Der SLEAZE Plattenteller im April: Musik, Musik! Neue Musik! Und weil es jede Woche viel zu viel davon gibt und kein Schwein seine Zeit mit dem Lesen von ewig langem, poptheoretischen Pseudo-Gewäsch verschwenden möchte, machen wir es kurz, prägnant und knallhart!

Der SLEAZE Plattenteller 2016 im April Nr. 52 – Musikreviews

Diesmal mit Matt Elliott, Pet Shop Boys, Mogwai und Explosions in The Sky.

Matt Elliott – The Calm Before

Der SLEAZE Plattenteller im April

Matt Elliott – The Calm Before

Label: Affairs Of The Heart
VÖ: 8.04.2016

Genre: Neofolk
Klingt wie: Britische Folk Depression

Erster Gedanke: Das klingt wie ein Weihnachts-Einschlaflied.
Zweiter Gedanke: Es sind zum Glück nur sechs Lieder.
Dritter Gedanke: Wieso ist da Wind?
Vierter Gedanke: Och, die Stimme ist aber eigentlich ganz nett.
Fünfter Gedanke: Orr, wieso ist der zweite Song denn bitte 14 Minuten lang?
Sechster Gedanke: NEXT!
Siebter Gedanke: Da hat wohl jemand zu viel Leonard Cohen gehört.
Achter Gedanke: Verpasse ich jetzt wohl etwas, wenn ich mal eben aufs Klo gehe? Ich glaub nicht, oder?
Neunter Gedanke: Die Musik passt aber auf jeden Fall zum Plattencover.
Zehnter Gedanke: Orr, jaaa! Wir haben es verstanden – Sie liebt dich nicht.

Fazit: Das Intro ist unnötig. Der Rest ist so naja…Es ist eigentlich ganz gut, aber man muss wirklich in der richtigen Stimmung dafür sein, die da wäre: Leicht angetrunken (durch Scotch ohne Eis), leicht depressiv und am besten sitzt man dazu irgendwo draußen im Regen und schaut über das graue Meer. Musikalisch und stimmlich schon ganz gut, teilweise sogar schön, aber ein bisschen zu viel „mimimi“.

(Lana)

6/10

Pet Shop Boys – Super

Pet Shop Boys - Super

Pet Shop Boys – Super

Label: X2 Recordings Ltd
VÖ: 01.04.2016

Genre: Electro Pop
Klingt wie: Pop goes my ass

Könnt ihr euch noch an den Film „Mitten ins Herz“ mit Hugh Grant erinnern? Genau, das ist der, in dem er diesen in die Jahre gekommenen Boygroup-Typen spielt,  immer diesen grauenhaften Song „Pop goes my heart“ singt und sich dabei den Rücken verrenkt, als er verzweifelt versucht, den Hüftschwung aus längst vergangenen Sternstunden  hinzubekommen. Genau das und – ohne dabei ausfallend zu werden – leider nur das, fällt mir zu diesem Album ein. Mag sein, dass es mal eine Zeit gab, in der die Pet Shop Boys und ihre Musik angesagt und hip waren. Aber mit dieser im Jenseits steckengebliebenen Musik, schaffen sie es heute höchstens durch einen verwirrten Hipster-Hype nochmal an diese Zeit anzuschließen. Es tut mir total leid, das sagen zu müssen, aber super ist hier nur der Titel.

1/10

(Mariella)

Mogwai – Atomic

Mogwai - Atomic

Mogwai – Atomic

Label: Rock Action (PIAS)
VÖ: 01.04.2016

Genre: Post-Rock
Klingt wie: Der Soundtrack zum atomaren Fallout 

Mogwai kennen sich aus mit Soundtracks … und mit Soundlandschaften … und mit Post-Rock sowieso. Sie haben bereits unter anderem eine Doku über Zindedin Zidane und für eine französische Mystery-Serie vertont.
Atomic ist nun die (überarbeite Original-) Musik zu einer Dokumentation über das nukleare Zeitalter mit all seinen Facetten. „Storyville: Atomic – Living In Dread And Promise“ zeigt den Schrecken von Hiroshima, die Anspannung Kalten Krieges und die Reaktorkatastrophen in Tschernobyl und Fukushima, lässt aber auch die positiven Aspekte der atomaren Welt nicht außen vor.
Mogwai liefern den musikalischen Hintergrund zu den oft düsteren Bildern und auch wenn ihre Handschrift noch deutlich erkennbar ist, wurde sie leicht verwischt. Als wäre der Zettel in eine Pfütze gefallen und die Tinte verlaufen.
Keyboards und Synthesizer kommen dort zum Einsatz, wo früher eher Gitarren zu ekstatischen Kaskaden anschwollen. Im Kontext der Dokumentation, die ausschließlich aus Archivmaterial ihre impressionistische Bildsprache zusammensetzt, komponierten Mogwai Stücke, die die Bilder verstärken, aber auch losgelöst vom Film völlig neue schaffen.

 (Fred)

7/10

Explosions In The Sky – The Wilderness

Explosions in The Sky -

Explosions in The Sky – The Wilderness

Label: Temporary Residence/Cargo
VÖ: 01.04.2016

Genre: Instrumental Post-Rock
Klingt wie: Ein großes Arrangement

Die amerikanischen Post-Rock Veteranen sind wieder da. Nachdem sie in den letzten Jahren ausschließlich Soundtracks produzierten – erinnert sei an dieser Stelle an das großartige Friday Night Lights Werk – ist es nun mal wieder Zeit für einen völlig eigenständiger Langspieler. The Wilderness ist der Titel dieses neuen, reinen Studio-Albums.
Eigentlich lassen sich alle neun Stücke des Langspielers in einem Satz resümieren: Man bekommt, was man bestellt. Explosions In The Sky Fans werden somit ihre helle Freude haben. Die bereits von früheren Alben bekannte und für gut befundene epische Stimmung wird auch auf  The Wilderness an den Hörer transportiert. Der Sound ist eine Mischung aus schrammeligen Tönen (gemeint ist die positive Art von schrammelig) und epochalen Arrangements, die sich perfekt ergänzen und ineinander verschmelzen. Kein Ton, keine melodische Anordnung und damit kein Song wirken fehl am Platz – es ist einfach rund und stimmig.
Der Langspieler geht eine gelungene Gradwanderung zwischen einer düsteren, melancholischer Stimmung und Momenten des Beschwingtseins ein.
Explosions In The Sky zeigen, dass es auch ohne Gesang geht und dass das Instrumental-Genre keineswegs dem Untergang geweiht ist.

(Stefan)

8/10