Der SLEAZE Plattenteller im April Teil 3: Musik, Musik! Neue Musik! Und weil es jede Woche viel zu viel davon gibt und kein Schwein seine Zeit mit dem Lesen von ewig langem, poptheoretischen Pseudo-Gewäsch verschwenden möchte, machen wir es kurz, prägnant und knallhart!

Der SLEAZE Plattenteller im April Teil 3 Nr. 54 – Musikreviews

Diesmal mit Beyonce, Captain Planet, Neonschwarz, Stabil Elite und Babymetal!

Beyoncé – Lemonade

Der SLEAZE Plattenteller im April Teil 3

Beyoncé – Lemonade

Label: Sony Music
VÖ: 23.04.2016

Genre: Pop
Klingt wie: Beyoncé

(Becky)

10/10 WEIL BEYONCÉ

 

Captain Planet – Ein Ende

Der SLEAZE Plattenteller im April Teil 3

Captain Planet – Ein Ende

Label: Zeitstrafe
VÖ: 06.05.2016

Genre: Punk-Rock
Klingt wie: Kein Ende

Unser Verhältnis zur Zeit ist oftmals ein ambivalentes. Einerseits möchte man, dass sie nicht allzu schnell verrinnt, andererseits kann sie in bestimmten Situationen nicht schnell genug vergehen. Dieses widersprüchliche Gefühl überkommt mich, wenn ich an Captain Planet denke.
Schier endlos erscheinende vier Jahre musste ich (und auch natürlich auch ihr) nämlich auf einen neuen Langspieler warten. Da wurden Wochen, Tage, gar Stunden gezählt. Nun, da Ein Ende endlich den Weg an mein Ohr fand, soll der Klang nie wieder verstummen – „Werd‘ ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch, du bist so schön!“
Das aktuelle Werk der Hamburger ist eine konsequente Weiterführung der Vorgänger-Alben und reiht sich nahtlos ein. Ein Ende bietet die Captain Planet typischen, gut zweiminütigen Stücke, die Hummeln im Hintern haben – aber so richtig.
Rauschende Gitarren und ein donnerndes Schlagzeug  erzeugen einen harmonischen Klangteppich. Und dann sind da noch die unweigerlich zum Nachdenken anregenden lyrischen Glanzpunkte, denen Arne von Twistern inbrünstig seine Stimme leiht: „Fühle mich wie ein grauer Hund, aus Katzen zusammengenäht.“ Oder: „All die kleinen Dinge sind so groß, wenn  man Haufen daraus macht.“ Unvermeidbar sinniert der geneigte Hörer auch über den Titel des Albums – „Ein Ende“. Wie? War es das jetzt? Suggeriert das Albumcover etwa einen geruhsamen Rückzug in die Eigenheimsiedlung? Bei weitem nicht! So klingt definitiv kein Ende. Das geht nach vorne, das soll niemals aufhören. Ich will mehr davon und arrangiere mich schon irgendwie mit der Zeit.

(Stefan)

10/10

Neonschwarz – Metropolis

Neonschwarz-Metropolis-Album-Cover

Neonschwarz – Metropolis

VÖ: 06.05.2016
Label: Audiolit

Genre: Zeckenrap
Klingt wie: Politik sein sollte

Was nach Partytracks klingt, ist tanzbare Antihaltung. „Metropolis“ ist ein sehr politisches Album geworden, doch es gibt auch genügend Abwechslung.
Die Beats klingen oft amerikanisch und sind breit produziert, es gibt Backgroundgesang und insgesamt passiert auch musikalisch sehr viel. Doch die Protagonisten wissen sich in dieser Geräuschkulisse gekonnt zu bewegen und harmonieren auch untereinander sehr schön.
Im Vergleich zum Vorgänger sind sie als Band gewachsen, haben sich mittlerweile besser aneinander gewöhnt und kommen auch einzeln reifer daher. Doch wenn mal herumgeblödelt wird, dann richtig. Ein Album, wie eine Klassenfahrt: Höhen, Tiefen, manchmal hat man keine Lust mehr, doch am Ende war es viel zu schnell vorbei.
Marie Curry glänzt an allen Fronten und auch Johnny Mauser und Captain Gips machen ihren Job sehr gut.

