Sprung in die Ungewissheit. Mortis gibt uns einen Einblick in seine Musik, seinen Lebensstil zwischen stetem Vorwärtsdrängen und falschen Voraussetzungen. Wir haben mit dem frechen Wahl-Berliner gut gegessen, ein paar Schnäpse getrunken und über Dinge geplaudert…

Na, wer bist Du denn?

Ja hi, ich bin Mortis! Ich habe gerade vorzüglich zu Abend gegessen (reibt sich den Bauch), bin passionierter Fleischesser, Raufbold und Lebemann. Zudem fernab von allen sodomitischen Gedanken bin ich ein großer Katzenliebhaber.

Du hast vor kurzem deine erste eigene EP veröffentlicht. „Der goldene Käfig“. Was steckt hinter diesem Titel?

Der goldene Käfig ist für mich ein Sinnbild dafür, ein Gefangener seiner Möglichkeiten zu sein. Wenn man auf dem Dorf groß geworden ist, so wie ich, dann will man immer raus und viel erleben. Doch kommt man dann in die schillernde Großstadt, genießt man zwar seine Freiheit, aber man lässt sich zu schnell von seiner schillernden Umgebung (Partys, Künstlerleben, Alltagsstress) ablenken und gleichzeitig einschränken. Man kann alles machen durch nahezu unbegrenzte Möglichkeiten und sich gleichzeitig darin verlieren und am Ende nutzt man diese Inspiration durch die Einflüsse zu wenig und bleibt in seiner kleinen Komfortzone hängen.

Inwiefern hat dein Lebensstil und Umfeld deine EP beeinflusst?

Mein Umfeld hat mich dabei stark beeinflusst. Die EP ist aus einer Voyeursperspektive entstanden, jeder Track ist wie eine kleine Geschichte oder auch Tagebucheintrag meines eigenen Lebens. Hinter jedem Song versteckt sich eine Person oder ein Erlebnis. Den Song „Dafür“ zum Beispiel, habe ich für meine Homies geschrieben.

Beeindruckend dabei ist ja auch, dass Du dein Album fast komplett selbst produziert hast…

Ja, ich habe mehrfach probiert in einem Studio aufzunehmen, aber im Endeffekt bin ich, was das produzieren angeht, eher ein  „Heimscheißer“. Ich will lieber einfach aufstehen, in Boxershorts, einen Kaffee trinken und sofort loslegen mit Musik machen. Dann sitze ich ein paar Stunden am Rechner, bastele zwei drei Beats, vergesse dabei essen und trinken, bis mein Körper mir ein Zeichen gibt, dass es mal wieder Zeit wäre, etwas Körperhygiene vorzutäuschen (Gelächter). Von der Grundidee geht das produzieren eigentlich ganz schnell, eine Grundidee hab ich in 20 Minuten fertig. Jedoch habe ich mir innerhalb des letzten Jahres angewöhnt, mal einen halben Tag auch in eine Sache zu investieren und ich denke, das hört man dann auch beim Endprodukt deutlich raus. Da, wo meine Mittel nicht gereicht haben, bin ich zu Nobodys Face gegangen, der dann mit mir alles ausproduziert hat. Da hab ich auch echt keinen Nerv, mich mit abmischen zu beschäftigen. Dazu fehlen mir die richtigen Fingergriffe und eine SAE-Ausbildung. Ich weiß genau, wie der Sound am Ende klingen soll, versuche es ihm zu vermitteln, sitze dann stundenlang im Hintergrund, lese Zeitung und gebe alle halbe Stunde mal einen Kommentar ab.

Was kommt bei der Entstehung deiner Musik zuerst – Der Text oder der Sound?

Die meisten der Texte sind schon vor den Beats da. Oftmals schreibe ich diese aber auf oldschoolige Ami-beats, zum Beispiel auf die alten Songs von NAS. Diese Grundstimmung nehme ich dann mit in die Musik und lasse daraus meinen eigenen Song entstehen.

Welche Künstler beeinflussen denn noch dein Schaffen?

Necro und Ill Bill, dieses ganze Non Phixion Zeug fand ich immer wahnsinnig. Auch wenn diese Art von Musik nicht wirklich mit meiner zu vergleichen ist vom Stil her. Aber reduziert auf den storytelling Ansatz und dieses leicht dreckige, aber trotzdem viel Wert auf Flow zu legen, so wie zum Beispiel auch Mos Def, J Cole und The Game, der vor allem  sehr stumpf ist („der amerikanische Fler“)

Wie war das Feedback für „Zu Hause“?

Das Feedback aus meiner Heimat war wahnsinnig gut, die Leute kannten das ja schon, da ich ja dort auch bereits das Video zur Single gedreht habe und sie auch selbst die Chance hatten, mitzuwirken. Die konnten vorher alle nichts mit Rap anfangen und fanden das dann plötzlich total geil.

Du arbeitest ja gerade an deinem neuen Album. Erzähl doch mal ein bisschen davon!

Ein konkreter Veröffentlichungstermin steht noch nicht fest. Voraussichtlich wird es im Spätsommer erscheinen. Den Name „Hollywood-Psychose“ habe ich gewählt, weil ich 2011 bei einem Interview mal meine Vision für meine musikalische Zukunft erzählt hab und das hat irgendein Typ damit kommentiert, dass ich ja voll die Hollywood-Psychose hätte, aufgrund meiner Ansprüche an meine Musik. Das Album wird im Allgemeinen etwas lebensbejahender, als es die EP ist. Konkrete Features stehen noch nicht fest, aber ich habe bereits mit einigen Leuten gesprochen und es werden wohl Kollabos zustande kommen. „Hollywood-Psychose“ erzählt die Geschichte einer Transformation von einem Menschen auf seinem Weg durchs Leben.

Die Redaktion interessiert brennend das Geheimnis deiner ewigen Jugend. Verrätst du es uns?

Mein Mama hat immer gesagt: “Alkohol konserviert!“, vielleicht ist es das.

(Aus dem OFF: „Da sind Phytohormone drin!“)

Meiner Rechnung nach bin ich jetzt seit 12 Jahren Alkoholiker, ernähre mich nicht gesund und treibe kaum Sport. Ich glaub, es sind doch die Gene.

Möchtest du uns abschließend noch etwas mitteilen?

Das Leben ist wie ein Kasten Sternburg.

 

Originally posted 2014-02-25 17:11:04.