Der SLEAZE Plattenteller im Mai: Musik, Musik! Neue Musik! Und weil es jede Woche viel zu viel davon gibt und kein Schwein seine Zeit mit dem Lesen von ewig langem, poptheoretischen Pseudo-Gewäsch verschwenden möchte, machen wir es kurz, prägnant und knallhart!

Tattarattaaaaaa: Der SLEAZE Plattenteller im Juni!

Heute mit MecsTreem, Jamie XX, Godzilla was a friend of mine, Muse, Franz Ferdinand & Sparks und The Great Faults!

MecsTreem – NewWave

MecsTreem - New Wave

MecsTreem – New Wave

Label: hhv.de
VÖ:  21.05.2015

Genre: New Wave
Klingt wie: Eine Mischung aus Tom Sellecks Schnauzer, der BMX Bande und Synthie-Pop

Ideal um im Scheinwerferlicht die Autobahn bei Nacht entlangzudüßen. David Hasselhoff ist jetzt schon neidisch auf den Night-Rider Sound. MecsTreem hat wieder fleißig Beats gebogen, an den Oszillatoren gedreht und die Schaltkreise heiß laufen lassen. Mit seinen nerdigen Instrumentals, den stampfenden Drums und experimentierfreudigen Soundschnipseln lässt er mein Herz höher schlagen. Wer auf große Gesangseinlagen verzichten kann (braucht man auch nicht angesichts dieser Beat-Bretter), erhält hier perfekten 80er Jahre Sound zum Zurücklehnen, After-hourn und abWaven.

(Fanny)

9/10

 

Jamie xx – In Colour

Jamie XX - In Colour

Jamie XX – In Colour

Label: Young Turks/Beggars/Indigo
VÖ: 29.05.2015

Genre: Electronica
Klingt wie: UK-Garage in der Südsee

James „Jamie“ Smith wollte mal ohne die demokratischen Strukturen, die bei The xx herrschen, Musik machen und sein eigener Regisseur sein. Dazu hat er das „xx“ mitgenommen, seine Band (kurzzeitig) zurückgelassen und In Colour aufgenommen. Ein vielschichtiges Album, auf dem sich Garage, Dubstep, Pop und die immer wiederkehrende Steeldrums die Hand reichen, um im Kreis zu tanzen. Tanzbar ist die Musik in der Tat, obwohl die Melancholie, die The xx vorgeworfen wird, auch hier wieder mitschwingt. Auf dem thematischen Ausreißer „I Know There’s Gonna Be (Good Times)“ gibt es einen kleinen Ausflug in den Gospel und R’n’B und trotz der vielen verschiedenen Komponenten hat Jamie xx schon jetzt eine ganz eigene Handschrift als Produzent, wie sie nur wenige vorweisen können.

(Fred)

7/10

 

Godzilla was a friend of mine – Life and function

Godzilla was a friend of mine - Life and Function

Godzilla was a friend of mine – Life and Function

Label: Krimzkrams
VÖ: 26.06.2015

Genre: Indie Post-Punk
Klingt wie: Post-Punk im Energiesparmodus

Godzilla Was A Friend Of Mine oder kurz GWAFOM kommen aus Würzburg und stehen noch relativ am Anfang ihrer Karriere, erschien bisher nur ihr Debutalbum 2010. So richtig hört man das aber nicht, denn sie klingen routiniert und souverän. Es fehlt ein wenig die Wucht, was womöglich zum Teil der Produktion geschuldet ist und live nochmal ganz anders wirkt, der Platte aber die rumpeligen Punk-Ecken wegbügelt. Dass der Sänger nicht ganz so herzzerreißend rumbrüllt, nimmt der Emo-Komponente der Musik den Pathos, der bei Artverwandten Bands oft viel zu dick aufgetragen wird. Das klingt zwar eher negativ, sind aber genau die positiven Aspekte, da sie damit die genretypischen Klischees aufbrechen.

(Fred)

5/10

 

Muse – Drones

Muse - Drones

Muse – Drones

Label: Warner Music
VÖ: 05.06.2015

Genre: Rock, Alternative
Klingt wie: Muse, nur besser!

