Für diejenigen unter euch, die sich gerade fragen „Ähm, wer?“ sei nochmal eben erklärt, wer denn die Black Lips sind. Ihr kennt sie wahrscheinlich durch ihren Song „Modern Art“ (Wer sich erinnert, in welchem Werbespot das Stück vorkam, schreibe mir doch bitte mal eine Mail. Es zermürbt mich!) oder vielleicht sogar durch ihr vor kurzem erschienenes Album „Underneath the Rainbow“. Wir haben Bassist Jared mal über Fortschritt, Zukunft und Altfühlen ausgequetscht.

 

Hi Kirsten, wie geht’s dir?

Ganz gut. Hier ist’s schon recht spät und ich hab ganz schon Hunger.

Ja, ich glaube, du bist uns zirka neun Stunden voraus. Verrückt, ich spreche mit jemandem aus der Zukunft.

 

Ja, verrückt! Zurück in die Gegenwart: Was ist neu an „Underneath the Rainbow“?

Da ist eigentlich nicht viel Neues dran. Wir schauen bezüglich unserer Musik immer etwas mehr in die Vergangenheit, als dass wir uns in der Gegenwart bewegen. Es geht um Sounds, die wir selbst mögen. Ich glaube, unsere Musik ist irgendwie zeitlos.

 

Also auch keine Neuerungen im Aufnehmen oder irgendwelche besonderen Kollaborationen?

Nö, eigentlich nicht. So wie immer. Unser Motto: Wenn etwas nicht kaputt ist, dann reparier‘ es nicht.

 

Ihr spielt jetzt schon seit 14 Jahren zusammen und wart echt jung als ihr angefangen habt. Ihr seid auch jetzt noch ziemlich jung. Habt ihr euch im Laufe der Jahre verändert und ist es manchmal komisch schon ein alter Hase im Business zu sein, aber noch gar nicht alt?

Wir sind irgendwie beschissene Professionelle in dem, was wir tun. Ich habe angefangen als ich 13 war und jetzt bin ich 30. Wir haben uns nicht wirklich so viel weiterentwickelt. Man könnte es eine angehaltene Entwicklung nennen. Ich fühle mich immer noch als wäre ich 18, weil wir immer noch das Gleiche machen. Aber eine große Sache im Leben ist, dass, wenn du etwas im Leben findest, in dem du richtig gut bist, du genau das machen solltest! Das Leben ist so kurz. Wenn du, vor allem als junger Mensch, herausfindest, was du machen möchtest, und dazu auch noch eine Gruppe anderer junger Menschen, die das gleiche wollen, tu es. Das ist etwas ganz besonderes! Einige Menschen wollen in die Politik, andere wollen Brücken bauen und wieder andere wollen unterhalten. Die Menschen brauchen Unterhaltung. Und wir sind hier um zu unterhalten. Das ist unser Ding und das haben wir früh erkannt. Manchmal kannst du einen Schritt zurück machen – später im Leben – und dir denken, jetzt mache ich mal etwas anderes. Aber Musik ist einfach, was ich gern mache und ich bin gut darin.

 

Fühlst du dich dadurch manchmal etwas älter als du bist?

Als ich 18 war habe ich mich gefühlt als wäre ich 40. Und jetzt da ich 30 bin, fühle ich mich wie 18.

Black Lips

 

Ich habe gelesen, dass es mal euer Ziel war unkonventionelle Touren zu spielen. Durch zum Beispiel Indien. Wollt ihr das immer noch und in welchen verrückten Ländern wart ihr schon?

Ich finde kein Land ist besonders „verrückt“. Ich finde, Amerika ist verrückt. Deutschland ist verrückt, Frankreich ist verrückt und ich finde Indonesien ist verrückt… Ich möchte an all diese Orte reisen. Ich möchte in jedes Land dieser Welt, wo ich irgendwie hinkomme. Als Band Reisen ist großartig, weil du, wo du auch hinkommst, mit Einheimischen bist. Dazu musst du kein Backpacker sein. Du gehst einfach auf deine Fans zu und sie zeigen dir ihr Land und du bist mit ihrer Familie. Das ist toll und wir sind wirklich privilegiert, dass wir das machen können. Das ist die tollste Art zu reisen und ich mich möchte überall hin. Wir haben viele Fans in Malaysia, Indonesien und auf den Philippinen. Ich denke, Südost-Asien wird unser nächstes Ziel.

 

Was war das verrückteste Konzert, dass ihr jemals gespielt habt?

Das ist unmöglich zu sagen, weil sie alle verrückt sind.

 

Ihr seid bekannt für sehr ausufernde Liveshows mit auf die Bühne pinkeln und so Zeug. Macht ihr das immer noch?

Ja, das passiert manchmal. Das ist nichts was wir uns vornehmen, aber das passiert eben. Kommt immer drauf an, wie viel wir so trinken.

 

Wie hat sich das Musikgeschäft über die Jahre verändert?

Das Internet hat das ganze Spiel verändert. Wir haben angefangen Musik zu machen als die Sache mit dem Internet gerade erst losging. Ich glaube aber, es ist eine gute Sache. Du kannst dich nicht gegen Veränderung und Fortschritt wehren. Du musst einfach damit klar kommen. Keine Band hat jemals Geld mit Platten gemacht. Es hat also gar keinen Einfluss auf die Künstler, sondern auf die Labels und das Drumherum. Das alles verändert sich.

Es gab eine Zeit in der Menschen Briefe geschrieben haben. Aber das wird nicht mehr passieren. Du kannst nicht gegen die Zukunft ankämpfen.

 

Ist es heute mit dem Internet leichter als Musiker Erfolg zu haben oder ist es genauso hart wie immer?

Wenn du gut bist, bist du gut! Wenn nicht, dann nicht! Die Rolling Stones wären die Rolling Stones mit oder ohne Internet. Es kommt drauf an, was du kannst und wie hart du arbeitest. Und Bands müssen arbeiten. Ein schlechter Aspekt des Internets ist, dass die Bands glauben, nicht mehr arbeiten zu müssen. Aber sie müssen!

 

Was ist das schwerste am Musikbiz?

Da ist nichts schwer dran. Es ist wirklich toll. Weißt du was hart ist? Alleinerziehende Mutter zu sein und deine Kinder aufziehen zu müssen! Oder für neun Monate in Afghanistan kämpfen. Das ist hart. In einer Band spielen, ist wirklich leicht.

 

Letzte Frage: Bier oder Schnaps?

Oh, Bier. Schnaps schmeckt komisch.

 

 

Fotos: Mick Rock

 

 

 

 

Originally posted 2014-04-12 19:49:47.