Editor's Rating

Eine ausgeglichene Mischung aus ruhigen Szenen, geistreichen Dialogen, Action und Schnee.

8
Unterhaltungswert
7
Spannung
7.5
Coen-Faktor
10
blutiger Schnee

Man solle nicht immer alles vergleichen wollen, sondern die Dinge losgelöst betrachten, heißt es immer wieder, weil das mit den Äpfeln und Birnen…
Wenn sich eine Serie aber an einem Film von 1996 bedient und auch als Vorlage nutzt, wird man um einen Vergleich nicht herumkommen und wenn es sich dabei auch noch um einen so guten Film wie Fargo handelt, spräche das sogar umso mehr für die Serie, wenn sie diesem standhält.

In Kleinstädten im verschneiten Minnesota, wo die Menschen immer noch ein wenig seltsam, im Grunde aber gutmütig und vertrauensseelig sind, ereignen sich Verbrechen.
Das ist sowohl die Ausgangslage für das Coen-Brüder-Meisterwerk, als auch die adaptierte Version im Serienformat. Die Handlung orientiert sich lose am Film, nutzt aber weder die originalen Charaktere, noch den vorangegangenen Handlungsstrang. Zumindest fast nicht, aber alles Weitere würde zu Spoilern führen.
Viel Erklärungsbedarf gibt es dahingehend aber auch nicht mehr, wenn die Rahmenbedingungen bereits ein solch stimmiges Bild abgeben.

Man merkt, dass die Regisseurs-Geschwister als Produzenten der Serie beteiligt waren, wohl auch um ein Auge darauf zu haben, dass kein Schindluder mit dem Ausgangsstoff getrieben wird.
Auch wenn Noah Hawley kein verlorener Coenbruder ist, baut er mit belanglosen und gleichzeitig leicht seltsamen Dialogen, den „Fargo-Charme‟ auf und weiß ihn über lange Strecken zu halten.
Die Athmosphäre verdichtet sich von Folge zu Folge, wenn die dilletantisch wirkende Polizei des Örtchens langsam aber sicher Fährte aufnimmt und immer neue zwielichtige Gestalten auf der Bildfläche erscheinen.
Großes Lob an Martin Freeman, der den Protagonisten Lester Nygaard so herrlich schräg verkörpert und ausgesprochen gut mit den anderen verschrobenen Figuren harmoniert – gerade weil es nicht harmoniert.

Die Serie Fargo, kommt an den Film Fargo nicht heran. Muss sie aber auch gar nicht.

Man hat sich nicht vorgenommen, den 98 Minuten Streifen originalgetreu auf (bislang) 7 Episoden zu strecken und alles nochmal genauso zu machen. Warum auch, wenn der Film keiner größeren Verbesserungen bedarf und sich die Möglichkeit ergibt anknüpfend an die vorangegangenen Ereignisse, 10 Jahre später eine eigene kleine Geschichte zu erzählen.
Im direkten Vergleich passt die Grundstimmung, wie auch das Setting, sodass die Serie den Namen Fargo mit stolzer Brust tragen kann, ohne dass sich einer der beiden dafür schämen müsste.

Für die, die sich eher vom Namedropping, als gutem Filmhandwerk, durchdachter wie glaubwürdiger Story und klasse Schauspielkunst überzeugen lassen:
Saul Goodman spielt auch mit … also Bob Odenkirk, als Bulle Bill. Darüber hinaus kann man Billy Bob Thornton dem symphatischem Übeltäter bei der Arbeit zuschauen, der mit seinem Auftreten auch wunderbar in einen Coen Film gepasst hätte.

Fazit: Großartige Serie – sowohl mit, als auch ohne Vergleich zum Film. Die ausgeglichene Mischung aus ruhigen Szenen, geistreichen Dialogen, Action und Schnee, macht Fargo so sehenswert.

Originally posted 2014-05-31 20:10:59.