Wir haben ihn kurz vor dem Release seines Albums „Endlich Unendlich getroffen und uns über Trends bzw. keine Trends im Hip Hop, seinen Homeboy Max Herre und illegale Downloads unterhalten.

 

Megaloh

Erzähl mal ein wenig über deine Einflüsse und wie es bei dir angefangen hat.

Ich hab 1993 angefangen, Rapmusik zu hören und bin hauptsächlich durch amerikanischen und französischen Rap beeinflusst – Deutschrap eher weniger. Snoop Doggs „Doggystyle war die erste Rapplatte, die ich bekommen habe, und es war irgendwie „Liebe auf das erste Hören. Am Anfang habe ich meine Texte noch auf englisch geschrieben, weil es meine Muttersprache ist und das habe ich dann die nächsten sieben Jahre halb ernst durchgezogen. Dabei habe ich auch ein bisschen Skillz entwickelt und als die Entscheidung kam, das ernsthafter zu betreiben, habe ich es relativ schnell auf deutsch verlagert, weil ich deutsch auch eigentlich besser spreche und man die Leute hier zum Großteil auch eher so erreichen kann. Ich musste mich ein wenig umgewöhnen, aber man muss nicht zwangsläufig Deutschrap hören, um es zu machen. Es reicht wenn man ein Rapliebhaber ist.

Deine Beats sind old-schooliger angelegt als bei vielen anderen aktuellen Rappern, die alles sehr Synthesizer-überladen und elektronisch produzieren.

Ist das so? Ich achte nicht so auf Trends, deshalb weiß ich das nicht, aber das finde ich auf jeden Fall gut zu hören. Wir wollen nämlich nicht so auf Trends rumreiten, sondern etwas Zeitloses schaffen. Und diese Zeitlosigkeit funktioniert für mich vor allem auch über die Musikalität. Auf die Synthies zu verzichten, war keine bewusste Entscheidung, die bewusste Entscheidung war eher, echte Musik zu machen und das geht damit einher, denke ich.

Was hast du die letzten Jahre – seit 2005/seit „Im Game – so getrieben? Es kam nämlich lange Zeit verhältnismäßig wenig und jetzt verhältnismäßig viel.

Ich war schon selbst schuld irgendwie. (lacht) Auch wenn ich nur ein Album bisher habe, habe ich doch schon recht viel gemacht.

(Er betet alle seine Veröffentlichungen ab 2002 chronologisch runter.)

Wenn man eben kein eigenes Album am Start hat, kommt es den Leuten immer so vor, als wäre man zwar da, aber doch nicht so richtig. Das kann ich auch total verstehen.
Ich habe jetzt eine Perspektive, die hatte ich die Jahre davor halt nicht, weil ich keinen Deal hatte. Zu Beginn meiner Karriere habe ich das zusammen mit meinem Produzentenpartner mit einem eigenen Label und mit Groove Attack als Vertrieb gemacht. Da musste man alles in einer Person sein, also Labelchef, Promotante, Rapper und was weiß ich nicht noch alles. Das hat sich finanziell nicht rentiert und auch einfach extrem geschlaucht. Ich wollte in erster Linie Künstler sein. Seit wir dann ab 2007 das eigene Label nicht mehr hatten, habe ich sehr viel Musik gemacht, aber es gab einfach nicht die Möglichkeit, das alles rauszubringen und die ganze Zeit Sachen ins Netz stellen wollte ich auch nicht. Es gab zwar einiges umsonst im Netz, deshalb können die Leute da eigentlich nicht meckern, aber ich wollte das schon ein wenig mit Perspektive machen. Und das war vorher einfach nicht der Fall, wie es jetzt mit Max und Nesola ist.

Wie kam die Connection zu Max Herre zustande?

Max ist jemand, von dem ich sagen würde, dass er musikalisches Talent recht früh erkennen kann und er hat auch schon 2005 meine Sachen mitbekommen, weil er damals mit seiner Frau immer in ein jamaikanisches Restaurant in Moabit gegangen ist, wo oft meine Musik lief. Und über die Jahre sind wir uns immer mal wieder begegnet, haben ein wenig gequatscht, aber so richtig kam der Kontakt auf einem Elternabend zustande. Meine Freundin hat Zwillinge und die waren in dergleichen Klasse wie der größte von Max. Und dann sitze ich da auf dem Elternabend und plötzlich kommt Max rein und muss mir genau gegenüber sitzen. (lacht) Und wir gucken uns beide an, nach dem Motto „Was ist hier los? So richtig gangster. (lacht) Und dann haben die mich bald darauf auf den JoyDenalaneRemix eingeladen – mit ihm und Samy. Ab da haben wir eigentlich konkret drüber geredet, was zu machen.

