Das Gemüseorchester ist ein Künstler-Kollektiv aus Wien, das seit 1998 unter Zuhilfenahme vielseitiger, selbstgebauter Gemüse-Instrumente Musik macht. Sie klingen dabei sehr experimentell und avantgardistisch und erinnern etwas an Kraftwerk, John Cage und krautige elektronische Musik. Klangkunst trifft’s am besten.
Aber lassen wir sie doch einfach selbst zu Wort kommen. Wir haben mit den Damen und Herren des Gemüseorchesters ein kleines Interview geführt:

Wie geht’s, wie steht’s?

Bestens.

Eigentlich eine recht langweilige Standard-Frage wird hier jedoch wieder interessant:
Wie fing das alles an und woher kam die Idee für die Band?

Auf die Standard-Frage gibt es unsere Standard-Antwort von unserer Homepage (in englisch):
„We don’t remember. It is not the idea that matters it is the realization. The idea was born and carried out by a group of people, who came from different musical backgrounds (improvisation, electronics, pop, rock, punk, contemporary, …) and have worked together before in various projects.“

Hat jedes Mitglied eine feste Position, wie in einem „echten“ Orchester, oder werden die Instrumente je nach Bedarf herumgereicht?

Beides trifft nicht zu. Jedes Orchestermitglied baut sich grundsätzlich die Instrumente selbst, aber da es pro Stück unterschiedliche Anforderungen an die Instrumentierung gibt, ändert sich die „Position“ schon während des Konzerts. Auch können nicht immer alle Mitglieder bei einem Konzert dabei sein, das heißt, dass gewisse tragende Instrumente dann von anderen gespielt werden müssen.

Credit: Alexander Koller

Wie lange hält sich ein Instrument im Durchschnitt?

Je nach Instrument ist das unterschiedlich. Es gibt Trockengemüseinstrumente, die schon viele Jahre alt sind, andere hingegen überstehen nicht einmal das Stück, in dem sie gespielt werden. Das kann man also nicht so generalisieren.

Wie passen Essen und Musik zusammen?

Wir hören hin und wieder Musik beim Essen.

Schonmal eine Wurst-Flöte oder eine Kotlett-Posaune gebaut?

Schon einmal ein Gedicht geschrieben anstatt Fragen gestellt?

Was entgegnet ihr auf: „Mit Essen spielt man nicht“?

Wir spielen nicht auf Essen, sondern auf Gemüse. Gemüse wird in der ganzen Welt auch für andere Zwecke verwendet: als Dekoration, als Rohstoff, als Biosprit und auch traditionellerweise als Musikinstrument (z.b. getrocknete Kürbisse in Afrika).

Greift ihr auf Gemüse-Instrumente zurück, weil ihr insgeheim unmusikalisch seid aber trotzdem gerne berühmte Rockstars werden wollt?

Wir wollen keine berühmten Rockstars werden.

Ist es eher Zufall, dass ihr eure Instrumente ausschließlich aus Gemüse herstellt oder steckt ein Konzept dahinter? Warum kein Obst oder Steine?

Das Konzept nennt sich Gemüseorchester.
Da Obst kein Gemüse ist, wird es nicht gespielt. Steine nur insofern, wenn sie versteinertes Gemüse sind. Haben wir aber noch auf keinem Markt gefunden.

Gibt es Pläne für die Gruppe?

Es gibt laufend Pläne, das Orchester besteht ausschliesslich aus Plänen. Nicht alle werden realisiert, aber viele angedacht und ausprobiert. Da die Pläne aber Pläne sind und eben noch keine realisierten Projekte, ist es etwas heikel darüber zu sprechen. So viel kann aber verraten werden: Wir forschen gerade an neuen, selbst für uns, außergewöhnlichen Instrumenten, die die Gemüsemusikforschung wesentlich bereichern werden.

Credit: Zoe Fotografie

Sind alle Mitglieder hauptberufliche Orchestermusiker oder ist das Projekt nur Nebenjob?

Ja, wir sind hauptberuflich MusikerInnen und KünstlerInnen. Das Orchester ist kein Job, sondern ein essentieller Ausdruck unser künstlerischen Tätigkeit.

Wie reagieren die Leute, wenn man jemanden kennenlernt und erzählt, dass man in einem Gemüseorchester spielt?

In der Regel interessiert und verwundert und nur selten ablehnend.

Stört es, dass es immer nur um das Gemüse geht und nicht um die Musik?

Wenn es nur um das Gemüse ginge, dann würden wir nicht auf Musikfestivals spielen und selbst auf allen anderen Events, wo wir auftreten, geht es immer um Gemüse UND Musik.

Vielen Dank für eure Zeit!

Bitte gerne.

Nach dem Konzert bereitet der hauseigene Koch, aus den Überresten des Instrumentenbaus, eine Gemüsesuppe zu, die unter dem Publikum verteilt wird. Lasst es euch schmecken! Man kann nur hoffen, diese Kunstform setzt sich durch.

Originally posted 2014-03-20 12:57:55.