(Fred)

6/10

Stabil Elite – Spumante

Der SLEAZE Plattenteller im April Teil 3 mit Stable Elite

Stabil Elite – Spumante

Label: ITALIC recordings
VÖ: 13.05.2016

Genre: Pop / Elektro
Klingt wie: Italienurlaub ´87 von (Playground Love -)AIR und International Pony, Reiseführer: Adriano Celentano, Dresscode: Sonny Crockett-Edelzwirn

Gold, Douze Pouze und danach Spumante für alle! Klingt nach Lokalrunde – ist aber erstmal nur die Diskografie von Stabil Elite.  Wie gesagt: Erstmal. Denn nachdem die Düsseldorfer 2011 erst mit ihrer EP Gold und 2012 dann mit ihrem Debütalbum Douze Pouze begeisterten, legen sie jetzt dem Album Spumante nach. Beziehungsweise packen nochmal drauf, auch personell. Neben den Ur-Stabil-Elitären Lucas Croon, Nikolai Szymanski und Martin Sonnensberger sind live nun auch Bassist Timo Hein und Drummer Lukas Heerich dabei.
Inhaltlich geht es auf Spumante um nicht weniger als um Alles: Um westlichen Hochmut, um die Künstlichkeit des Lebens und die Doppelbödigkeit der Existenz, um Leichtigkeit ebenso wie um Vergänglichkeit, um Global-Existenzialismus, um Fernweh, um Freundschaft, Respekt und Liebe. Musikalisch pickepackevoll mit vielschichtigem, sphärischem, deliziös abgeschmecktem Elektro-Kraut-Wave-Pop (also lecker Kraut mit lecker Einlage), geht es textlich eher minimalistisch zu. Die  Liebeshymne „<3“ steht dafür exemplarisch: This is THE Lovesong, den PiL nie schrieb.
Souverän, geschmeidig und ohne, dass es zu brechen droht, passieren Zeilen wie „eine Gutschrift für die Seele im Soll“ das dünne Eis, unter dem der fiese Kitsch lauert. An keiner Stelle kippt Spumante – droht, peinlich (oder schal) zu werden. Melodien aus  Gitarre, Klavier, Saxophon und Perkussion illuminieren elektronische Architekturen – und andersrum.
14 Aufgüsse Schaumwein für Ohr und Gemüt. Einzig die Auskopplung „Alles wird gut“ ist eine Lüge. Denn es wird nicht – es ist. Nicht nur bei diesem Stück (und dem zugehörigen Spumante/Alles wird gut Video-Doppel mit der wundervollen Bibiana „Ich spiel alles kurz und klein“ Beglau), sondern beim kompletten Album. Eines, dem man einen Antrag machen möchte. Jetzt aber: Spumante für alle! Stößchen.

(Anne)

10/10

Babymetal – Metal Resistance

Der SLEAZE Plattenteller im April Teil 3 mit Babymetal

Babymetal – Metal Resistance

Label: EarMUSIC/Edel
VÖ: 01.04.2016

Genre: Kawaii Metal 
Klingt wie: Manga-Metal

Babymetal ist eine verwirrende Angelegenheit. Das Trio besteht aus drei zuckersüßen, abenteuerlich verkleideten Mädels. Sie sind völlig überzeichnet wie Mangacharaktere.
Musikalisch ist das oft nah an Anthrax oder In Flames, aber sie mischen Kirmestechno und Synthesizer-Melodien, die eher an Videospiele erinnern sehr unbedarft darunter.
Innerhalb eines Songs gibt es viel zu entdecken. Bevor man denken kann: „Das klingt nach Crossover der mittleren 90er“, rappt auch schon eine quietschende Stimme im Stile von Nikki Minaj einen japanischen Text darüber. Im nächsten Moment ist eine kitschige Klavierballade dran.
Man hat keine Ahnung, was da los ist.
Aber das ist auch unsere europäische Sichtweise auf Genrekategorien und Klassifizierungen. Im asiatischen Raum und vor allem in Japan hat sowas nie eine wirklich große Rolle gespielt. Es wird genommen, was gefällt und daraus dann etwas Neues zusammengesetzt. Das kann funktionieren, tut es oft nicht, zeigt aber zumindest die Bereitschaft, furchtlos die unausgetretenen Pfade zu beschreiten.
Ob es hier funktioniert hat, kann man nicht genau sagen. Aber es gibt Bonuspunkte  für  Detailverliebtheit.

(Fred)

6/10