 

Hat das Label die Wahl der Featuregäste beeinflusst, da es ja alle eher intellektuelle Rapper sind, oder war das auf eigenen Wunsch?

Intellektuelle Rapper. (lacht) Finde ich gut, ich bin ja selbst auch so der Intellektuelle. Ne, also die Rapper sind alle mein Wunsch. Samy und Afrob sind drauf, als ASD, worüber ich mich auch sehr freue, weil KEINER hat ein ASD-Feature. Marteria ist noch mit drauf und auch alle anderen sind alles Homies von mir. Das war also keine Labelentscheidung. Zwei Sänger – Daniel Stoyanov und Roland Meyer de Voltaire – kannte ich vorher noch nicht, die wurden mir vorgeschlagen, da ich bestimmte Sachen gesucht habe. Dann habe ich die beiden gepickt und vor allem mit Roland habe ich seitdem viel zusammen gemacht und wir telefonieren auch immer mal wieder und treffen uns, wenn er in Berlin ist. Den werden viele aus dem HipHopBereich nicht kennen, aber es ist auf jeden Fall ein krasser Typ.

Die jetzigen Featuregäste sind im Vergleich zu den früheren Kollaborationen, wie Massiv, MC Bastard oder Harris, braver. Das jetzt ist schon die komplett andere Ecke, oder?

Ich mache eigentlich immer was mit den Leuten, auf die ich halt so Bock habe und mit denen ich gerne zusammenarbeiten möchte und die auch mit mir zusammenarbeiten wollen. Ich habe mir darüber aber nicht großartig Gedanken gemacht. Da die Leute bei mir immer ein Klischeedenken haben, wegen der Äußerlichkeiten und auch weil Rapper von der Gesellschaft generell klischeebehaftet betrachtet werden und wenn man dann auch noch dieses Straßending so sehr unterstreicht, ist es schwierig, die Leute davon zu überzeugen, dass da noch mehr dahinter steckt. Deshalb war es mir bei dieser Platte wichtig, meine Vorteile und das, was mich ausmacht, komplett durchzudeklinieren und das in den Vordergrund zu stellen, damit die Leute danach hoffentlich etwas von diesen Kategorien wegkommen.

Megaloh Endlich Unendlich

Wenn du müsstest, mit wem würdest du zusammenarbeiten: Haftbefehl – Brutos Brutaloz – Die Atzen?

Wenn ich müsste? (lacht) Alles kein Problem, ich würde mit jedem von denen … hmm, Brutos? Ne, ich denke schon Haftbefehl. Weil ich seine Herangehensweise an Rap feier und er auch viel Biggie und Booba hört, die ich selbst sehr mag. Außerdem gefällt mir sein Humor – bisschen mit Augenzwinkern. Das ist lustig.

Schonmal ’ne Platte gekauft, für die du dich heute schämst?

Da muss ich echt mal überlegen. Ich habe mal, als ich mit 11-12 Jahren mit dem Musikhören angefangen habe, ein Album zu Weihnachten geschenkt bekommen, für das ich mich heute schäme. Das war Ace of Base und Culture Beat. Aber was heißt schämen? Das ist schon fast zu hart gesagt. Damals fand ich es ja cool. (er stimmt den Refrain von Mr. Vain an)

Megaloh

Würdest du dagegen vorgehen, wenn jemand deine Platte illegal runterlädt?

Vorgehen dagegen nicht direkt. Das können vor allem auch nur die erfolgreicheren Künstler, weil die sich auch die Anwälte leisten können. Eigentlich sollten die Leute das auch wissen, da muss man nicht noch mit dem Vorschlaghammer draufhauen. Aber wenn du mir hier die Möglichkeit bietest, sage ich: Bitte kauft meine Platte, denn nur so geht es weiter. Wenn ihr die Musik hört, feiert und nicht kauft, dann seid ihr einfach blöd, weil dann hört es schneller auf, als ihr wollt.

Fred

Originally posted 2013-03-14 20:53:47.