Wir präsentieren euch: Tall Ships im Interview!

Tall Ships sind eine junge, aufstrebende Math-Rock-Band aus Brighton, die gerade ihr erstes Album veröffentlichte. Als Support-Band von Nada Surf tourten sie damit durch Europa. Ich traf den sympathischen Liedsänger Ric bei ihrem Konzert in Berlin.

 

Gratuliere zu eurem tollen Debütalbum! Bist du zufrieden mit dem Ergebnis?

Ja, sehr. Es hat ja auch vier Jahre gedauert, bis es fertig war. Diese Zeit war sehr stressig und wahnsinnig anstrengend. Deswegen sind wir alle einfach nur happy, dass es jetzt endlich da ist. Ich bin stolz drauf und hoffe, dass es den Leuten gefällt.

Wusstest du immer schon, dass du ein „Rockstar“ werden willst?

Klar. Als Teenager gab es für uns nichts Cooleres als in einer Band zu spielen. Als wir dann auf die Uni kamen, hörten wir aber plötzlich auf, Musik zu machen. Nach zwei Jahren haben wir dann zum Spaß wieder begonnen. Da dachten wir aber nicht im Traum daran, das professionell zu machen. Die ersten Songs schrieben wir auch erst, als uns ein Freund einen Gig organsiert hatte. Naja, und das war’s dann. Die Leute mochten es, wir mochten es und jetzt sitz ich hier und rede mit dir auf unser Europa-Tour. Es ist einfach so passiert.

Das Musikbusiness ist ja ziemlich unsicher. Hast du einen Backup-Plan, falls das mit der Musikkarriere doch nichts wird?

Wie schon gesagt, haben wir das alles nicht kommen gesehen. Aber jetzt, wo es so ist, wollen wir nichts anderes mehr. Ich glaube, dass ich im normalen Leben gar nicht mehr klar kommen würde. Umso mehr Zeit man in einer Band und auf Tour verbringt, umso weltfremder wird man. Wenn man jeden Tag mindestens drei Stunden in einem Van sitzt, irgendwo hinfährt, dort den Soundcheck macht, zu essen und zu trinken bekommt, dann vergisst man einfach, wie das alles funktioniert. Ich glaube, ich weiß gar nicht mehr, wie man kocht. Wir wollen das einfach so sehr, dass wir gar nicht erst darüber nachdenken, was passiert, wenn es nicht klappt.

Wie ist es, auf Tour zu sein? Lebt ihr dieses Klischee Sex, Drugs and Rock’n’Roll?

Nein, dieses Klischee leben wir definitiv nicht. So langweilig das klingt, aber eigentlich leben wir nur den Rock’n’Roll. Anfangs dachten wir auch, dass das alles total aufregend wird, aber im Prinzip besteht unser momentanes Bandleben nur daraus Gigs zu spielen, viel Bier zu trinken und sich jeden Abend um einen gratis Schlafplatz zu kümmern.

Ihr habt keinen Platz zum Schlafen?

Nein. Wir verdienen nicht besonders viel. Deswegen stellen wir bei jeder Show ein Schild auf und hoffen, dass uns jemand seine Couch anbietet. Bis jetzt hat das auch immer funktioniert. Fußböden sind unsere besten Kumpels geworden. Und auf diesem Weg gewinnt man viele Freunde und erlebt jede Menge schräges Zeug. Vor ein paar Tagen schliefen wir zum Beispiel bei einem total coolen lesbischen Pärchen auf dem Boden. Dass wir ihnen die ganze Nacht beim Sex zuhören mussten, war dann aber weniger cool. Naja, immerhin hatten wir einen Platz zum Schlafen, auch wenn wir kaum ein Auge zu gemacht haben.

Ihr tourt momentan mit Nada Surf? Wie kam es dazu? Eure Musik ist ja doch sehr verschieden.

Ja, das stimmt wohl. Nada Surf sind echt coole, sympathische Typen, aber unsere Musik hat wirklich nicht viel miteinander zu tun. Keine Ahnung, wie wir auf dieser Tour gelandet sind. Wir hatten mit dieser Zusammenführung eigentlich nichts zu tun. Sie fragten unseren Manager, ob wir mit ihnen auf Tour gehen wollen und wir sagten natürlich sofort zu. Der einzige Grund, weshalb mittlerweile schon einige Leute zu unseren Gigs kommen, sind die unzähligen Support-Touren, die wir schon gemacht haben.

