Serien kann man sich kontrolliert und diszipliniert reinziehen – muss man aber nicht. Für alles andere gibt es Binge Watching. SLEAZE Binge Watching, genauer gesagt. Wir SLEAZELs kramen einmal im Monat in unseren supergeheimen Schatzkisten herum, treffen für euch eine liebevolle und persönliche Selektion und erzählen euch, warum ihr eure Tage, Abende und Nächte fortan nur noch mit unseren Serientipps verbringen solltet.

Die gute Nachricht zuerst: Der Sommer ist wieder am Start. Die bessere Nachricht: Das hält die meisten von uns noch lange nicht vom marathonähnlichen Serienanschauen ab. Während die sportlichen Menschen bei der Olympiade gerade erst mit mehr oder minder großen Erfolgen den Abschluss des Sportevents zelebrierten, stürzt sich unsereins bereits in den nächsten Staffellauf – und das wortwörtlich. Damit ihr unter allen Ernsthaftigkeiten des Lebens auch nie vergesst, Amüsement mit einem großen A und einem breiten Lächeln im Gesicht zu schreiben, greifen wir heute ganz tief in unsere Happy-Tasche und kitzeln liebevoll, aber bestimmt eure verkümmerten Lachmuskeln.

Die Serienexpertinnen von SLEAZE präsentieren: Bitte lächeln! Die besten Sitcoms aller Zeiten. Nach unserem persönlichen Geschmack und mit unverkennbarer Expertise.

Seichte Situationskomik mit beruhigender Wirkung: Die besten Sitcoms, die wo wir finden konnten

Wir haben vier medial bewanderte Menschen aus der Redaktion gefragt: Welche Sitcom würdest du mit Gold auszeichnen, deine Nationalhymne singen lassen und ganz oben auf dem Siegertreppchen platzieren? Sie haben uns erhört und geantwortet. Ausführlich. Ehrlich. Exklusiv.

Will & Grace

Deutsche Erstausstrahlung 2001: Es ist also ist schon eine Weile her, dass Will & Grace jene Beachtung zuteil wurde, die es verdiente. Und damit ist keineswegs (nur) von meiner ungeteilten Aufmerksamkeit die Rede, sondern vielmehr von einem eigenen Sendeplatz zur Sitcom Prime-Time: also am frühen Samstagnachmittag, irgendwann zwischen Hangover und leichter Nahrung.

Umgeben von S(h)itcoms, die zu Unrecht das Programm blockierten, lohnte es die von NBC produzierte US-amerikanische Sitcom, bei Bewusstsein zu bleiben und am Leben des schwulen Rechtsanwaltes Will Truman und der heterosexuellen Innenarchitektin Grace Adler teilzuhaben: Zwei seit Collegezeiten beste Freunde, die sich acht Staffeln lang (insgesamt 194 Episoden) in New York eine Wohnung und damit auch Freud und Leid teilen. Dabei waren es nicht mal unbedingt die Titelfiguren, sondern insbesondere Wills extravaganter Kumpel Jack MacFarland und Graces sarkastische Assistentin Karen Walker, ihres Zeichens alkoholabhängige Millionärsgattin, die trotz Körperschmerzen zum Einschalten bewegten. Ein (wie könnte es anders sein) Cocktail aus allen nur erdenklichen Beziehungsproblemen, Neurosen, Exzessen, Fettnäpfchen und -fässern. Da fühlte man sich bestens verstanden UND bestens unterhalten.

Koma wurde als Freizeitgestaltung erst nach einer knappen halben Stunde wieder attraktiv, wenn Will & Grace vorbei war und es mit Full House oder Eine starke Familie weiterging, wo Unterhaltung weitestgehend keine Rolle spielte.

(Anne)

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Alle hassen Chris

In einer autobiografischen Parodie auf Alle lieben Raymond erzählt Chris Rock in Alle hassen Chris von seinen kindlichen Eskapaden – und jenen Menschen, die ihm das Leben erschweren. Im Bed-Stuy der frühen 80er Jahre, einem Brooklyner Viertel, das medial vor allem durch Gewalt und Raubüberfälle repräsentiert wird, lebt der junge Chris als ältester von drei Geschwistern mit ebendiesen und seinen Eltern. Gezeichnet von der Bevorzugung der Jüngsten im Haushalt, den rassistischen Anfeindungen in der Schule und den ganz alltäglichen Problemen eines Heranwachsenden balanciert Chris von einer Katastrophe in die nächste. Ass whooping, Nachsitzen und Pech in der Liebe inklusive.
Dabei sind es tatsächlich primär die Frauen, die Chris neben seiner eigenen Desasteranziehung das Leben erschweren: Während seine überfürsorgliche, rassistische Lehrerin es in erster Linie darauf anlegt, das „arme, schwarze Crackbaby ohne Vater“ aus seiner vermeintlich prekären Situation zu retten (Spoilerwarnung: Es gibt kein Crackbaby) und die Konkurrenzkämpfe zwischen Chris und seiner Schwester Tonya meistens zu deren Gunsten ausgehen, sorgt Mutter Rochelle mit Stolz (Running Gag: Ihr Mann hat zwei Jobs, sie hat den Scheiss nicht nötig) und einer strengen Hand für die nötige Zurechtweisung ihrer Kids.

