Lange Zeit war man in Kreisen der kosmopolitischen Populärmusik sehr darauf bedacht, jeden kleinsten Hinweis auf seine sprachliche Herkunft gekonnt zu vertuschen.

Dialekte waren dem Schlager so eigen, dass niemand damit in Verbindung gebracht werden wollte. Und Karnevalsgruppen betrachtete sowieso niemand als ernstzunehmende Musiker.
So wurde sauberstes Hochdeutsch gepflegt und bei englischen Texten nach bestem Können der harte, deutsche Akzent vertuscht – was, zumindest in letzterem Fall, die richtige Entscheidung war.

Neben Falco gab es da nicht so viele die mit regionaler Färbung glänzen konnten.

Außerdem sollte die Musik deutschlandweit und bestenfalls über die Grenzen hinaus gehört und gemocht werden, was Schwaben, Sachsen und Bayern womöglich veranlasste ihre Heimatgefühle und Umgangssprache beiseite zu schieben und eine allgemeingültigere Sprachge zu nutzen.

Musik mit Dialekt ist wieder auf dem Vormarsch

Es schwächt sich zwar beim Singen automatisch der Dialekt stark ab,  dennoch kann man sagen, dass auch beim Publikum dialektfreie Musik tendenziell auf größere Gegenliebe stößt. Außer in den jeweiligen Regionen selbst und bei einigen wenigen Ausnahmen, hörte man im Radio immer nur lupenreines Hochdeutsch.
Beim Autor zuhause lief immer mal wieder irgendetwas von den Rodgau Monotones beim lokalen Sender. Warum sowas im Radio läuft, hätte aber kein Hamburger verstanden. Schon manch ein Hesse tat das nicht.

Abseits von einigen Komikertruppen, wie Elsterglanz oder Badesalz und Nischen, die den Mainstream nur gerade so streiften, wo sich beispielsweise der Reggae-Bayer Hans Söllner einnistete, war die Musik hochdeutsch-dominiert.


Badesalz – Dialekte von MinnieMoreno

In den Vereinigten Staaten hat man sich wahrscheinlich nie so richtig Gedanken darüber gemacht, wie das auf den New Yorker wirkt, wenn der Texaner frei Schnauze losträllert.
Zwar haben die Südstaaten musikalisch (und oft auch sonst) ihren Redneck-Ruf weg, aber der passt auch einfach so schön zum Trucker-Country.

Ist in diesem Fall womöglich genau das passiert, was sich Bands und Künstler aller Genre so häufig vorwerfen lassen müssen? Nämlich alles aus Übersee zu kopieren und nachzuahmen?
Das halte ich für ziemlich unwahrscheinlich.

Dennoch trauen sich immer mehr Künstler ihre sprachlichen Eigenheiten offen zur Schau zu stellen und bilden sie sogar als Markenzeichen oder Stilmittel heraus. Aber nicht nur weil man von der großen Liebe auf der Alm und dem Bächlein im Fichtenwlädchen singt, sondern überraschenderweise quer durch alle musikalischen Lager.

Und während in Bayern, Schwaben und andernorts bereits volkstümlicher Slang Einzug in die regionalen Jukeboxen hielt, tat man sich auf bundesdeutscher Ebene länger noch recht schwer damit.
Doch mittlerweile sind sie salonfähig, die Dialekte aus den hintersten Ecken der Sprachlandschaft. Sie laufen oft im Radio, sie werden gefeiert, mit Preisen überhäuft und spielen als Headliner auf Festivals.

Aus Österreich schwappt seit der Dialektwelle in den 70ern auch wieder vermehrt Neues zu uns herüber.
Wanda führen die Riege der jungen Austro-Pop-Bands an, die wie Bilderbuch und Nino aus Wien, jung, frech und mit catchy Refrains ausgestattet sind.

Und selbst Blasmusik erfreut sich ungemeiner Beliebtheit. Denn das muss man Bands wie LaBrassBanda oder Koflgschroa wirklich lassen. Wenn die Songs gut arrangiert und die Bläser interessant eingesetzt sind, dann kann man auch sieben Minuten lang über trocknende Wäsche singen … und damit überzeugen.