Unsere neue Artikelreihe „100 Bücher/ Alben/ Filme, die wir lesen/hören/sehen müssen“ orientiert sich an den Listen der BBC und des ZDF. Worum geht es?

Wir hören und schauen uns die empfohlenen Werke an und bewerten sie. Ehrlich und unhöflich.

Denn Listen sind auch immer eine Bevormundung, besonders wenn, wie bei der Zeit-Liste, der Expertenrat aus sechs älteren Männern besteht, deren Begründung für diese Liste ist, dass „junge Menschen erst mal wieder das Lesen lernen müssen“.

100 Filme, die wir gesehen haben müssen – Toni Erdmann

Für den Bereich Film greife ich auf eine erst kürzlich veröffentlichte Liste der BBC zurück. Diese will die 100 besten Filme seit der letzten Jahrhundertwende gekürt haben. Gewählt wurden die Filme von 177 Filmkritikern aus aller Welt.
Ohne bestimmten Grund möchte ich das cineastische Pferd von hinten aufzäumen und fange daher mit dem letzten Platz an.

Platz 100: Toni Erdmann

Die Geschichte ist schnell erzählt: Winfried Conradi (großartig gespielt von Peter Simonischek) ist ein pensionierter Musiklehrer, der es liebt seine Umgebung und vor allem seine Familie mit skurrilen Scherzen und einem falschen Gebiss zu unterhalten. Als sein geliebter Hund stirbt, beschließt er seine Tochter Ines zu besuchen. Diese ist Unternehmensberaterin in Bukarest und ihres Zeichens dauergestresst und von Grund auf unglücklich.
Da er den Zustand seiner Tochter nicht mit ansehen kann, schlüpft Winfried kurzerhand in die Rolle des Toni Erdmann. Er gibt sich als Lebenscoach aus und taucht bei jeder Gelegenheit und natürlich immer mehr als unerwünscht im Leben seiner Tochter auf. Mit seinen skurrilen Auftritten macht er seine Tochter nicht nur einmal lächerlich, bringt sie damit aber auch dazu über ihr Leben reflektiert nachzudenken. Bis irgendwann ihr gesamtes berufliches Kartenhaus zusammenbricht und sie erkennt, dass sie so nicht mehr weitermachen kann. Nachdem sie sich mit ihrem Vater ausgesprochen hat, endet der Film.

Toni Erdmann

Toni Erdmann Filmplakat

Toni Erdmann ist ein ruhiger Film. Hier wird (zum Glück) nicht mit bahnbrechenden Actionszenen um sich geschmissen. Auch der Plot an sich ist nichts, was wir nicht schon gesehen haben. Was diesen Film aber so besonders und auch absolut verdient in diese Liste der Top 100 Filme seit 2000 bringt, ist seine brutale Ehrlichkeit. Dabei ist es der realistische und ungeschönte Blick auf Ines‘ Leben, das von außen überzeugt und wirklich erstrebenswert wirkt, der besonders beeindruckt.

Auch wenn einen dieser harte Einblick in ihr Leben oft deprimiert und runterzieht (weil man  dabei automatisch sehr oft an sein eigenes Leben denkt), sind es die aberwitzigen und berührend lustigen Momente, die im Gedächtnis bleiben.

Fazit

Der Film der deutschen Regisseurin Maren Ade hat es zu Recht in diese Liste geschafft. Auch wenn es euch vermutlich wenig interessiert, bekommt er auch von mir das Prädikat „sehenswert“ verliehen.  Und das nicht zuletzt wegen der großartigen Leistung der Schauspieler.