Der SLEAZE Plattenteller im Mai: Musik, Musik! Neue Musik! Und weil es jede Woche viel zu viel davon gibt und kein Schwein seine Zeit mit dem Lesen von ewig langem, poptheoretischen Pseudo-Gewäsch verschwenden möchte, machen wir es kurz, prägnant und knallhart!

Tattarattaaaaaa: Der SLEAZE Plattenteller im Mai!

Heute mit Blur, Tocotronic, Mumford & Sons, Yelawolf, Róisìn Murphy und Palma Violets!

BlurThe Magic WhipBlur The Magic Whip Album Review

Label: Parlophone/Warner
VÖ: 24.04.2015

Genre: Alternative Rock, Britpop, Sci-Fi-Folk
Klingt wie: Hello, my old friend. Klingst, als ginge es dir gut -wirklich, wirklich gut!

Zwölf Jahre nach „Think Tank“ beglücken uns Blur jetzt endlich mit ihrem achten Studioalbum The Magic Whip. Nachdem sich Damon Albarn in den letzten Jahren vor allem seinem Elektoprojekt Gorillaz widmete, Graham Coxon erfolgreich soloprojektierte, Dave Rowntree sich in Juristerei und Politik verdingte und Alex James ordentlich (Gourmet-)Käse fabrizierte, ist The Magic Whip eher (glückliches) Zufallsprodukt. Entstanden während einer cas(h)ual Blur-spielt-alte-Hits-Tour im Jahr 2013, bei der es galt, fünf Tage Pause zu überbrücken – was den Britpop-Primi ganz wunderbar mit Jammen gelang. Magic gewhipped wurde das Gejammte einige Monate später von Graham Coxon und Langzeitproduzent Stephen Street. Hervorgegangen ist ein Album mit zwölf Stücken, deren kleinster gemeinsamer Nenner größte akkustische Freude ist. Sei es „Lonesome Street“, eine Art Parklife-Zugabe, seien es die Gorillaz-sound-alikes „Ice Cream Man“ und „Thought I was a Spaceman“, das eher elegische „There are too many of us“ oder Mitklatsch-(Brit)Pop („Ong Ong“): entstanden ist ein (vier)farbenfroher, an Einflüssen reicher Langspieler. Ein Album, dem der Arm über die Schulter gelegt, der Kopf gewuschelt, ein Kuss auf die Stirn gegeben gehört und mit dem zusammen ein Glas Rotwein getrunken werden will.

(Anne)

9/10

 

Tocotronic – Tocotronic (Das rote Album)

Tocotronic Tocotronic das rote Album neues Album Review

Tocotronic – Tocotronic (Das rote Album)

Label: Vertigo Records
VÖ: 01.05.2015

Genre: Indierock
Klingt wie: Über Sex singen, ohne sexistisch zu klingen

Den „Abschied vom Diskursrock“ kündigen die Indierock-Koryphäen Tocotronic mit ihrem neuen Werk an und haben, das überrascht mich am meisten, ein rührend positives Album aufgenommen. Mit zwölf Songs, einem Hidden Track und drei zentralen Themen: Liebe, Erinnerung und noch mehr Liebe. Und ich meine damit alle Aspekte der Selbst- und Nächstenliebe. Auch mit Sex. Mit meiner Liebe zu Tocotronic ist es wie mit einer langen stürmischen Ehe. Jedoch ist dieses Meisterstück im Gegenzug zu den letzten 10 Alben nun beängstigend hoffnungsfroh und versöhnlich. Das Herzklopfen wohnt in jeder Textzeile, ganz im Stile einer Jugendliebe und doch irgendwie ganz anders.

(Fanny)

10/10

 

Mumford & Sons – Wilder Mind

Mumford & Sons Wilder Mind new Album Review Rezension

Mumford & Sons – Wilder Mind

Label: Universal Music
VÖ: 01.05.2015

Genre: Folk, Indie Rock
Klingt wie: melancholisch verregnete Frühsommertage

Das ist doch…nein, das gibts nicht. Oder doch? Doch, das sind Mumford & Sons. Nur irgendwie noch viel stiller, trauriger und nachdenklicher als sonst. Die großen, fröhlich anmutenden Folk-Hits à la „Little Lion Man“ oder „I Will Wait“, die es auf den letzten Alben immer gab, fehlen diesmal. Das dritte Studioalbum der Brit-Folker wirkt fast etwas resignativ und depressiv – aber schön depressiv! Ein Album, um dem Liebeskummer oder der Melancholie eines verregneten, kalten Mai Tages zu frönen. Mit Buch und Tee und einem starren Blick ins Leere. Fast wie ein stilles, musikalisches Gebet. Auf den Konzerten werden Tränen fließen.