Ist Chris einfach nur ein unbeliebter Jugendlicher 101? mögt ihr jetzt fragen. Prinzipiell schon. Praktisch zeichnet sich Alle hassen Chris aber durch die Vielseitigkeit seiner Charaktere aus, sodass – auf die Gefahr hin, dass wir uns hier wiederholen – eben nicht nur eine weitere einheitliche Sitcom-Familie à la Full House dargestellt wird. Und außerdem, ehrlich und generell: Wenn du einzelne Szenen wiederholen musst, weil du darüber nochmal lachen möchtest – dann schaust du dir gerade eine richtig gute Sitcom an.

(Rebecca)

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My Name is Earl

Ich bin ein großer Fan von Sitcoms, aber auch sehr eigen. Während ich The Big Bang Theory, Friends und Scrubs abgöttisch liebe, bin ich mit How I met your Mother nie warm geworden. Außerdem nervt mich Klamauk, das bedeutet, die aktuelle Serie Wrecked fällt auch schon mal raus. Eine meiner liebsten Lieblingsserien ist My Name is Earl.

Der kleinkriminelle Earl (Jason Lee) glaubt nach einem Autounfall ans Karma und versucht mit Hilfe einer Liste im Verlauf der Serie all seine schlechten Taten rückgängig zu machen. Unterstützt wird Earl von seinem eher schlichten Bruder Randy, der große Angst vor Vögeln (die TIERE!!!) hat und Catalina, dem Zimmermädchen. Der restliche Cast besteht hauptsächlich aus White Trash Rollen wie Patty, The Daytime Hooker oder Ralph Mariano, der Earl zwingt, seine Mutter zu heiraten.

Da am Ende irgendwie (!) alles gut wird, eine Feel-Good-Serie fürs Herz.

(Yanah)

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Seinfeld

Hätte man mir gesagt, dass es in dieser Rubrik mal ein Sitcom-Special geben wird, hätte ich mir diese Serie dafür aufgespart. Aber unter diesen Umständen muss ich sie einfach nochmals anführen. Macht aber nichts, Seinfeld kann ruhig mehrmals gelobt werden. Denn gerade im Sitcom-Kontext hat sie reichlich Pionierarbeit geleistet und kommt auch heute im Vergleich zu neueren Produktionen noch lange nicht überholt daher.
Vielleicht liegt das daran, dass sie so einiges vorweg genommen haben. Nachdem sich das Fernsehen als Massenmedium etabliert hatte, wurden Formate entwickelt, die über die reine Informationssendung hinaus gingen. So dauerte es nicht lange, bis es die ersten Sitcoms zu sehen gab. Meistens spielten sie sich jedoch in einem familiären Umfeld ab und liefen überwiegend nach dem gleichen Schema ab. Am Anfang stand ein Problem oder ein Konflikt, der im Laufe der Folge gelöst werden musste und sich am Ende zwar nicht immer in Wohlgefallen, oftmals aber in einem „und die Moral von der Geschichte …“ auflöste.

Nach und nach wurde das Feld weiter abgesteckt und es traten auch andere Konstellationen auf. Dennoch blieb man dem Schema treu. Und dann kam Seinfeld.

Das Grundgerüst ist weiterhin typisch für eine Sitcom, aber es wurde ein realistischeres Bild des alltäglichen Lebens gezeichnet … so realistisch eine fiktive Comedy-Show eben werden kann. Nicht alles verläuft linear, nicht jeder Konflikt löst sich auf, manchmal wird es schlimmer, manchmal gerät er einfach in Vergessenheit. Zu Gute kommt der Show, dass sie äußerst gut geschrieben ist. Kaum generische Dialoge, die nur existieren, um einen platten Witz zu transportieren und Charaktere, die lebendig wirken und sich im Laufe der Zeit auch durchaus weiterentwickeln.
Um ins Detail zu gehen und meine Lobpreisungen weiter zu führen, fehlt hier leider der Platz. Aber warum lange darüber schwadronieren, statt sich mit reichlich Snacks auf der Couch zu platzieren und sich selbst von der Qualität dieser Serie zu überzeugen? Ist ja auch bald wieder Herbst.

(Fred)

Seinfeld Sitcoms die man sehen sollte

Beitragsbild: Etsy / MirandaLMcNulty (nach einem Zitat von Phoebe Buffay / Friends)

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