Der Italiener Luigi Serafini ist Architekt, Industriedesigner, Künstler und Autor eines ganz besonderen Buches. In den Jahren von 1976 bis 1978 schuf er den Codex Seraphinianus – ein Kunstbuch wie kein zweites. Dieses Werk enthält neben zahlreichen ungewöhnlichen Illustrationen, die aus einer Fantasiewelt zu stammen scheinen, ein eigenes Alphabet: Eine Phantasiesprache mit erfundenen Schriftzeichen.

Ein Buch, das niemand lesen kann

Erstmals wurde dieses ungewöhnliche Werk im Jahre 1981 in zwei Bänden veröffentlicht. Über die Jahre erschien neben überarbeiteten Versionen und einer einbändigen Ausgabe 2013 eine neugestaltete Version mit neuen Illustrationen.

Schon der Umschlag dieses Buches ist verwirrend und lässt eine Reihe von Fragezeichen zurück. Auf diesem ist ein Paar beim Sex zu sehen. Das Bizarre daran: Die Körper der beiden Personen verwandeln sich allmählich in ein Krokodil.

Der Original-Klapptext spricht angeblich vom Codex Seraphinianus als ein Buch für die „Informationsgesellschaft“, in der das Kodieren und Dekodieren von Nachrichten aller Art wie in der Genetik, Informatik oder Literaturkritik immer wichtiger werde. Das Buch kann als eine Art Enzyklopädie gesehen werden, die über eine fremde Welt Auskunft gibt.
In elf Kapiteln werden folgenden Themen behandelt:

  • Naturwissenschaften (Botanik, Zoologie, Biologie, Chemie)
  • Technik
  • Wissen vom Menschen
  • Semiotik/Linguistik/Graphologie (verschiedene Schriftsysteme des Künstlers)
  • Kulturelles Inventar (Ernährung, Optik)
  • Spiele
  • Architektur

Da bisher eine Entzifferung der Schrift nicht möglich war, ist es schwierig, alles zu erfassen und auf den Punkt zu bringen. Niemand hat den Inhalt der Seiten bisher verstanden.
Nach Serafini sei die Schrift des Codex „asemisch“, seine Erfahrung beim Schreiben des Buches gleiche einem „automatischen Schreiben“. Er wolle durch sein Alphabet erreichen, dass der Leser diese Empfindungen auch erlebe – wie Kinder, die vor Büchern sitzen, die sie noch nicht lesen können, von denen sie aber wissen, dass sie Sinn haben.

Bei der Betrachtung der Zeichnungen glaubt man, Elemente aus unserer Welt erkennen zu können. Dieser Glaube verflüchtigt sich jedoch schnell in Ratlosigkeit und wandert ins Surreale. Einige Dinge scheinen teilweise aus unserer Welt zu stammen, sind jedoch skurril kombiniert: Eine geschälte Banane mit eingebauten Pillen, ein merkwürdiges Auto bedeckt von Fliegen, ein Mann auf Rollschuhen mit einer Schreibfeder anstelle einer Hand und erstochen von einem Füller, und viele zweibeinige Figuren mit menschlichen Beinen unter allen Arten von Körpern aus Gegenständen.

Der Codex Seraphinianus stiftet auf 370 Seiten pure Verwirrung und wirft Fragen auf. Dieses Buch schafft es, den Leser in seinen Bann zu ziehen.

Originally posted 2014-05-28 19:30:09.