Editor's Rating

Die Analyse des uns übersandten filmischen Materials und die pseudowissenschaftliche Auswertung hat ergeben, dass die Wahrscheinlichkeit eines guten Films bei 3 Sternen liegt

3
gesamt

Wie unangenehm. Da soll eine Review zu einem Film geschrieben werden, der bereits auf dem namhaften Internationalen Film Festival Sitges ausgezeichnet wurde und dann hapert es (unter anderem) am finalen Verständnis. Wie „final“ bereits vermuten lässt, wird dies natürlich erst zu Ende des Films bemerkt. Konkret geht es um den von Marctropolis-Filmentertainment präsentierten Horror-Thriller Across The River, der am 08. Mai Kinostart feiert.

Der einfachen Handlung wegen ist eine Inhaltsangabe auch ohne abschließendes Verständnis möglich. Vorhang auf: Im neuesten Werk des italienischen Regisseurs und Drehbuchautors Lorenzo Bianchini geht es um den Naturforscher Marco Contrada, der Tiere zählt und deren Verhalten erforscht. Im Wald. Irgendwo zwischen Italien und Slowenien. Bei Auswertung des Materials der von ihm hierfür verwendeten Foto- und Filmfallen stößt Contrada eines Tages auf seltsame Fehlbilder. Einzige Möglichkeit seine Arbeit zu beenden sieht er darin, einer Wildschweinroute zu folgen, die ihn immer tiefer in den entlegenen, dunklen, waldigen Wald zieht – bis hin zu einem Fluss. Auch diese letzte natürliche Barriere zu überqueren, scheut sich der von Neugier und Forschungsdrang getriebene Contrada nicht. So stößt er auf ein across the river gelegenes, hochgradig verlassenen Bergdorf, das ein entsetzliches Geheimnis bewahrt.

Muss ja. Kein Horror-Thriller ohne Entsetzen. Ebiges herzustellen, gibt es bekanntermaßen dramaturgische und filmische Mittel. Und mal mehr mal weniger gut sortierte Kisten, in denen diese archiviert werden. Scheint, als sei Independent Filmemacher Bianchini dabei an eine gänzlich unsortierte Kiste geraten, aus der er sich reichlich bediente: Gruselmusik und Gruselgeräusche (immerzu – bis zur Resistenz), Gruselmaske (hin und wieder), Gruselkameraführung inklusive Gruselschnitt (nur beim Hinsehen zu erkennen), Gruselambiente und Gruselstimmung (die den ein oder anderen Sekundenschlaf dennoch nicht verhindert).

Einem kleckerburgbegeisterten Kind greift Bianchini mit beiden Händen ordentlich rein, fitscht drin rum und lässt das Ergebnis dann auf einen minimalistischen Haufen kleckern. Am Ende ist die Horrorburg zwar zu erkennen. Aber sie ist eben lang nicht so ansehnlich wie andere. Eher eine Reihenhausburg. Zudem eine ohne Ausgang. Denn nach Rezeption des 89-Minüters und der Hoffnung, dass sich am Ende alles fügt; der Hoffnung, überrascht zu werden und einen Sinn fernab der Review zu erkennen, ist alles was bleibt die Erkenntnis, den Film nicht verstanden zu haben. Irgendwie wollen sich Rückblenden und Gegenwart nicht so recht fügen, wollen Kommentare (und filmische Existenz) eines sich erinnernden Rentnerpaares nicht so recht Sinn ergeben, wirkt die Isolation hausgemacht, erscheint der Bruch von gähnend-gruseligem Gar-Nichts hin zu einem von-Null-auf-Hundert-Finale zu konstruiert, zu gewollt. Gleiches Unverständnis wäre wohl auch ohne den eigenen (zweimaligen) Sekundenschlaf zu beklagen. Das zu überprüfen scheitert allein am Wissen (und Wollen), hierfür nochmal 89 Minuten zu verschwenden. Oder sagen wir siebzig. Alles war ja auch nicht schlecht. Zumindest nicht schlechter als SLEAZE. Aber doch schlecht genug für 3 Sterne.

Originally posted 2014-05-03 11:25:39.