Serien kann man sich kontrolliert und diszipliniert reinziehen – muss man aber nicht. Für alles andere gibt es Binge Watching. SLEAZE Binge Watching, genauer gesagt. Wir SLEAZELs kramen einmal im Monat in unseren supergeheimen Schatzkisten herum, treffen für euch eine liebevolle und persönliche Selektion und erzählen euch, warum ihr eure Tage, Abende und Nächte fortan nur noch mit unseren Serientipps verbringen solltet.

Heute ist alles anders, heute ist Gegenteiltag. Oder so. Denn wir waren kreativ und innovativ und haben beschlossen, den Spieß in diesem Monat einfach mal umzudrehen. Das heißt nicht etwa, dass ihr an die Arbeit geschickt werden und uns eure liebsten Serien vorstellen solltet, sondern dass wir euch weiterhin glorreiche Tipps verteilen – nur eben für all die Serien, die ihr euch nicht unbedingt antun müsst. Dazu haben wir wie immer exklusiv in der besten Redaktion vong Welt her geforscht und uns die ultimativen Serienkiller beschreiben lassen. Ja, es gibt sie, die schlechtesten Serien aller Zeiten – zumindest für unseren exquisiten Geschmack. Nein, ihr dürft uns keine Eier an die Bürofassade werfen, wenn eure Lieblingsserie in der Liste auftaucht. Ja, Taschentücher gibt es am Ende des Artikels. Und jetzt LEST!

Serienkiller: Die schlechtesten Serien aller Zeiten. Echt jetzt!

Schauspielerische Leistung, Plot, Kameraführung: Ebenso vielseitig wie die Parameter für eine gute Serie (nach SLEAZE Ermessen) sind auch die Gründe für ein grandioses Scheitern einer TV-Produktion (nach SLEAZE Ermessen). Dass unsere Urteile (nach SLEAZE Ermessen) wie alles andere in Sachen Serienbewertung subjektiv sind, dürfte den aufmerksamsten unserer Leseraten nicht entgangen sein. Trotzdem wagen wir uns wieder einmal in das Minenfeld der Facebook-Kommentarfelder und springen unkontrolliert darin herum – die schlechtesten Serien immer vorauswerfend. Lasst uns!

Pretty Little Liars

Gleich vorab: Ich verfolge Pretty Little Liars seit nunmehr sechseinhalb Staffeln. Ich habe beobachtet, wie fünf Teenagerinnen ihre tote Freundin gesucht und gefunden haben, von einer mysteriösen Person in schwarzem Hoodie erpresst wurden und in der Konsequenz allerhand wirres Zeugs veranstaltet haben. Ich habe mich lange gefragt, warum in diesem dunklen Kleinstadtkrieg niemand die Polizei einschaltet und auch elterliche Fürsorge und Verantwortungsgefühl irgendwie absent sind. Und ich weiss, wovon ich rede, wenn ich sage: Fickt doch eure Rätsel, verdammtnocheins!

Es lässt sich offensichtlich nicht leugnen, dass mich eine tief verankerte Hassliebe mit Pretty Little Liars verbindet. Einerseits ist die Spannung um die endgültige Auflösung des Mysteriums um A, der (oder die?) die fünf Mädels seit Jahren verfolgt und terrorisiert, auch nach etlichen Folgen, falschen Fährten und irrtümlichen Beschuldigungen fester Bestandteil der Pretty Little Liars Quality Time. Andererseits wären da aber auch eben diese In-die-Irre-Führungen, die Kumulation von Ungereimtheiten, die unrealistischen Plottwists, die unterirdische Schauspielleistung diverser Castmitglieder und das ständige, unnötige Dehnen aller möglichen Handlungsstränge, die die Jugendserie beinahe unerträglich machen.
Da hilft auch der Sex nicht, den die Produzentin Marlene King seit der Volljährigkeit der Protagonistinnen immer mal wieder (aber öfter als eben notwendig!) einstreut. Ähm, Entschuldigung, aber wir wollen Antworten auf unsere Fragen! Und: Awkwaaaard!

Kurzum: Wenn deine zehnjährige Schwester anfängt, dir deine Serien abzugreifen, solltest du loslassen und dich nach etwas anderem umsehen. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Und andere Produzentinnen habe auch schöne Serien.

(Rebecca)

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Gelungenes Corporate Design und passend zum Plot: Ein grauenhaftes Foto zur 7. Staffel.

Party, Bruder!

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
ich möchte Ihnen nun anhand stichhaltiger Indizien darlegen, was die, für den TV-Sender VIVA produzierte, Serie Party, Bruder! zur Aufnahme in die Liste der schlechtesten Serien aller Zeiten qualifiziert.
Die Anklage erfolgt ausschließlich auf Grundlage der öffentlich zugänglichen Fakten aus dem Eintrag einer bekannten Online-Enzyklopädie, die im Folgenden zitiert werden.

