Der Sleaze-Plattenteller im März: Musik, Musik! Neue Musik! Und weil es jede Woche viel zu viel davon gibt und kein Schwein seine Zeit mit dem Lesen von ewig langem, poptheoretischen Pseudo-Gewäsch verschwenden möchte, machen wir es kurz, prägnant und knallhart!

Tattarattaaaaaa: Der SLEAZE – Plattenteller im März!

Heute mit The Prodigy, The Soft Moon, Love A, Benne und Courtney Barnett!

 

The Prodigy – „The Day Is My Enemy“

The Prodigy - The Day is my enemy

The Prodigy – The Day is my enemy

Label: Universal Music
VÖ: 27.03.2015

Genre: Electropunk, Acid House, Hardcore
Klingt wie: Schweiß, der in einem dunklen Club von der Decke tropft

Manchmal ist es schön, wenn sich Dinge einfach mal nicht ändern. Wenn alles beim Alten bleibt und für eine Richtung exemplarische Musiker nicht auf einmal aus Midlife Crisis Gründen beginnen etwas ganz anderes zu machen, weil die Kids das halt heute so toll finden. Und ich kann euch und vor allem mich nun endlich beruhigen: The Prodigy ist immer noch The Prodigy, genauso wie man sie kennt und liebt. Ganz dem alten Stile treu: Immer noch schön lecker, britisch gepflegt aufs Maul. Ein Sound, der nicht nur an Tagen, an denen andere eigentlich mal dezent auf die Fresse bekommen sollten, passt wie der Arsch auf den Eimer, sondern auch um gute Laune noch launiger zu machen oder um den Kreislauf mal ein bisschen in Schwung zu bringen. Einziges Manko: Es fehlen noch die Kracher a la „Omen“, „Smack My Bitch Up“ oder „Invaders Must Die“. Aber vielleicht kristallisiert sich ja noch eine Abspack-Hymne heraus. Song „Nasty“ hat gute Chancen auf den Titel.

(Kirsten)

8/10

The Soft Moon – „Deeper“

Soft Moon - Deeper

Soft Moon – Deeper

Label: Captured Tracks
VÖ: 31.03.2015

Genre: Neo-Post-Punk
Klingt wie: Electronic Body Music

Wenn dem Leser Begriffe wie Neo-Post-Punk, No-Fi oder Coldwave an den Kopf geworfen werden, weiß der meistens wenig damit anzufangen. Diese sperrigen Begrifflichkeiten, die weder klar definiert, noch beim Durchschnittshörer etabliert sind, geben die beschriebene Musik aber ganz gut wieder. Fahrige Wortwahl für fahrige Musik. Auf Deeper finden sich Anti-Melodien zu krautrockartigen Gebilden zusammen. Gepaart mit Synthesizern und Gothik-Themen, bewegen sich The Soft Moon aus dem schwarzen Loch ins weiße Rauschen.

(Fred)

5/10

Love A – „Jagd und Hund“

Love A - Jagd und Hund

Love A – Jagd und Hund

Label: Rookie Records
VÖ: 27.03.2015

Genre: Deutsch-Punk
Klingt wie: Unverblümte Gesellschaftskritik

Alle guten Dinge sind drei. Dies bestätigt sich auch in Teilen in diesem Fall: Jagd und Hund ist der dritte Langspieler von Love A und nun ja – er ist gut. Im Gegensatz zu den beiden vorherigen Alben besticht das aktuelle durch mehr Indie-Rock und Post-Punk Einflüsse. Love A sind textlich noch immer weit von Massenkompatibilität und Einförmigkeit entfernt. Der Sound wirkt jedoch etwas weniger kantig, weniger rotzig – ich bin fast geneigt, ihn näher Richtung Angepasstheit zu rücken, besonders unter Berücksichtigung der Vorgängeralben. Vermutlich ist dies aber unter dem Begriff Weiterentwicklung zu verstehen: „Stagnation ist, was ich an dir hasse.“ Die Textbilder bewegen sich zwischen Resignation, Hoffnungslosigkeit, und Aggressivität auf der einen und Aufbruch, Zuversicht und Aufrütteln auf der anderen Seite. Die gesellschaftskritische Grundhaltung wird auch einem Gehörlosen auffallen: „Brennt alles nieder, fickt das System!“

(Stefan)

8/10

Courtney Barnett – „Sometimes I Sit and Think, And Sometimes I Just Sit“

Courtney Barnett - Sometimes I just sit and think, and sometimes I just sit

Courtney Barnett – Sometimes I just sit and think, and sometimes I just sit

Label: Marathon Artists / House Anxiety (Rough trade)
VÖ: 27.03.2015

Genre: Singer-Songwriter Rock, Noise Rock
Klingt wie: Eine Rasierklinge auf einem Waschbrett

Manchmal sitze ich rum und denke, und manchmal sitze ich einfach nur rum. Großartiger Albumtitel, der dem Stimmfeuerwerk und der Intensität dieses Albums einerseits total anhaftet und andererseits so gar nicht gerecht wird. Courtney Barnett, der Singer-Sonwriter Newcomer aus dem fernen Australien hat mit ihrem Debut was ganz schön Großes abgeliefert. Rotzig, frech, dann wieder melancholisch und dabei so wunderbar ungezwungen und unbeabsichtigt. Zumindest wirkt es so. Vielleicht sollten wir alle etwas mehr rumsitzen und denken. Oder einfach nur Rumsitzen. Wenn am Ende sowas dabei rauskommt!

(Mariella)

9/10

Benne – „ Nie mehr wie immer“

benne plattenteller im märz

Benne – Nie mehr wie immer

Label: Ferryhouse Productions (Warner)

VÖ: 27.03.2015
Genre: Deutscher Pop

Klingt wie:  ein Penis, der nur kuscheln will

Als hätten wir nicht schon genug deutscher Singer /Songwriter/ Nerver, die uns mit ihrem Gitarrenschmusikram nerven…kommt auch noch Benne um die Ecke. Er reiht sich ohne Ecken und Kanten brav in die Riege von Clueso, Tim Bendzko, Phillip Poisel und (oh Schreck) Adel Tawil ein. Wer auf weich gespülte, niedlich guckende Herzensbrecher steht, wird hier fündig. Nur bei dem Song „Schmetterling“ habe ich mich kurz Sorgen um den Verstand von Benne gemacht:
„Ich hab’n Schmetterling gefunden, hab ihn drei Tage angestarrt. Hab ne Schnurr an ihn gebunden, damit er ja nicht abhaut.“
Wer zur Hölle macht Bondagespiele mit einem Schmetterling???

(Yanah)
4/10