Wir sind nicht nur nach Ferropolis gefahren, um uns die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen, Bier zu trinken und Konzerte anzuschauen. Als Leitmedium für Katzengifs, Hip Hop Heads und Dope Cats sehen wir uns in der Pflicht euch an alldem Teilhaben zu lassen.

Deshalb haben wir uns einen der heißesten aufstrebenden jungen Künstler geschnappt, die deutschlands Raplandschaft derzeit zu bieten hat und ihm knallharte investigative Fragen gestellt. Dann wurden seine künstlerischen Fähigkeiten gefordert und wir haben gemeinsam gemalt. Das Ergebnis könnt ihr am Ende des Artikels ganz exklusiv gewinnen. Das macht sich gerahmt sehr gut über dem Kamin im Salon.

Fatoni Interview auf dem Splash 2016: Anachronisten, Schauspielerei und Malerei

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Der freundliche Sprechgesangskünstler

SLEAZE: Ich habe mal gelesen, dass du einer der „Anarchronisten im Rapgame“ bist. Könntest du diesen Satz in deinen eigenen Worten wiedergeben, so dass auch der durchschnittliche Splash!-Besucher versteht, was damit gemeint ist? Und uns verraten, ob du das auch so siehst?

Fatoni: Okay, erster peinlicher Moment. Ich habe das Wort schon öfter gegooglet und bin eigentlich ein kluger Typ, aber ich habe schon wieder vergessen, was das Wort bedeutet.

Anachronistisch bedeutet „nicht in einen bestimmten Zeitabschnitt gehörend“, „zeitwidrig“ oder „unzeitgemäß“. Ein Schauspieler in einem Steinzeitfilm, der eine Digitalarmbanduhr trägt, ist ein Beispiel für einen krassen Anachronismus. In Bezug auf das Rapgame könnte man vielleicht gemeint haben, dass du nicht synchron dazu funktionierst?

Echt? Also wenn man das so auf zeitgenössische Musik bezieht würde ich nicht von mir behaupten ein Anarchronist zu sein. Das würde ich so nicht unterschreiben.

Würdest du nicht sagen, dass du dein eigenes Ding machst, losgelöst von aktuellen Trend, was dich dann am Ende von der Masse unterscheidet?

Doch schon. Und ich bin auch gut!

Und bescheiden?

Ich bin gar nicht mal so unbescheiden, aber ich habe einfach irgendwann gecheckt, dass ich auch gut bin!

Eine Selbsteinschätzung, der selbst Kritiker zustimmen dürften. Für das Album „Yo, Picasso“ wurdest du hart gefeiert. War dieser Hype für dich absehbar?

Nee. Also ich wusste schon, dass ich ein gutes Album gemacht habe, aber dass es so gut angenommen wird und selbst Kritiker es loben, dass hätte ich nicht erwartet. Es wurde auch ganz oft als „Das Album des Jahres“ betitelt und die ganzen positiven Rückmeldungen von den unterschiedlichsten Stimmen, die haben mich doch schon sehr gefreut.

Leider heilt die Zeit ja alle Hypes. Jetzt, wo es so gut läuft, muss das doch scheiße für dich sein?

Naja klar, wenn man dann selbst erstmal einen Hype gelandet hat, dann ist das schon scheiße, wenn der dann wieder vorbeigeht. Aber alles geht vorbei. So ist das eben im Leben. Doch so lange ich lebe versuche ich alles so zu nehmen, wie es kommt und so lange zu genießen, wie es dauert. Vielleicht wird es ja auch alles noch viel größer und viel krasser? Mein Wunsch wäre natürlich, mit dem was ich mache konstant erfolgreich zu sein. Grundsätzlich habe ich aber keine Zukunftsängste, auch wenn es natürlich sein könnte, dass ich irgendwann etwas ganz anderes mache, weil das hier nicht mehr läuft.

Was würdest du denn machen, wenn das hier nicht mehr laufen würde? Wieder Schauspielerei?