(Mariella)

8/10

 

Róisìn Murphy – Hairless Toys

Róisìn Murphy Hairless Toys Album Review Rezension kaufen

Róisìn Murphy – Hairless Toys

Label: PIAS
VÖ: 08.05.2015

Genre: Electric Pop
Klingt wie: Moloko mit einer Prise OK Computer

Viele kennen sie gar nicht, obwohl ihre Stimme unverkennbar ist. Moloko sagt dem Otto Normalverbraucher vielleicht eher was, oder vielleicht auch „Sing it back“. Es ist ja nun doch einige Jahre her, dass man zuletzt was von Róisìn Murphy gehört hat. Untätig war sie allerdings nicht. Ganz im Gegenteil. Sie hat viel rum-kollaboriert und ist jetzt mit einem neuen Album rechtzeitig zum Sommer wieder da. Und genau dazu passt die Platte ausgezeichnet. Man könnte sie eigentlich problemlos ein ganzes Open Air lang durchlaufen lassen, der einzige wirkliche Makel ist, dass es viel zu kurz ist. Es ist mal wieder kein Album, das man das erste Mal zwischen Tür und Angel hören sollte. Dafür ist es ein zu komplexes Gemisch aus Róisìns souliger Stimme, ungewohnten Chillout Klängen, Percussion und oft experimentell anmutendem Electro. Insgesamt ist das Ganze zu einem runden Stück Musik-Kunst verarbeitet. Kompliziert und leicht zugleich, plus ausreichend Tiefgang – und es wird bei jedem Mal hören besser. Ich bin gespannt auf das Konzert. Schönes Album.

(Lana)

8/10

Yelawolf – Love Story

Yelawolf Love Story Album Review Rezension Kritik

Yelawolf – Love Story

Label: Interscope (Universal Music)
VÖ: 21.04.2015

Genre: Rap, Hip-Hop
Klingt wie: ein Hybrid aus UGK & Lynyrd skynyrd

Gut Ding will Weile haben, aber nun ist auch mal gut mit der Warterei. Mehr als drei Jahre nach seinem Shady Records Debüt „Radioactive“ und einigen musikalischen Seitensprüngen lässt Yelawolf mit Love Story sein zweites Album auf die Hörer los. Galt beim zusammengewürfelten Vorgänger noch die Devise „Für jeden was dabei“ hat sich die Wartezeit definitiv gelohnt, denn hier hat jemand seine musikalischen Wurzeln gesucht, gefunden und kompromisslos umgesetzt. Kreative Freiheit ahoi! Viele Songs sind überraschend ruhig und organisch geraten, was aber insgesamt ein einzigartiges Paket schnürt. Westerngitarren, Streicher und größtenteils gesungene Songs ziehen den Hörer sofort in die Trailerparksiedlungen Alabamas und lassen den amerikanischen Traum der Südstaaten vorm inneren Auge langsam im Chevrolet vorbeiziehen. Mit Freundschaft, Liebe und dem Tod handelt Yelawolf die großen Themen des Lebens ab, ohne dass einem vor Fremdscham die Nackenhaare ausfallen. Trotz aller Gefühlsduselei schiesst „Catfish Billy“ nebenbei immernoch locker Flowgewitter aus der Hüfte, bei denen ihm auch sein einziger Featuregast und gleichzeitiger Labelchef Eminem nicht die Butter vom Brot nehmen kann. In diesem Sinne: Guten Appetit und empfehlenswertes Album auch für Rap-ferne Menschen.

(Fanny)

9/10

Palma Violets – Danger in the Club

Palma Violets Danger in the Club Album Review Kritik Rezension

Palma Violets – Danger in the Club

Label: Rough Trade
VÖ: 01.05.2015

Genre: britischer, pompöser Indierock
Klingt wie: The Vaccines, The Libertines

Im ersten Moment machen die britischen Palma Violets ganz schön nervigen Krach. Aber wenn man ihnen ein bis zwei Minuten gibt, um einen einzulullen, gar einzugrooven, stellt man fest, dass sie eigentlich ganz schön Spaß machen. Tanzbarer Indie-Punk zum Frühstückseier braten und Durchstarten. 2012 kürte der NME die vier Engländer zur Best New Band. Was sie machen, ist nicht wirklich neu. Ein bisschen The Vaccines und eine Prise Diamond Rugs und fertig ist der Rumhüpfspaß mit Text und vernünftiger Instrumentalisierung. Doch was sie machen, machen sie sehr gut – und zählen definitiv auch mit ihrem zweiten Album wieder zum oberen Drittel der britischen Bardenbrigarde.

(Kirsten)

Etwas unentschlossene 6/10