Sie erinnern an Ton Steine Scherben, klingen ein bisschen kraftklubbig mit einer Priese Österreich. Die Rede ist von Bretterbauer aus Wien, deren gleichnamiges Album schon seit August käuflich zu erwerben ist. SLEAZE hat die fünf Jungs mit dem putzigen Akzent vor ihrem Gig im Berliner White Trash mal ein bisschen ins Verhör genommen.

Bretterbauer mit Spaten im Feld

Spielt ihr das erste Mal in Berlin?

Jakob: Naja, wir waren vor zwei Jahren da, aber da hat keiner nach uns gefragt. Wir waren im Mauerpark und spielten die erste Nummer und die erste Wortmeldung der Menschen war nur: „Ach, geht doch nach Hause!“

 

Wer ist Dörte?

Jakob: Die junge Frau, die vorher hier war, heißt Dörte. Die hat uns auch gerad interviewt. Die kennen wir jetzt.

 

Ach, ihr kanntet also gar keine Dörte?!

Jakob: Nein.

Fabian: Nicht richtig gut.

Dietmar: Aber wir wissen um die Bedeutung des Namens Bescheid.

Jakob: Genau, das ist nämlich die Abkürzung von Dorothea und das heißt ja „Gottesgeschenk“. Dementsprechend passt das auch gut mit dem Song. Das haben wir uns natürlich alles so zurechtgebaut. Weil das ist ja in deiner Vorstellung so diese Überfrau, die alles noch krasser macht als du und immer noch einen Schritt vorn ist. Und irgendwie so.

 

 

Ich bekomm ja erst so langsam Ahnung (Grüßle an die SLEAZELS Mariella und Leonie!), wie die Wiener so sind und klingen. Aber wenn du singst, klingst du überhaupt nicht wienerisch. Warum ist das so?

Jakob: (lacht) Das stimmt. Das ist, weil ich in Tirol groß geworden bin, meine Eltern sind aus Wien und zu Hause wurde immer hochdeutsch gesprochen. Dementsprechend bin ich bilingual aufgewachsen. Nämlich Tirolerisch-Deutsch.

Fabian: Trilingual.

Jakob: Ja, Wienerisch kommt jetzt auch langsam dazu.

 

Du heißt Bretterbauer mit Nachnamen. Fühlt sich der Rest nicht ein bisschen benachteiligt, was die Bandnamenwahl angeht?

Dietmar: Das ist wie bei Jon Bon Jovi. Der Name ist einfach zu cool.

 

Ihr habt euch also damit abgefunden?

Dietmar: Ja, nach Jahren des Wehrens dagegen.

Max: Und die Sachen sind ja auch bei seinem Soloprojekt entstanden, zu dem dann nachher Studiomusiker gestoßen sind.

Jakob: Und erst danach hab ich den Didi kennen gelernt und den Fabi.

Fabian: Die sich dann auf die Idee versteift haben: Machen wir doch eine richtige Band.

Dietmar: Wir haben auch überlegt, einen Skateboardladen mit dem Namen aufzumachen.

Jakob: Ich hab auch in einem Skateboardladen gearbeitet, hier in Berlin. Da war ich über einen Freund, weil ich dringend einen Job brauchte, weil das Geld war irgendwie alle. Und der hat mich angerufen und meinte so: „Ja, die bekommen so ’ne Lieferung und da brauchen sie immer wen, der mithilft. Komm mal vorbei.“ Da hab ich dann den ganzen Tag so Bretter eingeräumt in Regale (einer hat den Witz verstanden und lacht) und nach den acht Stunden sag ich zu dem Chef dort: „Ja, war super bei euch, ich würde gern öfter kommen.“ Und der so: „Ja ja, passt schon, schreib da irgendwo deinen Namen auf.“ So auf die Tour: „Ruf nicht uns an, wir rufen dich an“ Und dann schreibe ich meinen Namen auf, geb das dem und der packt’s gar nicht und sagt so: „Nein, das ist jetzt ’nen Witz?“ „Was?“ „Na, du heißt nicht echt Bretterbauer?!“ Und dann ruft der gleich seine ganze Belegschaft zusammen und sagt so: „EY, SCHAUT’S EUCH DEN AN! Geil, kommst am Montag!?“ Und ich nur: „Joar, passt super!“ Und dann war ich drei Monate dort.

