Jesse Hughes im Interview

Bilder von Nils Krüger

Unser TeilzeitSLEAZEL Sabrina hatte ein Date mit Jesse Hughes und konnte dabei sogar sprechen. AWESOME!

 

 Hi Jesse, wir sind ja heute nicht nur hier zum Biertrinken, sondern weil wir über Roadies und Deine Show „Marshall On the Road“ sprechen. Warst Du selber schon mal Roadie?

Ich bin ganz schön verwöhnt in der Hinsicht, ich musste noch nie mein eigenes Equipment tragen! Also, das heißt: Ich habe es einfach nicht getragen.

 

Und wie kam dein Stuff dann auf die Bühne?

Naja, Josh musste es machen! Irgendwie mussten wir ja spielen! Aber jetzt Spaß beiseite: Wir sind alle irgendwie Roadies, so sehe ich das. Jeder, der in der Band ist, jeder, der in einer Band spielt, ist ein Roadie. Crew und Band, das ist für mich das Gleiche und nach der Maxime lebe ich. Ich glaube , deshalb kamen so gute Gespräche für die Show zustande. Die Roadies, die ich interviewt habe, haben das einfach gemerkt.

 

Also gibt es keine Hierarchien?

Ach Quatsch! Wir leben alle hier unseren Traum, ob hinterm Mikrophon, an der Gitarre oder in der Crew. Wir haben fast so etwas wie einen „Märchenjob“! Überleg mal, wie geil das ist und wie wenig Leute auf der Welt das behaupten können. Ich bin da ein bisschen der nostalgische Hillbilly, der so wahnsinnig dankbar ist, dass er seinen Job auf der Bühne machen kann. Und ich bin der Crew extrem dankbar, dass sie mir dabei hilft! Die sorgen dafür, dass wir gut aussehen. Wie ich in einer Folge sage: Die sind diejenigen, die die Leichen der toten Nutten begraben müssen!

 

Und alles für nen Appel und ein Ei.

Hier geht es ja nicht nur um Bezahlung: Wenn ich keinen Dank bekomme, mache ich keinen Finger krumm. Bei den Roadies ist das anders. Die müssen alles ohne ein Dankeschön erledigen.

 

Vielleicht, um etwas Ruhm und Ehre und ein paar Groupies von euch abzustauben?

Kann schon sein, dass da mal etwas abfällt, aber der Preis ist echt hoch. Die müssen den ganzen Mist der Band ausbaden. Ich hab Roadies gesehen, die sind für ihre Band in den Knast gegangen; die die Drogen der Band eingesteckt haben, nur damit die Tour weitergehen konnte, weil sonst die Band verhaftet worden wäre. Das kann man schon als ziemlich aufopfernd bezeichnen. Ich gehe für niemanden ins Gefängnis! Die Roadies sind die Franziskaner-Mönche des Rock – sie sind die wahrhaft Gläubigen!

 

 

Welche Qualitäten suchst du in deinem Roadie?

Am wichtigsten ist, dass wir auf dieselbe Musik stehen, ansonsten lebst du nicht sehr lange in unserem Tourbus! Der Typ muss Gemeinsames mit mir haben, ich will ja mit Freunden auf Tour sein. Ich liebe diese Sache hier so sehr, ich erwarte einfach das Beste von Jedem. Wenn du hier verdammt nochmal dabei sein willst, dann musst du der Beste sein in dem, was du machst. Und wenn du Rock’n’Roll genauso liebst wie ich, dann bist du das auch!

 

Und was geht gar nicht auf Tour?

Pornos! Wenn ich im Tourbus sitze, habe ich keinen Bock, mit anderen Typen Pornos anzuschauen. Oder am besten noch mitzubekommen, wie der sich darauf einen runterholt! Wenn ich Sex habe oder sexuellen Aktivitäten nachgehe, will ich nicht den Schwanz von einem anderen Typen sehen! Ich will eine heiße Braut sehen! Abgesehen davon gilt: Meine Mutter soll zu jeder Minute der Tour unangekündigt die Bustür öffnen können, reinschauen und nicht vom Glauben abfallen! Aber bitte so langsam, dass ich wenigstens noch Zeit habe, die Drogen verschwinden zu lassen.

