Der SLEAZE Plattenteller im August Nr. 59: Musik, Musik! Neue Musik! Und weil es jede Woche viel zu viel davon gibt und kein Schwein seine Zeit mit dem Lesen von ewig langem, poptheoretischen Pseudo-Gewäsch verschwenden möchte, machen wir es kurz, prägnant und knallhart!

Der SLEAZE Plattenteller im August Nr. 59 – Musikreviews der Stunde

Diesmal mit Beginner, Joseph, Rio Reiser und The Hunna!

Beginner – Advanced Chemistry

Der SLEAZE Plattenteller im August Nr. 59

Beginner – Advanced Chemistry

Label: Universal
VÖ: 26.08.2016

Genre: Deutschrap
Klingt wie: Ein typisches Beginner Album

Sie waren zwar nicht von der Bildfläche verschwunden, doch hat lange Zeit jeder alleine für sich sein Süppchen gekocht. Nach gefühlt ewiger Band-Pause und fünfjähriger Arbeit am neuen Album ist die Mongo Clikke wieder vereint und bereit, es mit dem Mainstream aufzunehmen … diesmal allerdings von innen heraus. Eizi Eiz hat sich im Alleingang und mit Ausflügen in Funk und Soul auf die Hauptbühnen der großen Festivals und ins Radio gearbeitet, während Denyo zwar weniger erfolgreich, aber nicht weniger mainstreamig agierte. Auch viele andere aus dem Eimsbush Umfeld können sich kaum noch auf einen Underdog-Status berufen. Samy Deluxe gibt sich altersweise und gemäßigt und Ferris MC ist mittlerweile im Tatort zu sehen.
Dazu kommt, dass sich seit ihren ersten Erfolgen im deutschen Hip Hop viel getan hat und man sich fragen muss, ob sie gegen all das ankommen können oder sich in einem Abgesang auf vergangene Zeiten verlieren.
Die Vorzeichen stehen also nicht allzu gut und man muss fast ein Abrutschen in die Bedeutungslosigkeit befürchten, wie es Fettes Brot, den Fantastischen Vier und anderen 90s Rap-Gruppen wiederfur.

Doch bereits der Eröffnungstrack macht klar: Die Jungs haben immer noch Hunger und packen Hamburg wieder auf die Karte. Je weiter man sich durch Advanced Chemistry arbeitet, desto mehr kommt das vertraute Gefühl eines Beginner-Albums auf und trotz des bewährten Hörerlebnisses bleibt der Sound frisch und hält Überraschungen parat.
Das muss nicht alles gefallen oder gar gut sein, denn das Album hat durchaus ein paar Schwächen.

Während man Eißfeldt seine Entwicklung und Ausflüge in verschiedene Stilrichtungen deutlich anhört, scheint Denyo in der Zeit stehen geblieben zu sein und klingt manchmal noch wie ’98. Damit kann man heutzutage kaum noch punkten, doch fällt das insgesamt nicht sehr ins Gewicht. DJ Mad, den man an dieser Stelle noch gesondert loben muss, macht seine Sache nämlich dermaßen gut, dass er über einige Schwachstellen hinweghelfen kann.

Insgesamt haben wir es mit einem „klassischen“ Beginner Album zu tun, denn zwischen dem Hip Hop ist immer noch Platz für ein paar Experimente und lustige Spielereien.
Das war auch schon damals so und hat sich bis heute nicht geändert. Was ebenso früher und genauso heute ab und an von Fans bemängelt wird, ist eigentlich ein Indiz dafür, dass sie doch noch nicht fertig sind und nicht nur noch schablonenhaft ihre Alben nach Schema F zusammenschustern, um den Restruhm abzuschöpfen.

(Fred)

7/10

Joseph – I’m Alone, No You’re Not

Joseph – I’m Alone, No You’re Not

Label: PIAS
VÖ: 26.08.2016

Genre: Folk
Klingt wie: ein Abklatsch von Florence and the Machine

Wenn drei Schwestern Musik machen, dann kommt dabei ein Album heraus, das ganz selbstverständlich durch und durch harmonisch klingt. Zumindest ist das im Fall von Meegan, Allison und Natalie Closner alias Joseph so. I’m Alone, No You’re Not sind elf Songs, die vor allem durch die Stimmen der drei Protagonistinnen getragen werden.

Wie ein roter Faden, der sich durch eine Geschichte zieht, bahnen sich die drei Stimmen ihren Weg durch die ganze Platte. Dabei sind sie manchmal Gegenspielerinnen, meistens Unterstützerinnen und schaffen meistens eine ganz spezielle Atmosphäre, die teilweise auch an die wundervolle Band Florence and the Machine erinnert. Manchmal wünscht man sich etwas weniger Pop und Kommerz, dafür umso mehr Kante – aber hey, für einen Erstling ist das schon eine solide Platte.

(Mariella)

7/10

Rio Reiser – Alles und noch viel mehr – Das Beste

Unknown

Rio Reiser – Alles und noch viel mehr – das Beste

Label: Sony Music Media
VÖ: 19.08. 2016

Genre: Singer/ Songwriter
Klingt wie: Rio Reiser has left the Building

Am 20. August 1996 ist Rio Reiser gestorben und hat ein großes Erbe hinterlassen. Als Musiker prägte er mindestens eine Generation – und was viele nicht wissen, er gewann 1977 auch den Bundesfilmpreis für seine Rolle als „Johnny West“. Jetzt könnte man Sony Music vorwerfen, zum 20. Todestag nochmals die Kassen klingeln zu lassen.

Ich persönlich finde es eher gut, seine Erbe nochmals aufleben zu lassen und denen vorzustellen, die damit noch nichts anfangen können. CD 1 besteht „nur“ aus einer Rio Reiser Songauswahl und diese ist tadellos. Leider wird auch eine zweite CD mit Covern zeitgenössischer Musiker mitgeliefert. Wenn schon Rio Reiser gecovert werden muss, dann doch bitte von Interpreten, die passen. Aber nein, uns werden zum Beispiel Annett Louisan vorgesetzt, die „Halt dich an deiner Liebe fest“ totquietscht. Namika und Gregor Meyle machen es nicht schlecht, aber eben auch nicht gut und der wirklich traurige Tiefpunkt ist Nena, die „Schritt für Schritt ins Paradies“ auswringt, als wäre es ein alter Lappen und sie müsste kurz den Flur ihrer Karriere durchfeudeln.

Wer Rio Reiser kennt, braucht dieses Album nicht, der Rest kann mal reinhören, sollte aber bitte CD 2 meiden.

(Yanah)

5/10

The Hunna – 100

The Hunna - 100

The Hunna – 100

Label: Warner Music
VÖ: 26.08.2016

Genre: Alternative Rock
Klingt wie: Schwitzen im Keller

The Hu…, the Hu…The What? The Hunna aus London sind vier junge Briten, die mit ihrem ersten Album 100 ordentlich Krach machen. Und das nicht so, wie ein kaputter Auspuff Krach macht, sondern so, wie wir es gerne hören. Kantiger, energiegeladener Brit-Rock, knallhart und ohne unnötige Umschweife.
Doch dass die Jungs mit dem süßen, britischen Akzent nicht nur mit dem musikalischen Holzhammer, sondern auch gefühlvoll und ruhig können, stellen sie in den sporadisch eingestreuten Balladen klar. Alles in allem ein gelungenes erstes Album, das am besten in einen charmanten, versifften Underground Club passt, in dem beim Tanzen ordentlich geschwitzt werden darf.

(Mariella)

8/10