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So richtig viele Dirkse gibt es ja nicht in der Welt des Tons – zumindest nicht so richtig viele bekannte. Mal von Wir-sind-hier-nicht-in-Seattle-Dirk von Lowtzow und (vielleicht noch) Als-ich-fortging-Dirk-Michaelis abgesehen. Aber so ein echter Musik-Dirk? Schwierig. Und auch Dirk Bernemann ist ja eigentlich kein richtiger Musik-Dirk. Dirk Bernemann ist in erster Linie Autor und schilderte in dieser Funktion beispielsweise erfolgreich seine Eindrücke der von ihm mehrfach beobachteten kotzenden Unschuld.

 

Insofern ist Bernemanns erstes Soloalbum „Mit Absicht schlechte Musik hören heißt mit Absicht scheiße sein“ hier bei Literatourette also schon ganz richTic. Denn so wirklich nach Musik fühlt es sich gar nicht an: nicht nach schlechter, nicht nach guter – sondern eben gar nicht nach Musik. Davon ausgehend, dass Musik jedoch eine „organisierte Form von Schallereignissen“ darstellt, ist es das aber wohl.

Klingt trotzdem eher so, wie Jackson Pollock (oder Maude Lebowski) malte. Tonales Action Painting. Ein bisschen Punk, ein bisschen Elektro, ein bisschen Postrock und was sich halt an Geräuschen noch so zur Verfügung stellte.

Definitiv kein Main- aber trotzdem irgendein Stream: Da werden gesangsverneinende, 1a-zitierbereite Statements ins Mikro gefitscht und eeerm (weniger 1a-)Klänge hinzugeflatscht, da gischten vereinzelte Akkorde hoch die, von manch Tonschlick umspült, aus den Endgeräten der Endgerätbesitzer schäumen und … naja … da sind. Was ja völlig okay ist: da zu sein.

Beim Dasein unterstützt wurde Bernemann von den Gastmusikern Holk und dem Rapper Mushiflo sowie von Produzent und Solomusiker Daniel Morgenroth, der die autor-isierte Musik übrigens als „Literaturmusik“ bezeichnet. Irgendwie passend. Musikalischer Hobbykeller auch. Dirk Bernemann, der alle Instrumente auf dem (nur über Edition Subkultur oder ihn erhältliche) Album selbst einspielte, sagt das irgendwie auch (wenn auch ganz anders): „Was ich musikalisch kann, ist eventuell nicht viel, aber es hat mir gereicht, um mir ein gutes Gefühl zu geben.“ Genau darum geht es und genau danach hört es sich an. Nach Hobby. Nach dabei-ist-alles. Nach solange-es-ihm-Spaß-macht-und-er-keinem-wehtut. Macht er nicht. Tut keinem weh. Nicht mit Absicht.

Originally posted 2014-05-18 15:00:52.