Und dann ist natürlich noch wichtig, dass die Crew ihren Mund hält, wie man auf Englisch sagt: „Loose Lips sink ships!“. Was natürlich auch absolut verboten ist, sich an die Freundin eines anderen ranzumachen.

 

Das dürfe ja vor allem dich und Tuesday betreffen. Deine Freundin ist ja Mitglied der Band und immer mit dabei. Ich hoffe, da gibt es keine „Yoko-Ono-Situation“!

Auf gar keinen Fall! Als Tuesday in der Band angefangen hat, hab ich ihr genau so auf den Zahn gefühlt. Sie musste vorspielen wie alle anderen, sie musste genauso gut sein wie alle anderen. Als sie dann mit dabei war, hab ich folgende Taktik angewendet: Ich war ein richtiges Arschloch zu allen anderen. So hatten die gar keine Zeit mehr, sich auf Tuesday zu konzentrieren, weil alle mich gehasst haben!

 

Dadurch hat sich ja sicher auch dein Backstage-Verhalten geändert?

Was soll ich sagen, natürlich bringt man eigentlich nicht den Sand an den Strand! Mein Motto ist: Wenn du Bock hast und du hast es drauf, mach es! Wenn es nicht das Richtige für sie gewesen wäre, wäre sie nicht dabei. Touring ist kein Zuckerschlecken. Wir machen mit den Eagles richtig lange Touren und es ist sicher nicht gerade leicht, die Person die Du liebst, die ganze Zeit zu teilen – vor allem nicht mit sexy Rockchicks! Tuesday ist da total relaxed, aber das geht nur, weil sie eine starke Persönlichkeit hat und ich glaube das liegt teilweise auch daran, weil sie Pornos gedreht hat.

 

Wusstest du, dass sie Pornodarstellerin ist, als du sie kennengelernt hast?

Ich wusste es nicht vorher, aber nach den ersten zwei Stunden wo wir uns kannten! Ich glaube, das ist eines der kleinen feinen Details, warum es überhaupt funktioniert! Überhaupt war unser Kennenlernen echt eine spezielle Angelegenheit: Ich hab eine Bekannte zu einer Party begleitet, weil sie, na sagen wir mal „etwas Geschäftliches“ erledigen musste. Manchmal, wenn Josh und ich uns besonders stark fühlen, helfen wir ihr, Geld einzutreiben. Das macht Spaß, ist aufregend. Also sind wir zu dieser Party und warteten im Auto. Plötzlich riss jemand die Tür auf und diese kleine heiße Mexikanerin sprang in den Wagen, sah sich um und meinte: „Häh, wer seid ihr denn? Ich dachte du bist Soundso!“ Wir hatten gerade Pentagram laufen und als sie wieder ausstieg sagte sie: „Hey, ich mag Pentagram!“ Und da war es um mich geschehen! Wir verließen an diesem Tag die Party gemeinsam, haben die nächsten 30 Tage und Nächte miteinander verbracht, und noch nicht mal gevögelt. Wir haben nur Musik gehört. Das hatte ich nicht mehr, seitdem ich 13 war.

 

Und wann hat es dann richtig gefunkt?

Ich nahm sie mit auf eine Party in Palm Desert. Und dieser Typ, den ich kannte hat, mich blöd wegen irgendeinem Mist angemacht. Dann kam sie von hinten und hat ihm ne Flasche über den Schädel gezogen! Da wusste ich, das ist echte Liebe!

 

Tuesday sieht ziemlich unschuldig auf der Bühne aus.

