Um allen großkotzigen Wichtigtuern und Schlaumeiern von vornherein den Wind aus den Segeln zu nehmen: Ja, wir wissen, dass die Dokumentation Earthlings schon einige Jahre auf dem Buckel hat. Diese Tatsache stört uns aber nicht. Wir halten es da wie mit gutem Käse oder Wein, die mit zunehmendem Alter auch nicht schlechter werden.

 

Earthlings

 

Earthlings behandelt die Ausbeutung des Tieres durch den Menschen. Produzent, Drehbuchautor und Regisseur Shaun Monson betrachtet dabei die unterschiedlichsten Aspekte der Qual von Tieren.

Angefangen bei der Zucht von Haustieren und dem Leben in Tierheimen bis hin zur Massentierhaltung der Nahrungsindustrie zeigt die Dokumentation schonungslos das Elend von Tieren auf.

Besonderes Augenmerk wird auf die Rolle der menschlichen Rasse gelegt. Diese wähne sich mit ihrer „Zivilisation“ als Krönung der Schöpfung und fühle sich dem Tier überlegen. Dabei ist der Mensch – rein biologisch übrigens auch ein Tier, daher der „Mensch“ und „Tier“ auf ein Level bringende Titel „Eartlings“ –stark vom „klassischen“ Tier abhängig. Sei es für medizinische und wissenschaftliche Testzwecke (auch wenn die EU gerade einen vorbildlichen Schritt nach vorn gegangen ist und sämtliche Produkte, die mittels Tiertests produziert wurden, für den Verkauf in ihren Grenzen verboten hat.), für den Leder- und Pelzhandel oder für noch banalere Dinge wie der Sport- und Unterhaltungsindustrie. Obwohl sich der Mensch dieser Abhängigkeit bewusst ist, missachte er die Rechte der Tiere. Das Wohlergehen der Tiere spiele eine mehr als untergeordnete Rolle.

Earthlings

Der Großteil der Dokumentation wurde mit versteckten Kameras in Schlachtbetrieben, Legebatterien und Tierheimen gedreht. Diese Tatsache verleiht Earthlings eine grausame und ekelerregende, aber leider existierende Authentizität. Ich bin mir sicher, die Mehrzahl unter uns kennt diese schlimmen Zustände zwar bereits, einen solch wachrüttelnden und zugleich verstörenden Einblick, den die Dokumentation uns bietet, gab es bis jetzt jedoch nicht. Die gezeigten Bilder von misshandelten Lebewesen, grausamen Schlachtungen und Häutungen lassen den Zuschauer mehr als nur erschaudern. Leichte Kost ist Earthlings keineswegs. Durchhaltevermögen und die Bewältigung von blutigen, gewalttätigen Szenen sind Grundvoraussetzungen. Viele mussten das Anschauens des Films bisher abbrechen – ganz im Gegensatz zu ihrem Konsumverhalten, welches dies Horroszenarien ermöglicht.

Die starke Verbreitung der Doku ist auf die freie Zugänglichkeit im Internet zurückzuführen. Zur Berühmtheit der Dokumentation tragen auch Moby, der den Soundtrack bereitstellte, und Joaquin Phoenix als Sprecher bei. Seine mitfühlende Stimme verleiht der Dokumentation noch mehr Emotionalität und Betroffenheit.

Earthlings

Durch den Film bekommt die hitzige Debatte zwischen Fleischessern und Vegetariern (Achtung, geballter Wortwitz!) neue Nahrung und bissigen Konfliktstoff. Die Hoffnung der Dokumentation zu einem Umdenken bei der menschlichen Bevölkerung bezüglich des Essverhaltens und des allgemeinen Umgangs mit Tieren oder zumindest des ungehaltenen und maßlosen Konsums steht der große Verdrängungsmechanismus entgegen. Bei so einer geballten Konfrontation machen viele zu, weil sie die Mitschuld einfach nicht verkraften.

Earthlings

Trotzdem: Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Tierschutz und den Rechten von Tieren wird definitiv erreicht. Aus eigener Erfahrung kann ich dies bestätigen. Earthlings und die daraus resultierende Hinterfragung meiner eigenen Essgewohnheiten haben einen spürbaren und bleibenden Eindruck hinterlassen.

Falls ihr vom Gefasel über eine gerechtere Welt noch nicht genervt seid, legen wir euch eine weitere Doku von Shaun Monson ans Herz. Unity behandelt den gemeinsamen Ursprung von Mensch und Tier, ist weniger blutig und scheint somit auch etwas für die Schwachbesaiteten unter uns zu sein. Start ist im September 2013.

Earthlings

Stefan

Originally posted 2013-10-15 15:35:28.