Wir SLEAZELs lieben nicht nur Sekt und Katzen, wir lieben auch Musik. Und hier vor allem jene, die wirklich gut und auch mal etwas anders ist. Wie zum Beispiel jene der Band OSCA. Was genau wir damit meinen, müsst ihr durch hören ihres Debütalbums OPUS I schon selbst herausfinden. Was wir euch aber verraten können: Es lohnt sich! Denn OSCA sind nicht die gewöhnliche Band von nebenan aus dem Keller der Oma. OSCA sind ein spannendes Musikerkonglomerat, das man im kommenden Jahr auf keinen Fall verpassen sollte. Doch nun genug unsrer Worte, lassen wir lieber die Band für sich sprechen. 

OSCA im Interview

Sleazemag: Wer seid ihr? Was macht ihr? Wo kommt ihr her?
Matthias, Musiker und Musikredakteur, Bayern/Berlin.
Yuka, Musikerin und Musikproduzentin, irgendwo zwischen Tokyo, Berlin und Rom.
Und in Abwesenheit: Dominik, Musiker und Musikproduzent, früher mal in Berlin, jetzt zurück zu den Würschtln.

Wenn man eure Musik nicht kennt, warum sollte man euch unbedingt mal live hören?
M: Man sollte uns auch live sehen, wenn man unsere Musik kennt. Eigentlich müssten statt CDs kleine Show-Hologramme von uns existieren. Die vielen kleinen Aktionen und Ideen, die auf der Bühne realisiert werden und all die visuellen Komponenten (Licht, Kostüme, Visuals, teilweise Tänzer) sind essenzielle Bestandteile unserer Stücke, denen ein Tonträger leider nicht annähernd gerecht wird.
Y: Weil wir dich fuer 75min von deinem Alltag befreien. Wir sind eine Live-Band, unsere Stärke liegt in unserer Live-Performance.

Euer erstes Album heißt OPUS I, wann kommt OPUS II?

OSCA - Opus I

OSCA – Opus I

M: Wir haben so lange an OPUS I gearbeitet, dass OPUS II auch einem OSCA 2.0 gleichkommen wird. Im Frühjahr 2016 werden wir uns wieder zusammensetzen und Songs schreiben.
Y: Das ist ganz abhängig davon, wie OPUS I läuft…somit KAUFET ZUHAUF!

Ihr seid ein musikalisches Konglomerat aus Japan und Deutschland. Wo liegen die Unterschiede in eurer Mentalität? Gibt es merkbare Unterschiede beim Musik machen?
Y: Unsere gemeinsame musikalische Basis liegt bei uns vor allem in der klassischen Musik. Ich trage noch relativ starke Einflüsse aus der japanischen Musikwelt in mir, das macht viel aus. Mein Hang zum Workaholic-Dasein kommt auch von meiner japanischen Prägung, genauso wie die manchmal vielleicht etwas extreme Kritik (fachlich, nicht persönlich) mir selbst und den Bandmitgliedern gegenüber.
M: Die Unterschiede sehe ich – neben mancher kulturell-spezifischen Denkweisen – auch im jeweiligen musikalischen Werdegang begründet. Vom meinem Studium her (Klavier/Arrangement) habe ich bestimmt einen anderen Blickwinkel auf die Musik als Yuka und Dominik, die vielleicht nicht so viel klassische Theorie mit sich herum schleppen, etwas respektloser (im positiven Sinne) mit Musik umgehen und schon viel früher den Computer in ihr Schaffen einbezogen haben. Und die Tatsache, dass wir alle mehrere und unterschiedliche Instrumente spielen, erlaubt uns einen unglaublich variablen Umgang mit Musik.

Warum habt ihr euch gerade Berlin als den Ort um Musik zu machen ausgesucht?
Y: Ich bin einfach irgendwie hier gelandet, schicksalhaft mit einem Koffer, 170 Euro und keiner Wohnung.
M: Ich habe mich tatsächlich bewusst für Berlin entschieden, weil du nirgends auf der Welt mit so wenig Druck Dinge ausprobieren kannst, die Zeit brauchen, auch auf die Gefahr des Scheiterns hin. Und nach längeren Auslandsaufenthalten war das Zusammentreffen so verschiedener Kulturen und Denkweisen in dieser Stadt natürlich auch essenziell für mich.

Beeinflusst die Stadt eure Musik?
Y: Ja! Im schönen Sommer geht es mir sehr gut, jedoch bin ich relativ unproduktiv. Im schlimmen Winter dagegen ungluecklich und produktiv! Hier entstehen viele Geschichten, wenn man grundsätzlich zu (fast) allem ja sagt.

Osca im Interview: „wir haben leidvoll erfahren, dass du dich nur auf dich verlassen kannst…!“

Es gibt euch seit 2010. Wieso hat es so lange gedauert bis zum ersten Album?
Y: Irgendwo zwischen manischem Perfektionismus und Finanzierungsdilemma hat es dann seine 3 Jahre gebraucht.
M: Zum anderen war es einfach schwierig die ganzen Ideen, die wir beim Betreten dieser Band-Spielwiese hatten, zu bündeln und akustisch verständlich zu organisieren. Außerdem haben wir leidvoll erfahren, dass du dich letztendlich nur auf dich verlassen kannst und wir so am Ende alles selbst lernen und machen mussten. 2010 hatten wir übrigens schon mal eine EP produziert, Come to the other side, die wurde aber nur auf Tour verkauft.

