Der SLEAZE Plattenteller im Juni: Musik, Musik! Neue Musik! Und weil es jede Woche viel zu viel davon gibt und kein Schwein seine Zeit mit dem Lesen von ewig langem, poptheoretischen Pseudo-Gewäsch verschwenden möchte, machen wir es kurz, prägnant und knallhart!

Tattarattaaaaaa: Der SLEAZE Plattenteller im Juli!

Heute mit Ezra Furman, Tame Impala, K.I.Z., MS MR und

 

Ezra Furman – Perpetual Motion People

Der SLEAZE Plattenteller im Juli

Ezra Furman – Perpetual Motion People

Label: Bella Union/PIAS
VÖ: 03.07.2015
Genre: Indie-Pop

Klingt wie: Das gemeinsame Kind von Leonard Cohen und Rufus Wainwright

Mehrstimmige Harmoniegesänge, Doo-Woop und Rock’n’Roll im Stile der 50er täuschen nur kurz darüber hinweg, dass Ezra Furman in seinen Texten lieber Abgründe auftut und weit offen lässt, anstatt sie mit Belanglosigkeiten zuzuschütten. Nach etwa zehnjähriger Karriere könnte Perpetual Motion People das Album sein, das ihn zum großen Star macht. Radiotauglich ist die gesamte Scheibe und platziert sich mittig zwischen kommerziellem Pop und verschrobenem Indie.

(Fred)

8/10

 

Tame Impala – Currents

Tame Impala - Currents

Tame Impala – Currents

Label: Caroline (Universal Music)
VÖ: 17.07.2015

Genre: Psychedelic Rock
Klingt wie: Auf guten Drogen

Gibt man sich nur der Musik hin, blendet den Text aus, der hier gesungen wird, möchte man am liebsten ein Segelboot kapern und sich gedanklich romantischen Tagträumen hingeben. Hört man dann aber genauer hin, begreift man, dass die neueste Platte der australischen Psychedelic Rock Band Tame Impala nichts mit Romantik, Liebe und Sonnenuntergängen zu tun hat. Hat sich Sänger und Mastermind Kevin Parker auf seinen bisherigen Platten Innerspeaker und Lonerism mit gelegentlichen Anfällen bittersüßer Melancholie beschäftigt, geht diese Platte thematisch deutlich tiefer. Ein gebrochenes Herz, die Leere nach einer Trennung und die unvermeidlichen „Hätte ich doch alles anders gemacht“- Gefühle sind zentrales Thema und legen sich über Currents, wie ein schwerer, dabei aber wunderschön-poetischer Schleier. Auch wenn die Zeit, die Parker hier erlebt haben muss sicherlich keine schöne war, für Tame Impalas neues Album war sie wohl genau das Richtige.

(Mariella)

9/10

K.I.Z. – Hurra Die Welt Geht Unter

K.I.Z. - Hurra Die Welt Geht Unter

K.I.Z. – Hurra Die Welt Geht Unter

Label: Universal
VÖ: 10.7.2015

Genre: Hip Hop
Klingt wie: Die Dirigenten der Liebe spielen eine Sinfonie voller Apokalypsefantasien

Wir beten sie an seit sie uns damals einen Hurensohn vortanzten und die göttliche Schönheit Maxims war uns natürlich schon vor dem Eröffnungssong „Wir“ und der damit vollzogenen Erleuchtung bekannt. Unsere „von der Sterblichkeit angeekelten“ Götter von KIZ geben dem Volk mit ihrem bisher persönlichstes Werk neue Perspektiven und endlich wieder einen Grund zum Sein. Neben allerhand menschlichem und vor allem männlichem Elend und ehrenlosen Partyexzessen, überraschen die Kannibalen in Zivil auch mit ungewohnt ehrlichen und sehr emotionalen Songs. Zwischen den doppeldeutigen Tracks voller Selbstbeweihräucherung sind auch einige sehr kritische und ungeschönte Ansagen zu finden, wie z.B. Tareks Part bei „Boom Boom Boom“ zur aktuellen Flüchtlingsproblematik. Die Stimmung des Albums wirkt ab der zweiten Hälfte generell ziemlich finster. Bei so viel Sozialkritik fragt man sich dann doch zwischenzeitlich, ob die Jungs den Spaß am Sexismus verloren haben? Doch noch viel drängender stellt sich mir die Frage: Was würde Manny Marc tun? Das glorreiche Ende bildet das Endzeitszenario des Titelsongs, gespickt mit herrlichen Utopien über legalen Drogenkonsum, Atheismus und freier vollkommener Liebe und wird gesungen vom unglaublich begabten Henning May von der Band AnnenMayKantereit, womit das Album postapokalyptisch gut ausklingt.

(Fanny)

9/10

MS MR – How Does it Feel

Der SLEAZE Plattenteller im Juli

MS MR – How Does It Feel

Label: Smi Col
VÖ: 17. Juli 2015

Genre: Electro-Pop
Klingt wie: ein kühler Umschlag auf deinem Sonnenbrand

Das Debütalbum „Secondhand Rapture“ hat mich damals durch eine komplizierte Zeit begleitet und deshalb war ich doppeltgespannt ob MS MR mit dem zweiten Album mich gleichermaßen berühren können.
Können sie. Lizzys Plapingers Stimme sorgt dafür, dass Electrop-Pop nicht kalt und unnahbar klingt.
Ich erwarte von Nachfolgeralben grundsätzlich nicht viel, aber dieses Album sorgt für Gänsehaut und Spaß. Ich freu mich.

(Yanah)

10 / 10