Der SLEAZE Plattenteller im Mai: Musik, Musik! Neue Musik! Und weil es jede Woche viel zu viel davon gibt und kein Schwein seine Zeit mit dem Lesen von ewig langem, poptheoretischen Pseudo-Gewäsch verschwenden möchte, machen wir es kurz, prägnant und knallhart!

Der SLEAZE Plattenteller im Mai Nr. 55 – Musikreviews

Diesmal mit Suns of Thyme, Tegan and Sara, Heisskalt, Lian und The Kills!

Suns of Thyme – Cascades

Suns Of Thyme - Cascades

Suns Of Thyme – Cascades

Label: Napalm Records
VÖ: 27.05.2016

Genre: Psychedelic Rock
Klingt wie: ein Spaziergang auf Pilzen

Ich erinnere mich noch gut daran, als ich die Jungs von Suns of Thyme zum ersten Mal (und rein zufällig) gehört habe. Damals noch völlig unbekannt, die erste Platte stand kurz vor der Aufnahme. Ich hörte die Band und war schon nach dem ersten Song komplett in ihren Bann gezogen. Was sich sehr groupielike anhört, galt in diesem ersten Moment wirklich und ausschließlich ihrer Musik. Brauchte man bei der ersten Platte „Fortune, Shelter, Love and Cure“ noch einen kleinen Hang zu psychedelischer Musik, schaffen es Suns of Thyme mit ihrer zweiten Platte, um einiges eingängiger zu klingen. Eine Tatsache, die bei vielen anderen Bands vielleicht nichts Positives wäre, bei „Cascades“ aber voll und ganz aufgeht. Immer noch sehr sphärisch, in den Strukturen aber viel weiter und offener, gehen die vierzehn Songs sofort ins Ohr, treiben einen an, überraschen mit immer neuen Soundideen, sind dabei aber nicht nervig, weil zu abgedreht. Bei manchen Tracks  vermutet man sogar Potential für Stadionmelodien oder gar den nächsten James Bond Song. Ob das deren Absicht war, wage ich zu bezweifeln. Außer Zweifel steht allerdings, dass diese Scheibe Musik für sehr gut befunden wird.

(Mariella)

9/10

Tegan and Sara – Love you to death

Label: Warner Bros. Records (Warner)
VÖ: 03.06.2016

Der SLEAZE Plattenteller im Mai

Tegan and Sara – Love you to death

Genre: Pop
Klingt wie: eine strassbesetzte Sollbruchstelle an den geliebten Festival-Vans

Nach einigen zerknüllten Gedanken, wie das nunmehr achte Studioalbum der kanadischen Zwillinge Tegan and Sara zu bewerten wäre, wurde sich für einen Vergleich entschieden. Dieser ist von Objektivität nahezu unbelastet und geht wie folgt: Eine Freundschaft, die gefühlt seit Ewigkeiten besteht und bei der (all)es von Anfang an stimmte. Die gemeinsame Zeit war immer gut – selbst wenn es die Umstände mal nicht waren. Und so läuft das dann. Und läuft. Und läuft. Und das Leben macht, wofür es bekannt ist: erst spielt es mit, dann kommt es irgendwann dazwischen. Man sieht und hört sich nicht mehr ganz so oft, entwickelt sich unabhängig voneinander nach da oder nach dort. Die Treffen werden seltener – aber immer wenn man sich trifft, ist es gut; ist es wie früher. Gäbe es das nicht, gäbe es nur ein „Heute“: Wer weiß, vielleicht hätte man sich nie kennengelernt, wäre aneinander vorbeigegangen. Hätte sich vielleicht nur kurz angesehen, sich vielleicht zugelächelt. Ganz bestimmt hätte man das. Aber das wär`s dann auch gewesen.

Kein Grund, sich über derlei Konjunktive Gedanken zu machen. Denn glücklicherweise gibt es ja dieses „Früher“. Bezogen auf Tegan and Sara quasi die Zeit vor 2013, als ihnen mit „Heartthrob“ der Pop-Durchbruch gelang, an dem sie bis dahin gar nicht gefeilt zu haben schienen. Seit dem 2002 erschienenen „If it was you“ waren sie auf der persönlichen Playlist gesetzt und dank der drei darauffolgenden Alben auch festgezurrt. Daran änderte Heartthrob nichts und daran wird auch das Geschwisteralbum „Love You To Death“ nichts ändern: einem in der Formulierung bedrohlich klingendem Liebesschwur in zehn Akten.