Osca im Interview

Foto: lapupazza.com

Wo soll eure Reise hingehen?
M: Genauso, wie unsere „Kunst“ nicht nur aus Musik besteht, so würden wir in Zukunft gerne mit Künstlern aus anderen Bereichen zusammen arbeiten und neue Shows entwickeln. Zum Beispiel mit Theater-Regisseuren, Choreographen und Mode-Designern.
Y: Unserer grossen Liebe zu massiven Theater- und Opernhäusern ist keine Grenze gesetzt. Wir können es derzeit kaum erwarten am nächsten Album zu arbeiten und vor allem wieder mehr zu touren.

Ihr seid eine der wenigen Bands, die auch eine Frau in der Band haben. Wieso denkt ihr gibt es so wenige Frauen, in der Musikbranche?
M: Ist das so? Ich hatte das Gefühl, gerade in letzter Zeit hat sich das sehr verändert. Zumindest im künstlerisch-kreativen Bereich. Mag sein, dass es mehr männliche Instrumentalisten in den Begleitbands zu sehen gibt, aber gerade Sängerinnen und Songwriterinnen haben die Männerdominanz eindeutig zum Einstürzen gebracht. Und das machen sie gut (lacht).
Y: Ich muss zugeben, dass mir das so auch nicht aufgefallen ist. Es gibt ja Unmengen an talentierten Frontfrauen, die erfolgreich unterwegs sind und all ihre Songs komplett schreiben und arrangieren.

Als ich euer Album zum ersten Mal gehört habe, sind mir ganz viele andere Künstler durch den Kopf gegangen wie zb.: Queen oder Björk, Ist das nur Einbildung oder haben euch diese Bands beeinflusst?
M: Björk mit Sicherheit. Queen eher indirekt – als frühe Wegbereiter für opulente und abgefahrene Arrangements. Neben einigen wenigen Beispielen aus der aktuellen Popkultur haben mich aber vor Allem Musiker aus meinem Umfeld und klassische Komponisten wie Prokofiev, Wagner oder Beethoven beeinflusst.
Y: Doch doch, das kommt hin. Björk habe ich mit 12 entdeckt, grosse Liebe! Ihre Musik hat meinen Stil und mein Leben stark geprägt. Queen habe ich tatsächlich zum ersten Mal als Kind im Karaoke in Tokyo gehört, damals versuchte sich jemand in der Bohemian Rhapsody (mit grossem Misserfolg). Unglaubliche Arrangements.

In eurer Musik stecken auch ganz viele Elemente der klassischen Musik. Was war bei euch zuerst da. Die Klassik oder der Jazz/Pop?
M: Das ging Hand in Hand. Ich habe klassische Musik immer dazu „benutzt“, um mir Inspiration für meine Kompositionen zu holen, die waren allerdings zumeist keine klassischen Stücke sondern „U-Musik“. Für mich ist diese Art des Komponierens besonders reizvoll – zwei verschiedene Denkweisen, die sich gegenseitig befruchten.
Y: Ich komme aus einer Familie der Klassikmusiker, somit war Bach zuallererst da. Mit der Zeit kam dann irgendwann Gershwin über den Geigenunterricht dazu und Billy Holiday in traurigen Teenager-Zeiten. Die erste Kindergarten-Popliebe war Michael Jackson (meine erste Kassette :BAD – ein erleuchtender Moment).

Ihr seid ja schon sehr viel rumgekommen. In welchem Land gefällt es euch am besten zu spielen bzw. wo kommt ihr am besten an?
M: Ich könnte das nicht eindeutig sagen. Das schwierigste Publikum ist aber mit Sicherheit unser Heimpublikum in Berlin.
Y: Ich habe da auch keine Präferenzen. Klimatisch eher die mediterranen Ecken. Dort ist das Publikum natürlich auch etwas großzügiger mit ihren Emotionen.

Eure Musik in drei Worten?
M: Überraschung, Füllhorn, Spielwiese.
Y: Hyperpop, Opulenz, Herzschmerz.

Gibt es etwas, was ihr euch immer schon gegenseitig sagen wolltet, es aber noch nie getan habt?
M: Liebe Yuka, Du darfst auch in Zukunft immer eine viertel Stunde zu spät kommen! Ich verabrede mich eh immer 15 Minuten vor der anvisierten Zeit mit Dir! (;
Y: Matthias, ich finde dich manchmal ja schon etwas zu Müsli. Domi, du bist von Herzen ein Kobold.

Was wünscht ihr euch für das neue Jahr?
M: …dass wir wieder mehr Zeit mit Musik als mit Band-Verwaltung verbringen.
Y: Erfolg, Muse um wieder mehr kreativ zu arbeiten. Viel, viel, viel touren.

Danke für eure Zeit und weiterhin viel Erfolg.

Originally posted 2015-12-31 17:14:51.