Es gibt eine ganze Reihe von Memes, die den New Yorker und seine Liebe zu Timberlands zum Thema haben. Mindestens eben so viele gibt es zum Nike Cortez und den Bewohnern von Los Angeles. Während die Nikes im sonnigen Kalifornien eher ein 365 Tage Dauerbrenner sind, läutet die Timberland-Welle in New York eine neue Saison ein. Kaum fällt das erste braun gefärbte Blatt auf den Bordstein, ist die ganze Stadt plötzlich voll mit den Schuhen in unverkennbaren Beige. Und jeder weiß: Jetzt ist der Sommer vorbei. 

Auch wir haben uns vor ein paar Tagen den letzten Rest Sonnencreme vom Körper gewaschen und uns danach genüsslich durch längst vergessenen Ecken unseres Kleiderschranks gewühlt. Dabei haben wir uns gefragt, ob es bei uns eigentlich auch bestimmte Modetrends gibt, die regional als modische Wettervorhersage funktionieren. Wir glauben ja. Überhäuft uns mit einem Shitstorm, wenn wir damit falsch liegen. Ist uns egal, wir haben unsere Mode schon angepasst und unser wasserdichtes Herbstoutfit an. 

 

BERLIN – Die modische Zwiebel

Nachdem man im Sommer möglichst wenig anhatte, wird jetzt geschichtet. Statt Bauch frei eben Hals zu. 5 Meter lange Schals, Vintage Designer-Tücher, neonfarbene Skimützen aus den 90ern, mondäne Samtstirnbänder, überdimensionale Stulpen oder Ohrenwärmer mit Katzenohren – Berlin nutzt alles, aber auch wirklich alles, um auch noch bei 7 Grad Nieselregen dem Anspruch gerecht zu werden, Deutschlands ausgefallenste Stadt in Sachen Streetstyle zu sein. Und dazu werden Jacken noch und nöcher kombiniert. Nicht eine, nicht zwei, mindestens drei sollten es schon sein, um authentisch zu wirken. Ob dabei Strickjacke, Jeansjacke und Parka oder Cardigan, Blazer und Regenmantel kombiniert werden, ist eigentlich scheißegal, Hauptsache anders.

Quelle: Pinterest

 

München – Weltruhm durch modische Tradition

Ich weiß schon, jetzt werden die Augen verdreht, weil wir schreiben, dass in München, gähn, zum Herbstanfang Dirndl getragen wird. Es ist aber halt auch einfach so. Das Oktoberfest ist für Bayern und speziell die Münchener eben mehr, als ein Bierfest mit Jahrmarkt und kollektivem Vollrausch. Es gehört zum Kulturgut. Und zur Kultur gehört auch die Mode. Die kennt im Übrigen die halbe Welt, muss man auch erst mal schaffen. Und wenn sogar die volltätowierte Piercerin ihren Nietengürtel ablegt, um in das traditionelle Gewand zu schlüpfen, weiß man einfach: Jetzt ist Herbst. Es gibt kein Zurück mehr.

Quelle: Limango Outlet

 

Hamburg – Gelb, Gelb sind alle meine Kleider

Angeblich regnet es in Hamburg quasi immer. Ich muss hingegen gestehen, immer wenn ich da war, fiel kein Tropfen Wasser vom Himmel. Aber da habe ich vermutlich Glück gehabt. Wahrscheinlich packt Hamburg seinen Friesennerz auch im Sommer nicht ganz weg (man weiß ja nie), aber spätestens, wenn der Regen eine bestimmte Temperatur erreicht hat, gehört er zum Mode-Inventar, wie die Rote Flora zum Stadtbild.

Quelle: Anoush Digital

 

Köln – Oben lang unten kurz

In Köln verändert sich in der Mode nicht ganz so viel, denn auch wettertechnisch verändert sich wenig. Der Regen wird ein bisschen kälter, ein bisschen mehr und es wird so grau, dass man mittags um 12 nicht weiß, ob man den Tag gerade angefangen hat oder er gleich vorbei ist. Temperaturmäßig ist Köln aber vermutlich der Softie unter den Deutschen Großstädten. Deshalb machen die Kölner weiterhin das, was sie am besten können: kurze Hosen tragen. Nur jetzt eben statt mit einem T-Shirt eben mit einem Pullover. Oder wahlweise einer Regenjacke. Quasi ein Vokuhila, nur andersrum, Okula oder so. Und wer seine Waden auch im Herbst und Winter oft genug in die Sonne hält, kann sich im kommenden Frühling den Selbstbräuner sparen.

 

Quelle: Pixabay

Frankfurt – die kleine Schwester von New York?

Zu Frankfurt fiel uns ehrlich gesagt keine typische Mode ein, auf dessen Klischee man jetzt hätte rumreiten können. Was verbindet man mit Frankfurt? Börse, Geld, Macht. Aber auch Drogen, Prostitution und Gewalt. Dazwischen lebt irgendwo der Ur-Frankfurter, unaufgeregt und mit einem Hauch Provinz als Antithese zu EZB und Flughafen. Frankfurt hat trotz seiner beschaulichen Größe einen langen Ruf, als Stadt mit gefährlichen Vierteln, Drogen und kriminellen Machenschaften. Die Frankfurter Rapgrößen sind auch wenig für ihre politisch korrekten Plüschreime bekannt. Laut einer total seriösen Modezeitschrift, an die wir uns nicht mehr erinnern, hören 31 Prozent der Frankfurterinnen Rapmusik. Na, da haben wir es doch: Timberlands!

Quelle: Pixabay

 

Originally posted 2018-09-28 17:29:56.