Absolut! Und jetzt zieh dir mal ihre Pornokarriere rein. Ich bin da Realist. Wenn du für Geld vögelst, bist du ne Prostituierte. Dass beim Porno eine Kamera läuft, ist für mich nur ein technisches Detail. Die Pornoindustrie zerstört auf die Dauer jeden. Und Tuesday ist nicht zerstört. Was Tuesday gerettet hat, ist wohl, dass sie nicht lange dabei war und dass sie am Ende nur noch „Girl-on-Girl“ gedreht hat.

 

Wie Jenna Jameson.

Wie Jenna Jameson am Anfang! Das ist alles ein großes Spiel. Du machst Girl-on-Girl, um deinen Marktwert hochzutreiben. Du promotest deinen käuflichen Sex. Alle Freundinnen von Heidi Fleiss waren nicht umsonst „Pornstars“. Wen ruft Charlie Sheen an, wenn er ein „Problem“ hat? Pornstars.

Tuesday war eine 15jährige Ausreißerin, als sie nach LA kam, und sie hatte Rock’n’Roll und Sex im Kopf wie alle hier. Nach den ersten Filmen stellte sie aber fest, wie eklig das ganze Business ist und was für Typen da rumhängen, daher hat sie mit Hardcore-Porn aufgehört. Und irgendwie ist es doch so: Wenn ein Typ eine Frau im Film hernimmt, ist es ein Porno, wenn zwei Frauen Sex haben, ist es Kunst!

Ihr neuer Film heißt „Tight“ und ist eine Softcore-Mockumentary und das ist so was wie Spinal Tap für die Pornoindustrie.

 

Irgendwie sind es aber doch immer die Rockstars und die Stripper oder die Porngirls. Liegt es an den gleichen Arbeitszeiten?

Wir haben den gleichen Job! Wir verkaufen Illusionen und Sex! Sogar Slayer verkaufen Sex! Die ganzen Metalchicks wollen von einem Metaltypen flachgelegt werden – auch wenn ich das nicht verstehe. Es gibt auch genug Frauen, die mit George Michael ins Bett wollen. Und andere Frauen denken immer noch, Liberace ist straight! Ich stehe hier und gebe offen zu: Bei uns geht es um Sex. Das hier ist keine Bibelstunde! Wir erzählen euch hier aus dem Buch „Wie man am besten die Hosen runterlässt!“ Sex, Drugs und Rock’n’Roll. Rock’n’Roll wird nicht umsonst erst als drittes genannt!

 

Eine Million Typen da draußen fragen sich: „Wie kann ich so cool mit den Weibern werden wie Jesse. Hast du ein paar Tipps?

Respektiere deine Mutter! Ich habe eine saucoole Mum, die mir genauso schnell eine reingehauen hat wie mein Dad, wenn ich Mist gebaut habe. Und ob man das jetzt gut findet oder nicht: Du respektierst jemanden, der dir eine mitgibt! Der Schlüssel ist einfach: Respektiere deine Mum und liebe die Frauen! Sogar Little Richard hat so ganze Heerscharen von Damen flachgelegt! Für Elvis war seine Mutter die Größte und er ist der King of Rock’n’Roll!

 

Wie sieht es aus mit einer Traumhochzeit zwischen dir und Tuesday?

Okay, ich lass die Bombe platzen. Wir fahren in ein paar Wochen nach Vegas zu den Hives und die werden unsere Flitterwoche-Kapelle sein. Wir heiraten ganz klassisch Rock’n’Roll-Style in Las Vegas, Baby. Wir sind beides Kinder aus zerrütteten Ehen und wir wollen es einfach besser machen. Wir wollen mit guten Beispiel vorangehen und sagen: Es ist cool, nur noch mit einem Partner Sex zu haben und trotzdem auf die ganze Welt scharf zu sein!

Und mal ganz ehrlich, jeder sieht doch heiß aus, wenn man die Lampen an hat, oder?

 

Sabrina

 

 

 

 

Originally posted 2012-12-12 21:18:45.