Erzählt wird von Liebe verschiedener Natur und Intensität (platonische, körperliche, familiäre, unerwiderte, versteckte, nicht-existente, überwundene) sowie damit verbundenen Bedenken und Knebeln: sozusagen dem Plüsch an den Handschellen der Freiheit. Musikalisch im Mainstream angekommen, bewegen sich Tegan and Sara aber noch immer in den popkulturellen Nischen, sind Genre-Fluid. Was nicht zuletzt an den Texten liegt, welche vielfach die leicht verdaulichen Klänge kontrastieren, die „Love you to Death“ dominieren. Alles in allem macht das Album, was die ureigene Aufgabe populärer Musik ist: es unterhält. Irgendwie fühlte ich mich gern etwas weniger unterhalten – lieber an früher erinnert und damit auch irgendwie inspirierter. Aber so ist das ja oft, wenn man sich nicht zeit- oder richtungsgleich entwickelt. Während ich die Weitsichtigkeit der Titelwahl bewundere, gewöhne ich mich an „Love You To Death“. Vielleicht ist es auch ein Anfreunden. Jedenfalls wäre es gelogen zu sagen, dass es nicht gefiele. Glaubt einem ja im Restaurant auch niemand, wenn man einen leergegessenen Teller zurückgehen lässt und behauptet, es hätte nicht geschmeckt.

(Anne)

7,5/10

Heisskalt – Vom Wissen und Wollen

Der SLEAZE Plattenteller im Mai

Heisskalt – Vom Wissen und Wollen

Label: Department Musik (Sony Music)
VÖ: 10.06.2016

Genre: Punk-Rock
Klingt wie: Pure Intensität

Nach „Vom Stehen und Fallen“ kommt nun „Vom Wissen und Wollen“. Der Titel des neuen Albums von Heisskalt gibt sogleich die Richtung vor: Es geht um Gedanken und Gefühle, um Entscheidungen und Emotionen. Nach dem ersten Hören lässt sich eine Sache feststellen – und das sage ich ohne jegliche negative Bewertung: Eingängig geht anders. Das liegt zum einen an den komplexen Gedankengängen, den man sich erstmal öffnen muss. Zum anderen ist die nicht immer leichte Zugänglichkeit in den Texten begründet. Diese sind groß, melancholisch und schwermütig. So tönt Sänger Mathias Bloech bedeutungsschwanger: „Das ist möglich, also tun wir es. Das ist nicht nötig, aber wir lieben es.“ oder „Das verändert nicht nur den Moment, das verändert alles.

„Vom Wissen und Wollen“ ist härter und düsterer als sein Vorgänger. Zwar haben alle zwölf Songs des Langspielers noch den gewohnt rotzigen Charakter, doch geht es mehr Richtung Post-Hardcore. „Vom Wissen und Wollen“ bietet pure, ungefilterte Gefühle und regt zum Nachdenken an. Heisskalt haben ein Album geschaffen, das mit jedem Durchlauf besser wird.

(Stefan)

8,5/10

LIAN – LIAN

LIAN - LIAN

LIAN – LIAN

Label: Smi Col (Sony Music Austria)
VÖ: 03.06.2015

Genre: Deutschrock
Klingt wie: Austrorock

Lian ist nicht nur einer der 100 beliebtesten Vornamen in Deutschland, sondern auch ein österreichisches Rock Trio. Mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum werden sie es zwar nicht direkt unter die 100 beliebtesten Bands Österreichs schaffen, haben zumindest aber den ersten Schritt in die richtige Richtung getan. Die Songs sind abwechslungsreich, mit ausreichend stilistischem Wiedererkennungswert, dass man dennoch eine eigene Handschrift heraushören kann.

Insgesamt ist die Platte vielleicht etwas zahm geraten, denn gerade in den energetischen Momenten können sie glänzen und gehen ansonsten ein wenig im Brei der deutschsprachigen Radio-Rockbands unter. Doch die Radiotauglichkeit muss auch kein Ausschlusskritrium sein. Der gefällige Sound und die durchdachten und gut ausgearbeiteten Songstrukturen sind zwar nicht immer spannend, doch auch in Stadien vor großem Publikum sehr gut vorstellbar. Was natürlich Grundvorraussetzung für eine Band sein muss, die auf der Liste der 100 beliebtesten Bands Österreichs steht.

(Fred)

6/10

The Kills – Ash & Ice

Der SLEAZE Plattenteller im Mai

The Kills – Ash & Ice

Label: Domino Records
VÖ: 03.06.2015

Genre: Rock
Klingt wie: Schon einmal gehört

Fünf Jahre ist es her, dass the Kills ihr letztes Album veröffentlicht haben. Das ist schon zu verzeihen, wenn man bedenkt, dass Jamie Hince nach einer Handverletzung quasi noch mal neu Gitarre spielen lernen musste. Aber gut Ding will Weile haben … sollte man meinen.
Obwohl ich das Album super finde, muss ich auch sagen: Wirklich viel Neues hört man hier nicht raus. Das ist nicht schlimm, da es ja vorher auch schon nie schlecht war, aber nach so langem Warten wäre es dann doch echt cool gewesen, ein kleines Bisschen mehr umgehauen zu werden.

Als bekannt wurde, dass The Kills ein neues Album veröffentlichen, wurde ungeduldig auf der Stelle getanzt (wie ein kleiner Corgi). Leider wurden die – wahrscheinlich zu hoch gesetzten – Erwartungen nicht erfüllt. Wie gesagt es ist gut. Es ist nicht sehr gut und es ist weder überraschend noch umhauend. Aber gut. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

(Lana)

6/10