wieder zerstört.

  1. Unfreundlich, überheblich und nicht sehr serviceorientiert auf eine Kundenanfrage antworten.
  2. Beleidigend werden und sich über den Kunden lustig machen, der zwischenzeitlich Game-Zeitschriften und Veranstalter relevanter Conventions und Messen in die E-Mail Konversation eingebunden hat.
  3. Noch beleidigender werden, raushängen lassen, wie dicke man mit all den großen Tieren im Business ist … und dann feststellen, dass die sich alle gegen einen gewendet haben, weil man sich sie ein Arschloch verhalten hat.
  4. Eine halbherzige Entschuldigung hinterherschieben, um den Rest Würde zu erhalten, den man womöglich noch besitzt – optional.

Den ganzen Schriftverkehr gibt es hier zum Nachlesen und mitfiebern, an welchem Punkt Mr. Christoforo es zu weit treibt.

Also, Kids (und besorgte Bürger) aufpassen, was ihr so ins Weltnetz schreibt.

Originally posted 2015-08-25 12:58:38.