Ihr wart dieses Jahr auf dem Leeds & Reading Festival einer der Headliners auf der BBC Introducing Stage. Wie fühlt sich das an, dort zu spielen?

Das war absolut überwältigend. Wir spielten gleichzeitig mit den Foo Fighters. Das ist schon ziemlich krass, wenn ich so drüber nachdenke. Das Beste daran war aber, dass da Leute waren, die uns tatsächlich zugehört haben. Dort zu spielen war wirklich ein unvergesslicher Moment für uns. Wir verbrachten unsere halbe Jugend auf diesem Festival. Wenn uns das damals jemand gesagt hätte, dass wir dort mal selber spielen werden und sogar eine Stage headlinen, hätte uns das den Rest gegeben. Als wir dann dort spielten, dachten wir: Vielleicht sind wir jetzt endlich eine richtige Band. Vielleicht können wir das wirklich schaffen. Das war schon ziemlich cool.

Als ich euer Album zum ersten Mal hörte, erinnerte es mich sofort an Bands wie Foals, Sigur Rós oder The Smiths. Fühlt sich das gut an, mit denen verglichen zu werden oder nervt das?

Ich finde das eigentlich ziemlich witzig. Ich bin kein großer The-Smiths-Fan. Nicht, dass ich sie nicht mag, aber ich wurde auch nie richtig warm mit ihnen. Deswegen ist es mir eigentlich egal, wenn wir mit ihnen verglichen werden. Aber klar fühlt man sich auch irgendwie geehrt, wenn man mit so großen Bands in einem Satz genannt wird.

Welche Bands/Musiker beeinflussten eure Musik? Habt ihr Vorbilder?

Ach, da gibt es so unendlich viele. Aber eine Band, die einen riesen Einfluss auf uns hatte, die der Grund waren, weshalb wir eine Band sein wollten und die wir als Teenager absolut verehrten, waren Biffy Clyro. Diese Band live zu sehen war für uns fast schon wie eine religiöse Erfahrung. Wir waren absolut besessen von denen. Eine andere Band, die uns vor allem in Hinblick auf das technische Equipment, das wir heute verwenden, beeinflusst hat, war Battles. Meiner Ansicht nach ist das, was die Jungs da machen, die Gitarrenmusik der Zukunft.

Was sind eure Pläne für die nächsten Jahre?

Millionäre zu sein mit fetten Sportwägen. Nein, momentan ist unser Ziel einfach nur, ein zweites Album zu machen. Jetzt, wo wir endlich eine kleine Fangemeinde haben, wollen wir denen auch was zu hören geben. Wir hoffen, dass wir es nächstes Jahr auch über den großen Teich schaffen. Einfach auf Tour sein, Songs schreiben und vielleicht endlich davon leben zu können. Es wäre schon toll, wenn wir den Fußboden bald mal gegen richtige Betten tauschen könnten.

Ist es euch schon mal passiert, dass niemand zu eurem Gig kam? Wie fühlt sich das an?

Ja klar, das ist uns schon ein paar Mal passiert. Wir sollten mal bei einem Festival im Lake District spielen. Wir freuten uns total darauf. Als wir dann zu spielen begannen, saßen vier steinalte Hippies und ein Hund vor uns. Nach ein paar Minuten war klar, dass die auch nur da waren, weil die Aussicht so schön war und nicht wegen uns. Das ist einfach nur deprimierend. In diesen Momenten will man am liebsten einfach nur alles hinschmeißen. Aber man tut es dann trotzdem nicht, weil beim nächsten Konzert schon wieder alles anders sein kann. Plötzlich stehen dann wieder 500 Leute vor dir, die jedes Wort deiner Texte mitsingen können. Dann weiß man wieder, warum man das alles auf sich nimmt. Das motiviert. Ich liebe es einfach. Ich würde mit niemandem auf der Welt tauschen wollen.

Die Album-Rezension gibt’s hier: SLEAZE 35

Mariella

Originally posted 2012-11-27 12:44:43.