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"Und Morgen Mittag Bin Ich Tot" erzählt die tragische Geschichte einer jungen, tot kranken Frau, die beschließt ihrem Leben ein jähes Ende zu setzen. Ein im wahrsten Sinne des Wortes herzzerreißendes Filmportrait über die letzten Stunden eines tot geweihten Lebens, das mit Würde und Stolz, Demut und Dankbarkeit beendet wird. Heftiger Tobak und nichts für schwache Nerven.

8.5

Während sich andere Menschen in ihrem Alter um ihre Unibewerbungen kümmern, sich auf Partys vergnügen oder reisend die Welt erkunden, wird Lea (großartig gespielt von Jungschauspielerin Liv Lisa Fries) mit ihrem kurz bevorstehenden Tod konfrontiert. Sie leidet an Mukoviszidose, eine vererbbare Stoffwechselerkrankung, die trotz einiger Behandlungsmöglichkeiten, früher oder später unausweichlich zum Tod führt.

Ihrem grausamen Ende, das sie bereits bei ihrem großen Bruder hautnah miterleben musste, ins Auge blickend, beschließt sie ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Sie reist in die Schweiz. Ein Land, in dem der Tod auf Rezept legal ist und so normal zu sein scheint, wie Blumenerde einzukaufen.

Und Morgen Mittag Bin Ich Tot (Foto:(C) Jacqueline Krause-Burberg / Peter Heilrath Filmproduktion)

Und Morgen Mittag Bin Ich Tot (Foto:(C) Jacqueline Krause-Burberg / Peter Heilrath Filmproduktion)

Lea ist bereit, hat mit ihrem irdischen Dasein abgeschlossen und ihre Angelegenheiten geklärt. Einzig ihre Familie, der sie bisher nichts von ihrem Vorhaben erzählt hat, dreht (verständlicherweise) komplett durch, als sie davon erfährt. Zwischen Verleugnung, Unverständnis und Selbsthass droht die Familie, unter der Last von Leas geplantem Abschied, auseinander zu brechen. Plötzlich werden das letzte Abendmahl und Sätze wie „Ihr letztes Stündlein hat geschlagen“ aus dem metaphorischen Kontext gerissen und zum bitteren Ernst.

„Und Morgen Mittag Bin Ich Tot“ ist harter Tobak und bestimmt nichts für schwache Nerven. Trotz der wirklich schönen und lebensbejahenden Momente und teils sehr witzigen Dialoge, ist dieser Film psychisch und physisch mehr als anstrengend. Hat man während des Films doch ständig das Gefühl ein tonnenschwerer Stein läge auf dem eigenen Herzen. Kaum ein Moment, in dem man nicht vor lauter Wut und Entsetzen über Leas Schicksal, losheulen möchte. Kaum eine Szene, in der man sich nicht fragt, wie man so ein schreckliches Schicksal überhaupt ertragen kann.

Trotz der themenbedingten Heftigkeit ist das Filmdebut von Frederike Steiner in jedem Fall sehenswert, vereint es doch ein interessantes Thema mit einer herzzerreißende Geschichte und großartigen Schauspielern. Und auch wenn dieser Film definitiv nicht zur abendlichen Belustigung à la Hollywood dient, dient er aber in jedem Fall dazu, dass man sein eigenes Leben wieder mehr zu schätzen weiß und die eigenen vermeintlichen „Probleme“ relativiert.

„Und morgen Mittag bin ich tot“ ist ab heute 13.2. in den Kinos.

Originally posted 2014-02-13 15:02:03.