Diesen Freitag ist es endlich soweit. Dann veröffentlicht Turbostaat, eine unserer absoluten SLEAZE-Lieblingsbands ihr neues Album Abalonia. Für die neue Platte haben sich die bescheidenen Flensburger im legendären Hansa Studio in Berlin eingefunden und in nur wenigen Tagen alles in den Kasten geballert. Und das gefällt. Abalonia zeigt die Entwicklung einer Band, die 15 Jahre lang gewachsen ist.

Wir haben Sänger Jan Windmeier und Gitarrist Marten Ebsen zum Interview getroffen und über 15 Jahre Musikmachen gesprochen:

Euch gibt es jetzt seit über fünfzehn Jahren. Was sind die wichtigsten Zutaten, damit eine Band nach so langer Zeit noch funktioniert?

Jan: Ich glaube die Freundschaft. Der Spaß, den es zum Glück noch macht. Natürlich auch das Feedback der Leute auf den Konzerten. Dass wir irgendwann als Lebensmittelpunkt das Musikmachen und auf Tour fahren haben, konnte ja damals keiner ahnen. Und solange wir gerne unterwegs sind und Spaß daran haben, hören wir einfach nicht auf.

In all den Jahren habt ihr vermutlich nicht immer nur Gutes über euch gehört. Wie geht ihr mit negativen Rezensionen oder negativer Kritik um?

Cover von Abalonia

Cover Abalonia

Jan: Ich denke, ich spreche für alle, wenn ich sage, dass jeder von uns auch nach Kritik gut schlafen kann. Und Kritik kann ja auch

durchaus etwas Positives sein. Vermutlich würde man im Social-Media-Kommentar-Zeitalter eh ein Magengeschwür bekommen, wenn einen so etwas ärgern würde. Solange wir fünf es mögen, ist also alles super.

Jetzt zum neuen Album. Das erste, was einem sofort ins Auge springt, ist das Cover. Wer ist bei euch für die Cover zuständig und was sagt das Cover über das neue Album aus?

Jan: In diesem Falle hatte Stefan Weyer diese großartige Idee. Und uns fünf hat es auf Anhieb gefallen. Diese „verschwommene“ Linse und den Effekt kann man auch gut auf das Album beziehen. Ferne, Weite, Schemen. Passt alles gut.

Turbostaat im Interview – gewinnt Tickets für das Konzert in Berlin!

Turbostaat, Bild von Boehler

Turbostaat, Bild von Stephan Böhlig

Euer neues Album trägt den Namen Abalonia. Ist das ein fiktiver Ort? Und wenn ja, wo könnte er liegen, würdet ihr dort selbst gerne hin?

Marten: Könnte man so sagen, wenn man das möchte. Im Grunde genommen, ging es darum, sämtliche Personen und Orte, die quasi Antworten liefern könnten, mit fiktiven Namen zu benennen. Wir wissen nicht, was und wo Abalonia ist, wir wissen nicht, wer Semona ist.

Im gleichnamigen Song gibt es die Textzeile „Ein ganzes Leben lag wohl noch vor ihr und nur Semona weiß warum.“ Wer ist diese Semona und was weiß sie, was wir nicht wissen?

Marten: Wie vorher gesagt: Das wissen wir nicht. Vielleicht irgendeine Begleiterin unserer Protagonistin oder irgendjemand am Wegesrand oder in der Ferne. Niemand weiss, wer das ist, aber es gibt sie und sie weiss Bescheid. Das beruhigt doch…

Das Video zu Abalonia zeigt Menschen, die sich auf einer Reise (Flucht?) befinden. Gerade in der jetzigen Zeit ein ziemlich aktuelles Thema. Ist das Lied aus diesem Grund entstanden? Oder war das eher Zufall?

Marten: Nee, das Lied hat damit überhaupt nichts zu tun. Die Reise ist eher die Geschichte des gesamten Albums und daher passte es als Video ganz ok.

Ihr habt das Album in den legendären Hansa Studios aufgenommen. Was war das für ein Gefühl, in diesen ehrwürdigen Hallen aufzunehmen?

Jan: Unser guter Moses hatte diese Idee. Er hat uns im Proberaum in Schleswig besucht, um sich die Lieder anzuhören. Danach stand für ihn fest – Hansa. Ohne ihn wären wir dort vermutlich gar nicht gelandet. Und natürlich kennt man alle diese Sachen, die dort entstanden sind. Es ist Musikgeschichte. Vorgestellt habe ich es mir dann aber doch anders. Ohne zu wissen, wo es ist, würde ich vorbeigehen. Das Ergebnis zeigt aber, wie richtig Moses lag. Diese tollen Geräte (die ich nicht kenne) da drin, machen irres Zeug. Und zusammen mit Tim Tautorat hatten wir dann auch zwei super Typen dort sitzen. Außerdem konnten wir zusammen spielen, aber Instrumente separieren in eigene Räume. Trotz Blickkontakt  keine Übersprechungen. Großartig.

