Am 10. und 11. September findet im Treptower Park das Lollapalooza 2016 statt. Das Musikfestival, das neben seiner Berliner Version auch in Brasilien, Argentinien, Chile und den USA stattfindet, verlegte seinen Austragungsort in diesem Jahr vom Tempelhofer Flughafen auf die Treptower Grünfläche.

Warum und was sich sonst noch ändert, hat uns der Chef der PR-Abteilung des Lollapalooza im Interview erzählt. Ebenso, was man vom letzten Jahr gelernt hat und wie sich ein Festival in der Stadt von einem, auf freiem Feld unterscheidet.

Ortswechsel, Hürden und große Pläne: Interview mit dem Lollapalooza Veranstalter

Stelle dich und den Veranstaltungsbetrieb doch bitte kurz vor.

Ich heiße Tommy Nick und bin für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Lollapalooza Berlin zuständig. Wir sind ein Ableger der amerikanischen Festivalmarke, die es dort seit 25 Jahren gibt und auch in Chile, Brasilien und Argentinien stattfindet. Hier in Berlin veranstalten wir die einzige Ausgabe auf dieser Seite des Atlantiks, die in diesem Jahr zum zweiten Mal stattfinden wird.

Welche Schwierigkeiten entstehen es bei einem so großen Festival mitten in der Stadt, im Gegensatz zu einem Festival irgendwo auf dem Acker?

Aus produktionstechnischer Sicht gibt es dabei eigentlich keine allzu großen Unterschiede.
Wir machen auch einige Festivals außerhalb der Stadt und unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass die Durchführung im Grunde gleich ist, wobei es innerhalb der Stadt ein paar andere Dinge zu beachten gibt, die man auf freiem Feld weniger hat. Das bezieht sich vor allem auf die Lautstärke, den Schutz von Parkanlagen und Grünflächen und die Anwohner.

In der Stadt hat man entsprechend weniger Platz und muss dafür sorgen, dass der Festivalbetrieb und die Besucher die Bewohner nicht zu sehr stören … die wohnen auf dem Acker nämlich alle weiter weg. Das sind die größten Herausforderungen, die es außerhalb des Stadtgebietes weniger gibt.
Ein großer Vorteil ist jedoch die allgemeine Logistik, da die Wege deutlich kürzer sind und auch das gesamte Team abends nach Hause fahren kann und nicht eine Woche im Hotel wohnen muss.

Welche Kriterien musste der neue Veranstaltungsort erfüllen und warum fiel die Wahl letztendlich auf den Treptower Park?

Zum Ortswechsel ist zu sagen, dass wir gerne in Tempelhof geblieben wären, was angesichts der derzeitigen Flüchtlingssituation jedoch nicht möglich ist. Im Flughafengebäude und auf dem Areal, wo letztes Jahr das Festival stattfand, sind die Geflüchteten nämlich derzeit untergebracht. Wir unterstützen diese Entscheidung und halten es für richtig, schutzbedürftigen Menschen eine Unterkunft zu bieten.

Wir mussten uns daraufhin jedoch auf die Suche nach einer neuen Location machen und die Möglichkeiten innerhalb Berlins sind nicht mehr so zahlreich. Wichtig war uns vor allem eine gute Anbindung, weshalb beispielsweise der noch nicht fertiggestellte Flughafen BER nicht in Frage kam, da er überhaupt nicht gut an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen ist und es auch kaum Unterbringungsmöglichkeiten gibt.

lollapalooza tempelhof berlin

Die vielen Besucher brauchen ausreichend Platz.
Bild: Alexander Koerner/Getty Images for Lollapalooza Berlin, 2015)

Wir haben uns insgesamt etwa zwölf Möglichkeiten angeschaut, aber da einige für diesen Zeitraum bereits für andere Veranstaltungen gebucht waren und wir bereits seit einiger Zeit im Vorverkauf waren und auch viele Künstler bereits gebucht waren, wollten wir den Termin ungern verschieben und so blieb am Ende nicht mehr viel Auswahl. Der Treptower Park ist insofern super geeignet, da wir ausreichend Platz haben und er im Herzen der Stadt liegt.

Habt ihr Bedenken, dass die große Zahl der Besucher möglicherweise Schaden anrichten könnte, der über reine Verschmutzung und Müll hinausgeht?

Wir teilen natürlich die Bedenken, die es von mehreren Seiten gibt, machen uns aber keine allzu großen Sorgen. Egal wo man eine große Veranstaltung organisiert, hat man das Problem mit dem Müll und möglichen Schäden an der Natur, die durch strenge Auflagen und Maßnahmen verhindert werden können. Wir nehmen die Sache hier besonders ernst, da wir selbst als Berliner die Grünanlagen in dieser Stadt sehr wertschätzen und nicht wollen, dass sie Schaden nehmen. Darüber hinaus muss so eine Veranstaltung von mehreren Stellen genehmigt werden, mit denen wir alle Auflagen und möglichen Probleme absprechen. Wenn es von vornherein so aussieht, als könnte man das nicht gewährleisten, wird eine Veranstaltung auch gar nicht gestattet.

