Wieder einmal (mittlerweile schon zum 28. mal) fand das Fantasy Filmfest passend zum Herbstbeginn statt, wenn die Stadt zu ungemütlich wird, um sich draußen herumzutreiben. Da kommt es sehr gelegen, dass man sich 12 Tage lang in schummrig beleuchteten Räumen, in weiche Kinosessel fletzen und Filme schauen kann.

Nicht irgendwelche Filme, sondern überwiegend sperrige, provozierende, schwer vermarktbare, von denen womögliche einige nie mehr auf einer Leinwand zu sehen sein werden. Kurz gesagt: gute Independent Streifen – vorrangig aus den Genrekategorien Thriller, Horror, Science-Fiction und mit einigen Arthouse Themen.
Wir waren auch wieder dabei und berichten nun.

Open Windows
Frankreich/Spanien/USA – Regie: Nacho Vigalondo – Darsteller: Elijah Wood, Sasha Grey, Neil Maskell

Ein Film in reiner Desktop-Optik mit diversen Bildschirmfenstern von Web- und Handycams, in Echtzeit inszeniert und dann auch noch mit Sasha Grey … klingt ganz schön anstrengend.

Das Gegenteil ist aber der Fall.
Ich will nicht zu viel über die Story verraten, aber grob umrissen geht es um den jungen Blogger Nick, der ein Date mit der Schauspielerin Jill gewinnt, das diese jedoch kurzfristig absagt. Er erhält von einem Unbekannten, der sich als ihr Manager ausgibt die Möglichkeit ihr viel näher zu kommen als gedacht.

Die Lage spitzt sich schnell zu und ein wildes Katz-und-Maus-Spiel beginnt, bei dem nicht ganz klar ist, wer jetzt Katze, wer Maus und wer der Kammerjäger ist. Wer schon mal „The Stanley Parable‟ gespielt hat, wird große Gemeinsamkeiten des dortigen Erzählers mit unserem Unbekannten in „Open Windows‟ feststellen. Ruhig, bestimmt, latent jähzornig und mit mehr Wissen über die Situation, als er uns glauben lässt.
Die Story schlägt Haken und wartet an den Stellen mit Überraschungen auf, wo man sie als letztes erwartet hätte.

Ein packender Thriller, der angefangen bei der Story, über die Umsetzung bis hin zur schauspielerischen Leistung überzeugt.

Redirected
Großbrittanien/Litauen – Regie: Emilis Velyvis – Darsteller: Vinnie Jones, Scot Williams, Gil Darnell

Kurz musste ich im Programmheft nachschauen, ob Guy Richtie einen neuen Film gemacht hat. Hat er nicht.

Redirected hat sich aber von selbst ganz oben auf die Liste „Für Freunde von…‟ gesetzt.
Britische Schmalspurganoven mit dem Hang zur Tollpatschigkeit, pinkeln echten britischen Gangstern ans Bein und sitzen nun ganz tief in der Scheiße. So läuft das eigentlich immer ab, aber an diesem Punkt wollen sich unsere vier Jungs von den anderen armen Schweinen unterscheiden und haben einen sicheren Plan ausgetüftelt, um ihrem Schicksal zu entgehen. Geld einpacken, Flugzeug besteigen, in Malaysia am Strand das Leben genießen.

Es hätte so schön sein können, doch die Reise endet in Litauen, wo sich die Lage entsprechend entgegen ihren Erwartungen entwickelt … denn nicht nur Engländer können kriminell.

Es beginnt eine Odyssee durch verfallene Stadtviertel, osteuropäische Wälder, rustikale Bauerndörfer und durch politisch unkorrekte Klischees, die weder vor Pfarrern, Prostituierten oder einer Hochzeit halt macht.

Life After Beth
USA – Regie: Jeff Baena – Darsteller: John C. Riley, Aubrey Plaza, Dane DeHaan

Zombiefilme gab es schon zur Genüge, aber größtenteils dreht es sich darin thematisch darin um das nackte Überleben, zwischenmenschliche Konflikte die unter dem Druck ausbrechen und darum Geschnetzeltes aus den Untoten zu machen.

Life After Beth beschäftigt sich mit ähnlichen Dingen, aber in viel kleinerem Rahmen.
Zach versucht den Tod seiner Freundin zu verkraften und nebenher die alltäglichen Probleme eines Kleinstadtteenagers zu bewältigen. Seine Familie ist dabei keine allzu große Hilfe und als wäre das nicht schon genug Stoff für einen melodramatischen Coming-of-Age Film, erwacht Beth plötzlich wieder von den Toten.

Ab da wird es erst so richtig kompliziert und nicht nur Beth fängt an, seltsame Eigenheiten zu entwickeln. Die ganze Welt scheint vor die Hunde zu gehen, aber jeder ist mit seinen persönlichen Problemchen beschäftigt, weshalb sich die ganz große Apokalypse nur am Rande abspielt. Man kann sich ja nicht um alles kümmern.

Originally posted 2014-09-13 16:15:26.