Instagrammatik / Metrik:

Ja. Auch aussehende Menschen lesen. Oder wissen zumindest, wie ein Buch richtig herum zu halten ist. Davon nicht zu knapp beeindruckt, ward nun ein Instagram Account eingerichtet, der sich genau diesem Phänomen annimmt. Nennt sich: Hot Dudes Reading. Gerade mal etwas mehr als zwei Dutzend Posts aber über 350.000 Follower. Da sei die Frage erlaubt, ob es wirklich so wenig lesende Hot Dudes gibt oder aber (hoffentlich) zu viele Personen, denen es einfach mal komplett wumpe ist, dass auch  aussehende Menschen lesen. Weil sie nämlich besseres zu tun haben, als hot, not oder whatever dudes beim Lesen zu fotografieren: selber lesen beispielsweise.

Litera-Tour / Gedichtheben:

Und dass den hot / not / whatever – Dudes auch auf der längsten Litera-Tour der Stoff nicht ausgeht, dafür sorgt neben gut bestückten Bahnhofsbuchhandlungen, selbst Mitgebrachtem oder der mitreißenden Lektüre Mitreisender auch Automatenliteratur des Berliner Independent-Verlages SuKuLTuR.

„Schöner Lesen“ heißt die verlagseigene Reihe, in der bislang über 140 Hefte überwiegend deutschsprachiger Gegenwartsautoren erschienen sind – und zwar in transportfreundlichem Format (DIN-A6) und Umfang (16 bis 24 Seiten). Multipliziert ergibt das denkbar bestes Arschtaschen- als auch Automatenformat.

Literaturautomat - SuKuLTuR

Lesestoff to go – wohlfeile Literatur von SuKuLTuR oder lieber ein wohlgefeilter Glööckler?

Von wegen nur Automaten, die keiner braucht. In literaturerprobtem Gelb schimmern  die Hefte aus erLesenen Süßwarenautomaten, wo sie mit Weingummi & Co um des Automatennutzers Hartgeld buhlen. Für einen Euro Hüft- oder Hirngold. An manch Standort wird sogar komplett auf Lesestoff gesetzt und bis unters Dach mit selbigem befüllte Automaten aufgestellt. Mit wohlgefeilter Literatur, wie ein Glööckler, aber eben auch mit wohlfeiler, wie der des SuKuLTuR-Verlages.

So zum Beispiel das Schöner-Lesen-Heft Nr. 55, das Auslöser folgenden selbstgebastelten Vierzeilers ist:

Am Hauptbahnhof, Gleis 1, fielst du mir auf,

an der U8 Richtung Wittenau nahm ich dich in Kauf.

Später in der U5 dann nahm ich dich in Augenschein.

    Die U2 hab ich deinetwegen verpasst – naja. Sollte wohl so sein.

Und vom Gedichtheben in der U-Bahn geht es weiter mit Superwortsport aus der

Regionalliga: Der Berliner Büchertisch

Der tollste Berliner Büchertisch der Welt hat ein neues Projekt! „Berliner Büchertaube“ nennt sich das im Januar gestartete Lesestipendium, das als Erweiterung der bereits seit 2005 bestehenden Aktion „Ein Kind, ein Buch“ zu verstehen ist. Eine Aktion, bei der, so Vorstandsbüchertischlerin Cornelia Temesvári, auch jene Kinder regelmäßig Bücher mit nach Hause nehmen können, deren Eltern sich keine Bücher für sie leisten können oder wollen.

Ein First-Read-Kit quasi. Und damit auch jene Kinder nicht auf ein Gratisbuch verzichten müssen, denen es, weil sie aus sozialen Brennpunkten der Randbezirke Berlins kommen, nicht möglich ist, einen der weltbesten Büchertisch-Läden zu besuchen, wird ihnen seit Januar 2015 von der Berliner Büchertaube ein Jahr lang monatlich ein Buch gebracht.

Sag mal noch mal jemand, dass Tauben nur sinnlos wären. Nur hässlich, okay. Aber eben nicht komplett sinnlos.

Ausgesucht wird die Lektüre vom Leseförderungs-Team des (weltbesten Berliner) Büchertisches. Und nein, das Aussuchen läuft nicht ähnlich den Irgendwer-sucht-Irgendwen-oder-Irgendwas-Hauptsache-Verfügbar-Formaten egaler Privatsender. Vielmehr werden die Bücher individuell ausgewählt.

Mit Buchhändlerin Mareike, Studentin Ronja sowie Sabine, Julia und Jennifer , die sich ehrenamtlich engagieren, besteht das Leseförderungsteam aktuell (wer mitgezählt hat, wird es bestätigen können) komplett aus Frauen, was jedoch a) nichts macht und sich b) jederzeit ändern kann, weil immer wieder Leute dazu kommen, die Projekte des (weltbesten Berliner) Büchertisches zu unterstützen.

Je mehr Unterstützer, desto mehr Büchertauben-Stipendien. Bisher könnten 50 Stipendien gestemmt werden (stemmen ugs.: mtl. liebevolle, individuelle Literaturauswahl, Verpackung, Versand). Im Januar erfreuten sich bereits über 20 GrundschülerInnen aus Marzahn-Hellersdorf an der Büchertaube: Leseförderung dank LeseBeförderung.

Oder, wem das zu viel Text ist, nochmal in kurz: YAY!!!

Staffel(auf)lauf: Literatur auf dem Teller

Apropos YAY: Essen. Essenessenessen. Und was nicht alles schönes damit angestellt werden kann und auch schon (nicht) wurde. Ob im realen Leben, auf der Leinwand oder in Büchern – Essen ist in aller Munde. (Anm. d. Red.: Diese und andere Weisheiten finden sich selbstverständlich in des schlauen Bauern immerwährendem Kalender.)

Während Hochglanzangebermenügroßaufnahmen aus Zuschauern relativ problemlos Fressneider (und aus mir eine Scrabble-Highscorerin) machen, gestaltet es sich literarisch schwieriger, Zähne tropfend zu machen.

Da bedarf es nicht nur fressneiderzeugender Worte, sondern auch einer deckungsgleichen Phantasie der Leserschaft, damit die buchstäblich beschriebene Kulinarik auch ästhetische Bilder erzeugt.

Geklappt hat das ganz augenscheinlich bei der New Yorkerin Dinah Fried. Die Designerin nahm sich der in einigen Klassikern der Literatur geschilderten Kulinarik an, stellte sie nach und bebilderte sie. Als Studienprojekt begonnen, ist ein um Foodfacts und Anekdoten angereichertes Buch namens Fictious Dishes entstanden, an dem man wenigstens mal lecken möchte. Wenn es schon nicht zum Verzehr gedacht ist.

Denn merke: Bücher werden weder verbrannt noch gegessen!

Aber das, was in Fictious Dishes zu sehen und vorher ander(w)orts zu lesen war, kann auf jeden Fall gegessen werden. Und wenn es so schmeckt, wie es aussieht: Pfoten weg! Meins!

© photos: Dinah Fried

Sollte eine Buchhandlung das (Nasch)Werk mal nicht vorrätig haben, weil sie vielleicht über kein Bestsellerie-Regal verfügen, hier gibt es Fictious Dicious definitiv. Kannste essen!

Mehr Meldungen von dem was war, ist und word gibt es allerspätestens bald. Word up!

Originally posted 2015-02-24 12:45:23.