I.

Die Sendung dreht sich um die abendlichen Partyaktivitäten der drei Essener Steven, Anil, Bulut und den aus Recklinghausen stammenden Nayef und Moho.

II.

Die Fernsehserie wurde nach dem Vorbild von Jersey Shore konzipiert.

III.

VIVA hat den fünf Hauptdarstellern […] stereotypische Titel zugewiesen:

    • Anil Yaman: Der Boss
    • Bulut Ak: Der Chameur
    • Moho Öncül: Der Tänzer
    • Nayef Rassalan: Der Süße
    • Steven Berisa: Das Model
    • Timur Cicek

IV.

a) Die Quoten lagen nach drei Wochen mit 90.000 Zuschauern bei 0,3%

b) Auch die letzte Folge erreichte nur 0,3% Marktanteil.

V.

Quotenmeter bemängelt, dass die Hauptfiguren sich „unangenehm aufdringlich, machohaft uncharmant“ verhielten. Überdies seien sie „mit einem abenteuerlichen Wortschatz ausgestattet.“

VI.

Ausgewählte Titel einzelner Folgen:

      • Schöne Haare, Bruder!
      • Die Karre ist eh Gammel
      • Ich seh aus wie ein Athletiker!
      • Ich glaube, Berlin platzt, Bruder!
      • Du hast versucht, einen Adler einzusperren
      • Wallah, ich muss weinen!

Die Beweisführung ist hiermit abgeschlossen. Keine weiteren Fragen.

(Fred)

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Hand aufs Herz

Eine Serie, die mit einem Song von James Blunt beginnt, kann nicht gut sein. Und das bewahrheitet sich bei der deutschen Sat.1 Soap Opera Hand aufs Herz in jeder Folge aufs Neue.

Zunächst zum unfassbar spannenden (Achtung: Ironieeeee!!!) Plot: Bea Vogl ist Lehrerin und – Achtung, richtig krass: verliebt sich in ihren Schüler Ben. Dieser ist seines Zeichens Surfer Boy, mit Freundschaftsbändern, Halskette und der nötigen Gelfrise inklusive und abgesehen davon ist er natürlich viel, viel reifer, als seine pickeligen Mitschüler.
Die beiden beginnen eine ständige On-Off-Geschichte, bei der sie sich von einem dramatischen Augenaufschlag zum nächsten labern. Denn das tun in dieser Serie wohl alle besonders gern: Labern und sich gegenseitig ungefragt gute Ratschläge geben.

Eine Serie, die nicht nur ein Klischee bedient, ein furchtbar prüdes Bild des Schulalltags zeichnet und alles an schauspielerischem Nichtkönnen vereint, was die deutsche Schauspielszene so zu bieten hat. Zum Glück war nach 234 Folgen, die uns tagtäglich im TV zugemutet wurden, endgültig Schluss.

(Mariella)

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Cuckoo

Ken und Lorna Thompson freuen sich auf ihre Tochter Rachel. Diese war für ein Jahr im Ausland. Unglücklicherweise (für uns alle) bringt sie ihren neuen Ehemann Dale Ashbrick mit.
Dale ist ein nerviger Hippie, der nicht arbeiten möchte, sondern lieber ein Buch schreiben, das alle Probleme der Welt löst. Vater Ken versucht diesen Horror-Schwiegersohn mit allen Mitteln loszuwerden. Leider fühlt sich Dale bei den Thompsons sehr wohl.
Der Plot klingt einigermaßen lustig. Und das war es dann auch mit Spaß in dieser Serie. Sie erinnert ein wenig an Christian Ulmens Mein neuer Freund und das war sehr schmerzhaft anzuschauen. Im guten Sinne schmerzhaft.

Cuckoo ist schmerzhaft im nervenden Sinne. Das Frauenbild ist wieder einmal zum Weinen. Ehefrau Rachel ist von ihrem Schmarotzermann unglaublich begeistert und Mutter Lorna kichert hier und dort nur ein wenig. Schwiegervater Ken macht einige Szenen erträglich, denn er verspürt diese Wut und die Abneigung, die ich bei dieser Serie hatte, auch.

Übrigens wird in der zweiten Staffel Twilight-Werwolf Taylor Lautner den aktuellen Dale-Darsteller Andy Samberg (Bad Neighbors) ersetzen. Ob die Serie dann lustiger wird, bezweifle ich. Warum Cuckoo in Großbritannien, dem Land des großartigen Humors, so ein Erfolg ist, weiss ich nicht. Wer wirklich eine gute britische Serien schauen mag, guckt sich Chewing Gum an. Aber davon erzählen wir euch nächstes Mal.

(Yanah)

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