Editor's Rating

Zwei Prozent der Menschheit einfach weg? Was nach Wahrwerdung eines heimlichen Wunsches klingen mag, ist alles andere als das. Zumindest in der neuen, sehr guten HBO Serie. Sehr gut und HBO: fast schon eine Tautologie.

7.5
Drama
8
Spannung
8
Cast
7
Authentizität (ja, genau!)
8
Dranbleiben

Schwuppdiwupp Kartoffelsupp – von jetzt auf gleich zwei Prozent der Weltbevölkerung einfach weg. 140 Millionen Menschen von denen niemand weiß, was mit ihnen geschah. Und auch nicht, warum ihnen das Was-auch-immer geschah. Und wie. Und überhaupt. Einzig wo (weltweit) und wann (14. Oktober) ist bekannt und gleichzeitig Auftakt der neuen, von Warner Bros. TV für HBO produzierten Drama-Serie The Leftovers.

Darin kann sich die verbliebene Menschheit – 98 Prozent Leftovers also – das schicksalhafte / Schicksal beendende Ereignis nicht erklären. Es irgendwie einzuordnen, setzt sich die Annahme durch, dass es sich um etwas handele, das die Bibel als Jüngstes Gericht beschreibt. Allerdings lassen sich die Entrückten in kein Muster pressen. Einzige Gemeinsamkeit scheint zu sein, dass an jenem 14. Oktober jeder fünfzigste Mensch verschwand.

Auch drei Jahre später haben die Zurückgebliebenen (wertfrei, i.S.v. Hinterbliebenen) mit den Ereignissen jenen Tages zu kämpfen. Sich stets fragend, nach welchen Kriterien die Verschwundenen ausgewählt wurden und was das für ihr eigenes Leben bedeutet, versuchen sie, die Leftovers, mit dem Verlust ihnen Nahestehender und der veränderten Welt klarzukommen.

So auch Polizeichef Kevin Garvey (Justin Theroux), der als zweifacher Vater und (einfacher) Ehemann alles daran setzt, ein weitestgehend normales Leben zu führen. Gar nicht so einfach, hat Ehefrau Laurie nach dem Ereignis doch den Kontakt zur Familie abgebrochen und sich den Guilty Remnant angeschlossen – einer dauerrauchenden, sprachverweigernden Sekte. Und auch an Sohn Tom, der sich von einem mysteriösen Guru einlullen lässt, scheint ein Rankommen ebenso schwierig zu sein, wie an die 16jährige Tochter Jill, die durch die vielfach potenzierte, weil postapokalyptische, Pubertät geht.

Neben den Garveys suchen auch die anderen Leftovers ihren Platz in der populationsdezimierten Welt. Oder bei den sprachreduzierten Guilty Remnants, wie die von Liv Tyler gespielte Meg Abbott, die kurz vor ihrer Hochzeit steht.

Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Tom Perrotta, der am Drehbuch mitschrieb, entwirft Damon Lindelof mit The Leftovers eine Art postapokalyptische Sozialstudie, die den gesellschaftlichen Umgang mit der Unerklärlichkeit menschlichen Verlustes erforscht. Oder zumindest gekonnt medial und quotentauglich aufbereitet. Anders als bei seiner Serie „Lost“ widmet sich Lindelof diesmal jedoch nicht den Schicksalen der Verschwundenen, sondern denen der Hinterbliebenen. Die  Schicksale ebenso wie die Charaktere zu entwickeln, lässt sich Regisseur Peter Berg im Pilot viel Zeit.

Zeit, die sich gelohnt hat und die, in die zehnteilige Serie konsumierend zu investieren, durchaus vorstellbar ist.

Oder umgangssprachlich: Gucken! Unite and left over!

Originally posted 2014-07-30 12:15:21.