Der SLEAZE Plattenteller im März: Musik, Musik! Neue Musik! Und weil es jede Woche viel zu viel davon gibt und kein Schwein seine Zeit mit dem Lesen von ewig langem, poptheoretischen Pseudo-Gewäsch verschwenden möchte, machen wir es kurz, prägnant und knallhart!

Der SLEAZE Plattenteller 2016 im März Teil 2 Nr. 51 – Musikreviews

Diesmal mit Iggy Pop, AnnenMayKantereit, Kakkmaddafakka und Larkin Poe!

Iggy Pop – Post Pop Depression

Iggy Pop - Post Pop Depression

Iggy Pop – Post Pop Depression

Label: Caroline (Universal Music)
VÖ: 18.03.2016

Genre: Punk Rock
Klingt wie: Iggy Fucking Pop

Iggy Fucking Pop. Verdammt, er kann es immer noch. Auch mit 69 ist Mr. Osterberg immer noch genauso Punk wie damals, als ihn sein Mentor David Bowie mit Rat und Tat zur Seite stand. Von einer im Albumtitel angekündigten Depression ist hier wenig zu hören. Vielmehr wird man auf Post Pop Depression Zeuge einer mehr als stimmigen und energetischen Verbindung von Künstlern, die sich gegenseitig unglaublich gut ergänzen. Josh Hommes raunzige Gitarre, Iggys klaffende Stimme, die anklagenden Texte, das alles macht dieses Album zu einem wahren musikalischen Käsefondue an einem feuchtfröhlichen Silvesterabend. 2016 ist gerettet, danke Iggy.

(Mariella)

10/10

(Mariella)

 

AnnenMayKantereit – Alles Nix Konkretes

AnnenMayKantereit - Alles Nix Konkret

AnnenMayKantereit – Alles Nix Konkret

Label: Vertigo Berlin
VÖ: 18.03. 2016

Genre: Popfolkrock
Klingt wie: Das perfekte Album für eine lange Autofahrt

Da ist es, das erste Album der Jungs, die zur Zeit anscheinend jede Halle ausverkaufen können. Einige Songs kannte ich schon von Youtube, die Plattform, die für den riesigen Erfolg von AnnenMayKantereit verantwortlich ist. Während andere ihre Jugend feierten (no offense), stand die Band in der Fußgängerzone, hat musiziert und davon Videos hochgeladen. Aus dem Geheimtipp wurden Konzerte als Vorband bei den Beatsteaks, Auftritte bei Circus HalliGalli und der Sänger Henning May hatte beim neuen  K.I.Z. Album einen Gastauftritt. Logische Konsequenz: Endlich ein Album.
Eindeutiges Markenzeichen ist die Rachenkatarrh-Stimme von May, kombiniert mit ganz alltäglichen Themen und eingänglichen Melodien. Einige Kritiker haben sich bereits beschwert, dass nicht über viel schlimmere Themen (Durchfall? Eurokrise? Frau schlängt Mann und vergräbt dann den Hund?) gesungen wurden. Was andere stört, finde ich gerade gut. Manchmal ist das Leben einfach nur eine „Altbauwohnung mit 2 Zimmern, Küche , Bad und ein Balkon“. Wer gern zu Katastrophenliedern seine Weinschorle trinkt, kann Silbermond fragen, ob sie die Lindenstraße vertonen wollen.

Einziger Kritikpunkt: Die Aufnahmen klingen sehr weichgespült und radiokompatibel. Aber ich beschwere mich hier auf hohem Niveau.
(Mariella, bereite dich schon mal seelisch auf unseren Roadtrip vor, dieses Album wird laufen und ich werde mitsingen.)

(Yanah)

8/10

 

Kakkmaddafakka – KMF

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Kakkmaddafakka – KMF

Label: Bergen Mafia
VÖ: 18.03.2016

Genre: Alternative, Indie
Klingt wie: Fernweh

Aus dem hohen Norden Bergens zogen sie einst aus, um die Musikwelt zu erobern: Kakkmaddafakka. Das beschauliche Städtchen in Norwegen brachte schon Größen wie Röyksopp und die Kings of Convenience hervor. Muss wohl am Wasser und der Luft liegen. Nun sind die skandinavischen Jungs mit einem neuen Langspieler zurück. Im Gepäck haben sie reichliche Veränderungen. So verließ der Pianist die Band und bei zukünftigen Live-Auftritten wird der Background-‚Kakkmaddachoir‘ ebenso fehlen. Ganz schön mutig, könnte man meinen, da diese beiden Elemente Alleinstellungsmerkmale der Band waren. Und nun? Was bringt KMF?
Auffällig ist, dass die Indie-Party Stimmung, die die beiden Vorgängeralben vermittelte, ein Ende fand. Zwar sind die gitarrenlastigen Melodien noch immer vorherrschend, doch die Stimmung wirkt gedrückter – fast schon melancholisch. Thematisch dreht sich KMF um Liebe, das Ende dieser und einer Verabschiedung von der Vergangenheit. An sich nicht schlecht. Doch  mit Voranschreiten des Albums muss man konstatieren, dass es zuweilen in eine Belanglosigkeit abschweift und etwas umherdümpelt. Den Jungs geht etwas die Puste aus. Es stört nicht, wenn KMF nebenbei dudelt. Eine raumeinnehmende Aufmerksamkeit kann es jedoch ebenso wenig erzeugen. Das Album ist keineswegs ein schlechtes, ein Knaller aber auch nicht.

(Stefan)

6,5/10

 

Larkin Poe – Reskinned

Larkin Poe - Reskinned

Larkin Poe – Reskinned

Label: We Love Music (Universal)
VÖ:18.03.2016

Genre: Garagen-Folk-Pop-Rock
Klingt wie: Pop-Rock klingen sollte (auch wenn es gar kein reiner Pop-Rock ist) 

Als die ersten Sekunden des Albums erklangen, dachte ich sofort: „Okay, alles klar. Zwei Mädels, krachender Rock, verzerrte Gitarren – ein Deap Valley Verschnitt“.
Doch beim dritten Track hatte ich diesen Gedanken schon wieder recht weit von mir geschoben. Zwar kommt im Laufe des Albums diese Ähnlichkeit immer mal wieder auf, aber Larkin Poe sind deutlich breiter aufgestellt.
Sie hören nicht mit dem Blues-Rock-Fuzz-Gewitter auf, sondern gehen einige Schritte weiter und lassen auch einen zarten Folksound durchschimmern. Ebenso schrecken sie vor poppigen Melodien nicht zurück. Müssen sie auch gar nicht, denn diese sind handwerklich so gut gearbeitet, dass es auch seitens Rock-Puristen keinen Grund zur Beanstandung geben sollte.
Zwei interessante Informationen zu Band und Album möchte ich an dieser Stelle auch noch anbringen.
Bei „Reskinned“ handelt es sich um ein Re-Release ihres Debütalbums aus dem Jahre 2014, auf dem aber noch fünf neue Songs zu finden sind. Das Geschwisterpaar schrieb diese, im Vergleich zu den vorherigen, erstmals zusammen. Was eine sehr gute Entscheidung war.
Benannt haben sie sich nach ihrem Ur-Ur-Ur Großvater, dem Cousin von Edgar Allan Poe. Mit ihrer Musik hat die Verwandschaft zum Urvater der Horror-Literatur nicht allzu viel zu tun – aber erwähnenswert ist das irgendwie schon.

(Fred)

8/10