Editor's Rating

Lohnt sich. Gucken! Es spritzt sogar genug Blut.

7
Grusel
8
Setting
7.5
Charaktere (Qualität, nicht Quantität)
7
Serientreue

Diesmal eben andersrum. In vorübergehender Ermangelung eines serienabspielfähigen Endgerätes galt es diesmal, sich vor dem Konsumieren intensiv mit der zu rezensierenden Serie zu beschäftigen und also ein Vor-Urteil zu fällen, welches später nur noch zu revidieren oder eben zu verifizieren wäre.

Der Totgeburt Internet sei’s gedankt, waren problemlos Inhaltsangaben zu „Penny Dreadful“ einholbar: Einer als psychosexuell (what the [brain] fuck?!) beschriebene Horrorserie, die am 11. Mai im US-Fernsehen startete. Auskunftsfreudig informiert Neuland Internet weiter, dass selbige im London des Jahres 1891 spielt (wie auch ohne weitere Recherche gern gewusst werden darf, in einem dem viktorianischen Zeitalter zuzurechnendem Jahr) und einige der furchteinflößendsten Charaktere der Literaturgeschichte beinhaltet, so etwa Dr. Frankenstein und dessen Monster, Dorian Gray und die ein oder andere aus Dracula bekannte Ikone. Dabei besinnt sich die Serie, so ist es auf www.internet.de zu lesen, „auf die klassischen Ursprungsgeschichten im Horrorgenre, während sich die Figuren mit ihren monströsen Geisteskrankheiten auseinandersetzen müssen“. Aha. penny dreadful

Apropos „klassische Ursprungsgeschichten im Horrorgenre“ – Zeit für stinkende Angeberei erstaunliches Zusatzwissen: Penny dreadfuls nannten sich Londoner Groschenromane mit Gruselthemen aus dem 19. Jahrhundert, von denen sich die großen Romanklassiker inspirieren ließen.

Jetzt, im 21. Jahrhundert, also wieder andersrum: Die großen Romanklassiker, die Penny Dreadful inspirierten. Beziehungsweise deren Schöpfer John Logan und Sam Mendes, die bereits bei „James Bond 007 – Skyfall“ kassenwirksam zusammenarbeiteten. Generell scheint ein Mitwirken bei/ in/ an einem „Bond“ fast schon Besetzungskriterium bei Penny Dreadful. So zählen neben Eva Green (Bondgirl aus Casino Royal) und Timothy Dalton, der selbst zweimal die cineastische Doppelnull (Bond) mimte, beispielsweise auch die aus Skyfall bekannten Rory Kinnear und Helen McCrory zum Cast. Und Josh Hartnett, Darsteller einer der Hauptfiguren, kennt bestimmt auch jemanden, der mal irgendwas mit Bond (zu tun) hatte.

Das auf gründlicher Recherche fußende Vor-Urteil liest sich also wie folgt:

Groschengrusel in HD; (literarische) Garanten gepflegten Grauens in einer großartigen Kulisse, die notfalls auch von weniger großartigen Dialogen ablenkt; Special Effects, die vor lauter super-special-Sein vergessen machen, dass sie gar nicht so super viktorianisch sind, und eine Eva Green, die alles wieder gut macht, was Josh Hartnett… naja… vielleicht nicht so gut macht (dem sie aber trotzdem zugeneigt ist, weil sie ungefähr gleichen Alters sind und es halt im Drehbuch steht). Super Serie also!

Und ja: Der Eindruck scheint sich nach Schauen der ersten von bislang acht produzierten Episoden zumindest teilweise zu bestätigen. In der Pilotfolge trifft Ethan Chandler (J. Hartnett) als Schausteller einer Wild-West-Show in London auf die geheimnisvolle Vanessa Ives (E. Green), die ihn ob seiner Schießkünste für einen mysteriösen Job auswählt.

Dabei begegnet Chandler nicht nur erstmalig Vanessas Verbündetem Sir Malcolm (T. Dalton), sondern auch unangenehmen Untoten, auf die sie Jagd machen. Und zwar nicht einfach so, weil sie es können, sondern um Sir Malcolms Tochter Mina wiederzufinden, die der besorgte Vater in den Händen eines Vampirs glaubt – und da natürlich raus haben will. Ebenso wie Vanessa, die sich am Verschwinden Minas eine Mitschuld gibt. Worin diese begründet ist, wird in der Auftaktepisode ebenso wenig klar wie Vanessas sonstige Vergangenheit, ihre Ziele und ihre zeitweilige Besessenheit von was/ wem auch immer.

Klar hingegen ist, dass sich bald auch ein junger Arzt (Dr. Frankenstein) „Team Mina“ anschließen wird. Und wohl auch Ethan Chandler: Allerdings in erster Linie des Reizes und der Schönheit Vanessas wegen. Aber auch da gibt es, pfiffige Zuschauer werden es ahnen, sicher noch eine andere Motivation. Sieben weitere Episoden verbleiben, die Mysterien aufzudecken, mit denen die Serienautoren gekonnt das Zuschauerinteresse wecken. Und mit schaurig-schönen Düsterbildern in ebiger Kulisse, Gruselgaranten der Literaturgeschichte, genrebedingt geringem (aber durchaus vorhandenem) Dialoghumor und einem Cast, bei dem Eva Green gar nichts wieder gut machen muss, wird das eiskalte Wiedereinschalthändchen warmgestreichelt.

Ob tatsächlich Superserie kann an der Stelle noch nicht festgestellt werden, wohl aber, dass es lebt! Es leeeeeebt! Und das macht es soweit so gut!

Originally posted 2014-05-16 17:29:18.