Ich hoffe, dass ich dann wenigstens in ganz okayen Fernsehproduktionen mitwirken könnte. Wenn das auch nicht der Fall wäre, dann würde ich mich halt wieder am Theater von irgendwelchen Arschlöchern rumscheuchen lassen. Aber eigentlich habe ich da keinen Bock drauf!
Dann vielleicht doch lieber Barkeeper oder irgendsowas.

In ein paar Interviews habe ich gelesen, dass es dir wichtig ist authentisch zu sein. Dann wiederum habe ich Antworten von dir gefunden, wo du sagst, dass es dir scheiß egal sei, ob jemand echt ist oder nicht … wie denn jetzt?

Man sagt halt auch so viele dumme Dinge im Laufe der Zeit. Wie erkläre ich das denn jetzt?
Also es gibt so viele Leute, die Dinge scheiße finden, weil sie ihrer Meinung ja nicht ‚echt’ sind. Ich sehe das aber ein bisschen anders. Ich denke, es gibt verschiedene Ebenen von „Echtheit“.
Ein Rapper, der in Rollen schlüpft und auf jeden Fall eine Kunstfigur ist, ist für mich trotzdem authentisch, wenn ich dahinter einen Menschen erkenne, der eine gewisse Stringenz hat.

So wie Quasimoto oder was?

Das ist ein krasses Beispiel. Ich habe lustiger Weise an das absolute Gegenbeispiel gedacht: Alligatoah. Er ist für mich total authentisch! Ich habe den Song „Authitenzität“ gemacht, in dem ich das ganze auch etwas verhöhnt habe, aber mittlerweile verstehe ich, dass man das Thema aus ganz unterschiedlichen Perspektiven betrachten kann.

fatoni interview splash

Du hast dein festes Theater-Engagement für die Rap-Karriere an den Nagel gehängt. Was gibt dir der Musikerberuf, was dir die Schauspielerei nicht bieten konnte?

Das Theater-Engagement hat wirklich keinen Bock gemacht. Der Musikerberuf gibt mit Freiheit. Unglaublich viel mehr Freiheit. Gestalterische Freiheit, denn ich mach zu 100 Prozent mein Ding, aber eben auch Freiheit im Alltag. Das ist ein unfassbarer Luxus und das weiß ich auch zu schätzen!

Was bedeutet Rap für dich?

Das ist eine schwierige Frage! Rap kam irgendwie in mein Leben. Ich glaube ich war damals vielleicht zwölf Jahre alt und hörte die Fantastischen Vier und dachte mir: ‚Ist das geil’. Das war irgendwie ein Schlüsselmoment. Ich war beeindruckt von den Wortspielen, der Beats und der unglaublichen Direktheit, die mir in den meisten anderen Musikrichtungen nicht so aufgefallen ist.

Auf „Yo, Picasso“ malst du mit Dexter Bilder mit Worten und Beats. Ich würde dich jetzt bitten, ein Selbstportrait von dir zu malen – von dir und deinem Platz in der Welt.

Das wird sehr schlecht. Das will ich dir gleich sagen. Ich habe da wirklich kein Talent!

Das ist okay. Es ist der Wille der zählt.

fatoni interview splash 2016

Anders als behauptet hat er dann aber außerordentliches Talent bewiesen und ein Meisterwerk hingezaubert, dass die alten Meister in den Schatten stellt. Es vereint die großen Leitmotive klassischer Epochen mit moderner Pinselführung und das Beste daran: Ihr könnt es gewinnen!

Dazu müsst ihr lediglich eure Lieblingszeile von Fatoni in die Kommentare des zugehörigen Facebookposts schreiben und mit etwas Glück könnt ihr euch das gute Stück über den Kamin hängen oder bei Sotheby’s für einen exorbitanten Preis verhökern.
Wir wünschen viel Glück!

Das Interview wurde geführt von Jessica Schmidt