Unsere neue Artikelreihe „100 Bücher/ Alben/ Filme, die wir lesen/hören/sehen müssen“ orientiert sich an den Listen der BBC und des ZDF. Worum geht es?

Wir hören und schauen uns die empfohlenen Werke an und bewerten sie. Ehrlich und unhöflich.

Denn Listen sind auch immer eine Bevormundung, besonders wenn, wie bei der Zeit-Liste, der Expertenrat aus sechs älteren Männern besteht, deren Begründung für diese Liste ist, dass „junge Menschen erst mal wieder das Lesen lernen müssen“.

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100 Bücher, die wir lesen müssen

Ich bin in dieser Reihe für die Bücher zuständig und halte mich an der ZDF-Liste „Das große Lesen“. Hier haben über 250.000 deutsche Leser/innen ihr Lieblingsbücher gewählt.  Diese Auflistung ist ehrlicher als die reihenweise Aufzählung von Büchern, mit denen man in der Öffentlichkeit gut aussieht. Denn ich bezweifle, dass der/die Durchschnittsdeutsche begeistert in Dante Alighieris „Die göttliche Komödie“ oder in Homers (nicht der von den Simpsons, ihr Schlingel) „Odyssee“ schmökert.

Ein Meisterwerk ist ein Buch, über das alle Welt spricht, das aber niemand liest. (Hemingway)

Die ZDF-Zusammenstellung der  100 Bücher enthält einige Romane, die deutlich zur Kategorie „Fuck it, ich stell jetzt mein Gehirn aus“ gehören… aber was solls, Lesen hat viele Vorteile für euer Gehirn. Und da euer Gehirn euch ausmacht, solltet ihr es hegen und pflegen.

Feuer und Stein – Diana Gabaldon

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Ich fange gleich mit dem Gegenteil von Weltliteratur an. Bildungsbürger/innen werden jetzt entsetzt am Rotwein nippen und Frustessen mit gut gereiftem Käse veranstalten. Bis jetzt kannte ich die Story des Buches nur aus der TV-Serie Outlander. Wikipedia hat diese schön pragmatisch zusammengefasst:

Die Engländerin Claire, mit einem englischen Professor verheiratet, macht im Jahr 1945 einen Zeitsprung rückwärts. Im Jahr 1743 lernt sie ihren zweiten Ehemann, den blauäugigen, rothaarigen Schotten Jamie kennen und lieben.

Und eigentlich geht es nur um Sex. Mir kommt es so vor, als würden die diversen Geschehnisse des Buches nur geschehen, damit Claire und Jamie vögeln können. Über 1000 Seiten (und zusätzlich noch sieben Fortsetzungen), nur damit die beiden ihrem körperlichen Hobby frönen können.

Grundsätzlich hat Diana Gabaldon einen angenehmen Stil. Sie schreibt unkompliziert, leicht verständlich und perfekt für eine Tasse Kakao. Leider gefällt mir das Frauenbild dieses Romans überhaupt nicht. Natürlich befinden wir uns im 18. Jahrhundert in Schottland und nicht 2016 in einer Gender-Studies-Vorlesung, aber wenn Claire nur einige Minuten nach einer Vergewaltigung schon wieder Sex mit Jamie, ihrem Retter, hat, dann fühle ich mich sehr unwohl. Claire hat auch vollstes Verständnis dafür, dass Jamie sie, nach Ungehorsamkeit, zusammenschlagen muss…weil sich das eben so gehört. Ob die historischen Gegebenheiten im Roman korrekt sind, kann ich nicht sagen. Das schottische Hochland aus dem 18. Jahrhundert ist nicht mein Steckenpferd.

Fazit: Ich werde mir nicht die sieben Fortsetzungsbänder kaufen. Zeitreisen, Fantasy, Sex, Trivialliteratur… habe ich kein Problem damit. Aber wenn ich mich mit einem Buch nicht wohlfühle, dann werde ich es nicht lesen. Daran sollte Claire auch denken, wenn sie wieder  von Jamie gemaßregelt wird.

Absolutes Off-Topic: Der Jamie-Darsteller in der TV-Serie, Sam Heughan, ist ganz ok (kreisch).

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