An dieser Stelle kann man auch mal die Stadt Berlin loben, der in ganz vielen Bereichen und der Verwaltung häufig Unvermögen vorgeworfen wird (lacht) – die Auflagen zum Schutz von Natur und Anwohnern sind sehr, sehr streng, was wir als Veranstalter richtig und auch wichtig finden.
Wir versuchen mit präventiven Maßnahmen einen Schaden im Vorfeld zu verhindern und beispielsweise durch entsprechende Umzäunung wichtige Grünflächen und das Sowjetische Ehrenmal zu schützen.

lollapalooza grüner kiez

Im „Grünen Kiez“ spielen Natur und Nachhaltigkeit eine große Rolle.
Bild: Cristin Recabarren

Es wurde auch bereits eine größere Geldsumme zurückgelegt, da wir natürlich für mögliche Schäden voll haften werden und im Nachhinein eine Wiederherstellung der Grünanlagen gewährleisten möchten.
Das hängt aber von verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel wie stark es vor dem Festival regnet, da das alles Einfluss auf den Boden hat. Wir hoffen und versuchen jedenfalls den Park so zu erhalten, wie wir ihn vorfinden.

Letztes Jahr fand das Lollapalooza zum ersten Mal hier in Berlin statt. Was habt ihr aus dieser Erfahrung für euch mitgenommen?

Wir haben festgestellt, dass Berlin ein großes Festival kann und auch, dass Berlin ein großes Interesse an solch einem Majorfestival hat.
Wir waren dann schon ein wenig davon überrascht, dass es so großen Anklang gefunden hat. Einerseits ist der Name schon eine Marke, aber das macht die Veranstaltung nicht zum Selbstläufer. Vor allem, weil das europäische und vor allem das deutsche Publikum meist sehr kritisch ist … und die Berliner ja sowieso. (lacht)

Vom letzten Jahr haben wir mitgenommen, dass es scheinbar wirklich Interesse an Veranstaltungen gibt, die über ein reines Musikfestival hinausgehen. Wir sind da sehr breit aufgestellt und halten an dieser Idee fest. Das Lollapalooza ist nämlich nicht nur Bespaßung für Feierkids oder Musikhörer, sondern bedient ganz viele unterschiedliche Nischen gleichzeitig, weshalb man zwei sehr abwechslungsreiche Tage erleben kann … und zwar ganz egal, ob als Teenager, im fortgeschrittenen Alter oder als Familie mit Kind. Ein Festival für alle Sinne, möchte ich schon fast sagen.


Das sehen wir als kleine Besonderheit, da die Bands nicht die einzige Hauptattraktion sind, denn nebenher werden viele andere spannende Sachen geboten. Straßentheater und Akrobatik, internationale Künstler und viele Attraktionen für Kinder findet man selten zusammen an einem Ort.
Dieses Konzept wollen wir natürlich nicht nur beibehalten, sondern sogar noch ausbauen. Wir stellen also nicht den gleichen Kram wie im letzten Jahr auf den Platz, sondern haben uns tolle neue Sachen überlegt. Die Abwechslung soll nicht nur neue Leute gewinnen, sondern wir möchten auch die Besucher überraschen, die wieder kommen.
Das erreichen wir dieses Jahr hoffentlich durch die Zusammenarbeit mit vielen internationalen Künstlern, die etwa 100qm Installationen aufbauen werden.

Was wir den Leuten auch noch anbieten, ist eine Möglichkeit nach dem Festival weiterzuziehen, wenn die Bands am Samstag vorbei sind. Wir kooperieren dieses Jahr mit einigen Clubs und jeder, der noch feiern und tanzen möchte, kann sich dann noch die ganze Nacht vergnügen. Mit dem Club Night Zusatzticket können Festivalbesucher in mehr als 15 Clubs das Tanzbein schwingen. Da kommt die zentrale Lage des Treptower Parks wieder zu Gute. Und die Anwohner werden nicht die ganze Nacht wachgehalten, da wir mit den Bands bereits vor Mitternacht durch sind.

Schaut ihr euch Tricks bei anderen innerstädtischen Festivals in Europa, wie dem Primavera Sound und anderen ab?

Natürlich guckt man immer mal, was dort so gemacht wird. Jedes Festival, vor allem in der Stadt, ist aber einzigartig, weil es mit dem jeweiligen Ort verknüpft ist und daher meist viele Besonderheiten aufweist. Daher kann man einiges auch gar nicht einfach so übernehmen. Wir schauen aber schon, was man dort so anstellt, aber eher um zu gucken, wie man es noch besser machen und für das Lollapalooza anwenden kann. (lacht)

Freust du dich auf eine bestimmte Band ganz besonders … oder muss man als Veranstalter alle gleich lieb haben?

Muss man gar nicht. (lacht)
In meinem Job und als Team natürlich schon und da ich nun mal der Pressesprecher bin, kann und will ich da auch niemanden bevorzugen.
Aber ich als Tommy darf das und freue mich privat sehr auf Radiohead. Das klingt natürlich recht abgedroschen und die anderen Bands sind zum Großteil auch wirklich toll, aber die begleiten mich schon länger und ich möchte sie auch endlich mal live erleben.

Ich sehe mich aber auch schon bei den Kings of Leon abgehen, weil die live wohl sehr gut sein müssen. (lacht) Aber insgesamt freue ich mich einfach auf die Mischung und gerade auf die kleineren und unbekannteren Acts. Da gibt es immer wieder etwas zu entdecken und ich wurde schon wirklich oft überrascht. Das ist das Schöne beim Lollapalooza, dass wir nicht nur ein ganz unterschiedliches Publikum anziehen, sondern auch musikalisch ein sehr breites Spektrum anbieten. Da wird nicht ausschließlich eine Zielgruppe bedient.

Vielen Dank an Tommy für das Gespräch! Wir sind gespannt, was es dieses Jahr Neues zu entdecken gibt und freuen uns auf die Bands. Wir verlosen übrigens sehr bald noch ein paar Tickets und Festival-Merchandise. Also haltet die Augen offen.