Frage an Jan: Ihr spielt immer lange Konzerte. Eure Lieder sind nicht gerade schonend für die Stimme. Wie steht man so eine Tour durch, ohne seine Stimme dabei zu verlieren oder zu schädigen?

Jan: Mittlerweile sind sie recht lang geworden. Das stimmt. Diese – 2 Abende 1 Million Lieder Tour – war eine Prüfung für mich. Mit dem Ergebnis…irgendwann kämpft man eh. Ich verliere also immer noch die Stimme. Aber man hat in den Jahren gelernt, sich schneller zu regenerieren. Da trinkt man dann halt viel den Wundertee, hält tagsüber weitestgehend das Maul, singt sich abends ein wenig warm und geht total langweilig früh pennen. Dass ich morgens um 6 Uhr irgendwo auf einem Tresen stehe, kommt auf Tour also selten vor. Außer am letzten Tag.

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Turbostaat, Foto von Andreas Hornoff

Frage an Jan: Deine Stimme hat sich im Vergleich zu eurem ersten Album ganz schön verändert. Soweit ich weiß, hast du keine ausgebildete Singstimme…wie steht man da 15 Jahre „schreien“ durch? Was hat sich verändert? Fällt es dir heute leichter, so ein Konzert durchzuhalten?

Jan: Um ehrlich zu sein: Keine Ahnung. Ich mache mittlerweile Sachen bewusster. Weil ich im Laufe der Zeit gelernt habe, was geht und was nicht geht. Try and error. Früher waren Konzerte anstrengend, weil ich 40 Minuten aus dem Hals gebrüllt habe, bis ich nach dem Konzert kotzen musste. Das kam tatsächlich hin und wieder vor. Heutzutage kotze ich eher selten, aber dafür sind die Konzerte länger. Anstrengend ist es also geblieben. Aber nicht mehr nur aus dem Hals zu brüllen hilft schon sehr.

Ihr seid euch und eurer Musik über die Jahre eigentlich weitestgehend treu geblieben und damit nach wie vor Spartenmusik (im positiven Sinn!). Ist der Sprung zum kommerziellen Erfolg für euch überhaupt Thema? Denkt ihr manchmal darüber nach Lieder (Hits) fürs Radio zu schreiben, um damit ein breiteres Publikum zu generieren?

Jan: Zum Glück nicht. Also nicht falsch verstehen. Ich hätte gar nichts gegen einen „Radio Hit“. Warum auch. Aber wir setzten uns nicht hin und zerbrechen uns den Kopf, wie es das Lied ins Radio schafft. Jedes Lied bekommt das, was es unserer Meinung nach braucht. Und da spielt Radio und Massenkompatibilität keine Rolle. Ich höre auch eigentlich kein Radio. Warum auch. Die spielen ja eh so oft nur das eine Lied.

Für die nächste Tour sind einige größere Konzertvenues eingeplant. Mit welchem Gefühl geht ihr da ran?

Jan: Man geht jetzt ja nicht vom Club in die Arena. Und wenn die Konzerte trotzdem schwitzig werden, ist alles gut. Ich probiere eh gerne neue Läden aus.

GEWINNT TICKETS FÜRS KONZERT IN BERLIN:

Mit dem neuen Album im Gepäck geht es sofort auf eine erste kleine Promotour. Dabei machen die Flensburger natürlich auch Station in Berlin, wo ihr das neue Album live im Tommy Weisbecker Haus sehen könnt. Ihr wollt euch Turbostaat auf keinen Fall entgehen lassen? Dann gewinnt 1 x 2 Tickets für das (ausverkaufte) Konzert am 31.01.2015.

Schickt uns eine Mail mit eurem vollständigen Namen und dem Betreff „Turbostaat“ an geschenke@sleazemag.com und beantwortet uns folgende Frage:

Welchen Bandnamen hätten sich Turbostaat fast anstelle von Turbostaat gegeben?

Wir wünschen euch viel Glück und viel Spaß am Konzert.

Weitere Live-Termine:

 30.01:
HAMBURG – hafenklang
31.01:
BERLIN – tommy weisbecker haus
03.02:
KÖLN – blue shell
04.02:
HANNOVER – cafe glocksee
05.02:
DRESDEN – groove station
06.02:
SAALFELD – klubhaus

Die Clubtour startet am 22.03.2016! Karten für alle Shows gibt es hier

Originally posted 2016-01-27 15:50:45.