Es gibt Bands, die man aus irgendwelchen, nicht näher definierbaren Gründen einfach nicht leiden kann. Bei mir ist das unter anderem Muse oder zumindest war das bisher so. Doch zum Glück können wir als (manchmal) denkende Wesen auch unsere Meinung ändern. Und das will ich hiermit und mit dem neuen Album der Brit-Rocker tun. Drones kommt deutlich härter, teilweise psychedelischer und lange nicht mehr so kompromissbereit (im Sinne von kommerzhaft) daher, wie bei den letzten Alben. Das mag wohl teilweise auch an der Geschichte, an dem Konzept hinter dem Album liegen – Geht es doch um einen Soldaten und ferngesteuerte Kriegsführung. Klar gibt es da immer noch diese großen Pathos-„Ich Singe Für Ein Stadion-Publikum“-Momente (so zum Beispiel in Mercy), aber dann kommen sie mit Psycho und Dead Inside um die Ecke und zeigen, dass sie das, was sie ganz am Anfang mal gemacht haben, immer noch in ihnen steckt. Back to the roots. Back to basics, wie Schlagzeuger Dom Howard selbst über das Album sagt. Steht ihnen gut.

(Mariella)

6/10

 

Franz Ferdinand & Sparks – FFS

Plattenteller im Juni

Franz Ferdinand & Sparks

Label: Domino Records
VÖ: 05.06.2015

Genre:Indie-Rock/Elektro-Pop
Klingt wie: Der talentierte Sprössling eines Musikerpaares

Die Musikwelt bringt schon eigenartige Kollaborationen hervor, die so gar nicht stimmig sind. Karel Gott und Bushido zum Beispiel. Aber dann gibt es glücklicherweise noch diejenigen, die wie Arsch auf Eimer passen. So beispielsweise die Vereinigung von Gisbert zu Knyphausen und der Kid Kopphausen Band. Franz Ferdinand und die Sparks erweitern nun den illustren Kreis der Zusammenschlüsse und machen gemeinsame musikalische Sache. Das Produkt dieser Symbiose ist ein Album mit dem Titel FFS (mit diesem Akronym sind wohl die beiden Bandnamen und nicht der langläufig bekannte Ausspruch „For Fuck’s Sake“ gemeint). Zwar sind die einzelnen musikalischen Anteile der beiden Combos deutlich herauszuhören, dennoch wirkt der Langspieler harmonisch und vermittelt das Bild einer eigenständigen Band. FFS klingt originell, frisch und zuweilen positiv überdreht. Wie in so ziemlich jeder Beziehung gibt es den einen, etwas dominanteren Partner. Diesen Part haben zweifelsfrei die Sparks inne, weshalb das Album etwas glamrock-lastiger und elektropoppiger daherkommt. Die Textzeile „Collaborations don’t work, I’m gonna do it all by myself” kann sicher nur ironisch gemeint sein. FFS geht nämlich eindeutig Richtung Arsch auf Eimer.
 
(Stefan)

7/10

 

The Great Faults – Trust Me

Plattenteller im Juni

The Great Faults – Trust Me

Label: Supermusic/Al!ve
VÖ: 05.06.2015

Genre: Indie, Blues
Klingt wie: Als Kind in den Blues-Rock-Zaubertrank gefallen

Zwei Jungs aus’m Pott haben die Luft der ganz großen Musik geschnuppert und stellen sich ausnahmsweise mal nicht völlig bescheuert dabei an, ihr eigenes Ding daraus zu zimmern. Damit haben sie sich zum einen die Bezeichnung Mann und zum anderen einen Vergleich mit den Black Keys verdient – aber nur dieses eine Mal. Zwar fehlt dem Album „Trust Me“ noch der richtige Bumms, ein individueller Sound des Ruhrgebiet-Duos ist dennoch unverkennbar. Zwischen trotziger Gitarre, balladenhaftem Leid und Rotz vermisse ich noch einen echten, lauten Knall – mal so richtig gehen lassen. Mag an der Studioproduktion liegen. Ein bisschen weniger deutsch sein würde der Platte allerdings gut zu Gesichte stehen. Dennoch eine bemerkenswerte und schöne Überraschung aus der so verkopften Heimat. Da kommt noch richtig was. Das habe ich im Urin.

(Kirsten)

7/10