Dietmar: Bretterbauen.

Jakob: Nur Bretterbauen, die ganze Zeit.

Bretterbauer im Sonnenuntergang

Ich werfe jetzt mal Kraftklub und Ton Steine Scherben in den Raum. Wer sind eure Einflüsse?

Jakob: Ton Steine Scherben. Kraftklub kenn ich kaum.

Dietmar: Ansonsten Blues.

Jakob: Momentan sehr beeinflussen tut mich The Brian Jonestown Massacre. Die höre ich momentan auf und ab.

 

Wie lang gibt’s euch jetzt schon so zusammen und aus welchen musikalischen Ecken kommt ihr so?

Jakob: Uns gibt es so jetzt seit einem Jahr. Konstantin ist mein kleiner Bruder, der ist jetzt seit einem Jahr dabei. Da wurde nämlich das Album fertig und wir brauchten einen Gitarristen. Da passte es gut, dass er nach Wien gezogen ist.

Fabian: Und musikalisch sind wir ja keine Anfänger.

Jakob: Ach ja, das war ja die Frage.

Fabian: Wir haben alle seit der Jugend in irgendwelchen Bands gespielt.

 

Schreibst du allein die Texte, Jakob? Wie schreibst du? Hemingway-Style oder mehr so mit der Fluppe im Mundwinkel am offenen Fenster mit verträumtem Blick?

Jakob: Wie ist der Hemingway-Style?

 

Hemingway-Style ist schön besoffen.

Jakob: In Wirklichkeit entstehen die, wenn wir im Proberaum irgendwas jammen und dann fällt mir ein Zweizeiler ein und den schreib ich dann schnell auf. Irgendwann hat man so eine ganze Liste voll mit Sachen, die thematisch irgendwie zusammengehen und dann pickt man sich die raus, die man so braucht.

Ich würde sagen, das ist David-Bowie-Style. (alles lacht) Da hab ich gehört, der hat ein ganzes Album nur aus so Ausschnitten aus Zeitungen zusammengestückelt.

 

Euer Album ist seit August draußen. Wie schaut’s mit Nachschub aus?

Jakob: Wir arbeiten dran. Also ich glaube, so ein halbes Album könnten wir uns jetzt sicher schon aus der Nase ziehen. Eine EP. Aber das ist vor allem eine Kostenfrage.

 

Da wir gerade bei Aufnahmen sind. Was ist Vintage-Equipment?

Jakob: Vintage-Equipment bezieht sich da auf eine Bandmaschine, die zum Aufnehmen verwendet wurde, einen Verstärker aus den 60ern, uralte Röhrenmikros und so Zeug.

Irgendwann mal war dann ein Computer dazwischen geschaltet, damit man das irgendwo speichert und so, aber ansonsten haben wir nur mit altem Zeugs aufgenommen.

Fabian: Ursprünglich wollten wir eine Kassette aufnehmen.

Jakob: Ja, das war unser Superplan, dass wir nicht Demo-CDs verschicken, sondern eine Kassette. Und wer es nicht anhören kann: Pech gehabt!

 

Spielt ihr auch im nicht-deutschsprachigen Ausland?

Jakob: Noch nicht, aber gerne überall.

 

Habt ihr schon Feedback aus dem nicht-deutschsprachigen Ausland bekommen? „Finden euch geil, kommt her!“

Konstantin: Da kennt uns ja noch kein Schwein.

Fabian: Das nächste Mal, wenn wir nach Berlin fahren, werden wir einfach bei den Tschechen anhalten und spielen auf der Autobahnraststätte.

 

Wien oder Berlin?

Einstimmig: Wien.

 

Bier oder Schnaps?

Jakob: Boah, beides!

Konstantin: Ein Herrengedeck.

Prost!

 

Kirsten

Originally posted 2012-12-11 12:36:43.