Ein Track, ein Hype, ein Album. Ganz easy scheint das im Fall von CRO zu gehen, dem neuen Liebling der Musikpresse. Vor einem Jahr noch allenfalls ein Geheimact in den einschlägigen Online-Portalen, avanciert der irgendwas um die 20-jährige aus der Nähe von Stuttgart zum Hoffnungsträger einer ganzen Musiksparte – zu der er laut eigenen Aussagen gar nicht dazu gehört.

Da kann Jan Delay noch hundertmal sagen, der Pandamann sei „die Zukunft von Deutschrap“, CRO legt sich fest: Raop heißt sie, die Schublade in die er gehört, auch wenn er alles daran setzt aus allen Seiten aus ihr herauszuquellen. Rap und Pop beschreiben die Ohrwürmer, die CRO reihenweise raushaut, nur ansatzweise. Da geht’s auch gern mal souliger oder indieesker zu, als dem klassischen Deutschrapper lieb sein dürfte. Generell macht CRO einiges anders. Die Maske und der Mythos um seine Person sind zwar keine Weltneuheiten (ihr erinnert euch: ein Typ, Maske, Rapper, jetzt kein Gangster mehr), führten aber dennoch zur unweigerlichen Frage: wer ist dieser CRO und was macht ihn so besonders?

Da wir als SLEAZE-Redaktionfür investigativen Journalismus über die Landesgrenzen hinaus bekannt sind, haben wir uns mit dem vielbeschäftigten Panda ins Auto gesetzt und sind durch Berlin gefahren. Na vielmehr: wir wurden eingeladen.

photo credits: delia baum

Ganz ohne Maske und eben noch Oberkörper frei sitzt CRO aka Carlo hinten im schwarzen Transporter und bittet um ein Handtuch. Schweißtreibend, wenn man an drei aufeinanderfolgenden Tagen Interview für Interview geben muss. Alle Welt reißt sich um ihn, den Rapper, Modedesigner und Produzenten. Dennoch oder gerade deswegen ist der schlaksige und drahtige Alleskönner bester Laune. Erkennen tut ihn hier ohne Maske ohnehin niemand. „Das ist schon so ‘n Schutz für mein Privatleben. Ohne die Maske kann ich mich ganz normal bewegen und halt Carlo sein, auch in der Fußgängerzone. Mit der Maske ist’s ja immer gleich aufregend und krass. Die Spannung und den Mythos der dadurch erzeugt wird, nehme ich natürlich gerne mit“, sagt er beiläufig und beißt dabei fast in das Handtuch, das er sich wie ein kleiner Junge beim Nachdenken immer wieder vor den Mund drückt. Rumgepose und Selbstinszenierungen gibt es ohne Maske bei CRO nicht. Nimmt er sie ab, ist er Carlo. Carlo von Nebenan, ein bisschen geflasht vom Trubel und Hype um sein Alter Ego sieht er die ganze Situation jedoch äußerst locker. „Warum meine Musik so gefeiert wird? Frag die Leute die das Feiern, es funktioniert einfach irgendwie. Ich weiß auch nicht warum. Das ist sooo krass.“

Baby, bitte mach dir nie mehr Sorgen um Geld, gib mir nur deine Hand, ich kauf dir Morgen die Welt.“ („Einmal um die Welt“)

Krass ist zurzeit eine Menge in seinem Leben. Und krass ist genau der Ausdruck für das Gefühl, das CRO dabei hat und nimmer müde wird zu betonen. Zu Hause, bei Mama, bringt er Pfand weg und schlendert mit dem Hund durch die Straßen, zockt mit dem FC Chelsea eher schlecht als recht auf der PlayStation gegen seine Kumpels und erlebt die letzten Monate auf ausverkauften Touren wie große Klassenfahrten, wo Scheiße gebaut wird und zwischendurch ein bisschen auf der Bühne gearbeitet werden muss. Erzählt CRO davon, dann leuchten seine dunklen Augen und man glaubt ihm diese etwas jugendlich-naive Sichtweise auf sein „neues altes“ Leben. Eine unbändige Leichtigkeit scheint dieser junge Mann auszustrahlen, der immer eine Idee im Kopf und ein Projekt in der Hinterhand zu haben scheint. Das macht ihn besonders im Gegensatz zu vielen anderen seiner Generation.

Meine Mama ist zwar mit dem Hund alleine zu Hause, aber die steht hinter mir und ist der Meinung: jetzt muss ich Gas geben!“

Bevor der Hype kam, bevor Kaas kam und nach ihm fahndete und der Vertrag mit dem Label „Chimperator“ unterschrieben wurde, da war eines dieser Projekte sein Modelabel „VioVio“. Anfänglich nur für sich und ein paar Freunde, designte und bedruckte Carlo Shirts, die er später für schmales Geld verkaufte. Mittlerweile ist „VioVio“ weit über seinen Freundeskreis und die Rapper-Szene hinaus bekannt und die Klamotten sind längst nicht mehr zu haben. CRO’s Kumpel Lucca, bei dem Abstecher nach Berlin verantwortlich für die erwähnte Klassenfahrtstimmung, unterstützt den mit Pandaraop vielbeschäftigten Designer beim Aufbau eines stilechten Onlineshops. „Lucca ist ein Freund aus Kindertagen und hilft mir, da ich gerade wenig Zeit habe. Es wird alles geben, Hoodies, Jacken, Mützen, Shirts…einfach alles. Das wird so krass.“

Viel Zeit wird er bei mehr als zwanzig Festival in diesem Sommer dennoch vermutlich nicht haben, um sich mit „VioVio“ beschäftigen zu können. Immer noch mit dem Handtuch an seinem Gesicht herumwedelnd spricht er in aller Ehrfurcht von seinem ersten Festivalauftritt auf einer riesen Bühne („Krass groß, krasser Sound“) und dem gemeinsamen Track mit Max Herre („Krass“). Die Begeisterung und Euphorie für alles was war und noch kommt ist dabei in jeder Silbe spürbar, auch wenn sich CRO keinen Druck machen lässt. „Alles soll so bleiben, wie es ist. Ich würde nichts anders machen, wenn ich nochmal anfangen müsste.“ Unbeschwert, leicht und zumindest nach außen völlig sorgenfrei gibt sich das Rap-Phantom geerdet und verspielt zugleich und hat merklich Bock auf das, was er da gerade anfängt hochzuziehen. Mit seinen mittlerweile zu Freunden gewordenen Kollegen von Chimperator und einem authentischen Umfeld ist für Bodenhaftung allemal gesorgt. CRO kopiert nur Beats, keine Inhalte. „Ich schreib eben über Dinge aus meinem Lebensumfeld. Das ist kein Gangsterrap den ich lebe, ich würde es auch komisch finden über Dinge zu rappen von denen ich nichts verstehe.“ Und so raoppt er über hübsche Mädchen, Geld, den Jungen unter der Maske, Alltagssorgen und wieder hübsche Mädchen, denn davon versteht sowohl CRO als auch Carlo etwas.

Am Ende der Fahrt wird sich artig verabschiedet und es beschleicht einen das Gefühl, dass nicht nur das Album „Raop“ sondern auch der Panda dahinter eine willkommene Erfrischung in den Sommermonaten sein wird.

Julian.

Originally posted 2012-07-10 09:33:49.