Der SLEAZE Plattenteller im Oktober: Musik, Musik! Neue Musik! Und weil es jede Woche viel zu viel davon gibt und kein Schwein seine Zeit mit dem Lesen von ewig langem, poptheoretischen Pseudo-Gewäsch verschwenden möchte, machen wir es kurz, prägnant und knallhart!

Tattarattaaaaaa: Der SLEAZE Plattenteller im Oktober Teil 3!

Heute mit Die Nerven, Deerhunter, Eivor und Raury!

Die Nerven – Out

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Die Nerven – Out

Label: Glitterhouse
VÖ: 09.10.2015

Genre: kein Genre – kein Schubladendenken
Klingt wie: Die unverblümte Wahrheit, mit einem Hauch Poesie

Das dritte Album der Stuttgarter Band Die Nerven ist da. Zugegeben, ich bin durch den Vorgänger „Fun“ etwas vorgeprägt – in positiver Hinsicht. Doch was kann noch kommen, nachdem das Feuilleton sie zu einer der wichtigsten neuen deutschsprachigen Bands ernannte? Die Antwort: Man lässt sich durch den Druck nicht beirren, entwickelt sich weiter und macht einen hervorragenden dritten Langspieler.
„Out“, so der Titel des neuen Werkes, lässt sich in keine festen Genregrenzen pressen. Charakteristisch sind Einflüsse aus Deutschpunk und Noiserock, aber da ist weitaus mehr. Auf dem neuen Album präsentiert sich die Band grooviger. Allgegenwertig sind Zorn und Unmut. Die immense Sprachgewalt und fast schon poetisch anmutenden Texte untermauern diese Grundstimmung. Beispiel gefällig?: „Wie du immer wieder ‚Nein‘ sagen konntest, obwohl dir die Luft wegblieb und dieses Gefühl dich lähmte. Und wie du immer wieder ‚Ja‘ sagen konntest, obwohl du keine Ahnung hattest. Und wie du immer wieder ‚Vielleicht‘ sagen konntest, obwohl du eine Meinung hast. “
Es ist schier unmöglich, den zehn Titeln zu lauschen, ohne nach einer tiefsinnigen Bedeutung hinter den Textzeilen zu suchen.  Hinzu kommt die Schaffung einer perfekten Harmonie zwischen Ruhe und Lärm, wie es kaum eine zweite Band vermag. Top!

(Stefan)

9/10

Deerhunter – Fading Frontier

Deerhunter - Fading Frontier

Deerhunter – Fading Frontier

Label: 4AD
VÖ: 16.10.2015

Genre: Indie, Psychedelic Rock
Klingt wie: Melancholie am Sonntag

„You should take your handicaps. Channel them and beat them back. Till they become your strength“. Wow,  starke Worte für die Einleitung einer Platte. Aber wen wundert das, geht es hier doch um Deerhunter. Jene Band, die mit Frontmann Bradford Cox einen der ausdrucksstärksten und gleichzeitig vielleicht schrägsten Vögel ganz vorne stehen hat. Und diese Ausdrucksstärke demonstriert uns Cox auch auf dem mittlerweile siebenten Langspieler.
Auf Fading Frontier klingt die allerdings noch nachdenklicher und bedeutungsschwerer als bisher. Mag sein, dass das an Bradford Cox schwerem Autounfall im letzten Jahr liegt oder einfach an über 10 Jahren des Musikmachens. Mit gewohnt sphärischen Deerhunter Melodien knallt uns Cox auf dieser Scheibe eine Lebensweisheit nach der anderen in die Gehörgänge.  Und das, ohne dabei zu dick aufzutragen oder belehrend zu sein. Fading Frontier ist die Fortsetzung einer musikalischen Erfolgsgeschichte, wie nur Bradford Cox sie schreiben kann.

(Mariella)

9/10

Eivør – Slør

Eivor - Slor

Eivor – Slor

Label: Tutl
VÖ: 16.10.2015

Genre: Folk-Singer/Songwriterin
Klingt wie: Kate Bush auf färöisch.

Dieses Album macht es mir nicht leicht. Es ist komplett auf färöisch gesungen. Und diese Spräche hört sich gesungen nicht wirklich schön an. Und mein Färöisch ist etwas eingerostet, deshalb habe ich auch keine Ahnung, wovon Eivør singt. Die PR-Agentur sagt, es geht um Trennungen und Fernweh. Slør (ich muss an Slurm, ein Getränk aus Futurama denken) klingt sehr traurig und teilweise wütend. Wenn die Sängerin ihre Stimme erhebt, fällt mir sofort die wundervolle Kate Bush ein.

Mein Fazit zu diesem Album: Ich bin nicht offen genug für färöisch. Und vermutlich würde es mir viel besser gefallen, wenn es in einer ohrschmeichelnderen Sprache eingesungen worden wäre. Ich bin also ein kultureller Kretin. Gute Nacht.

(Yanah)

5/10

Raury – All We Need

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Raury – All We Need

Label: Columbia Records
VÖ: 16.09.2015

Genre: Alternative Rap
Klingt wie: Ein gewagtes Konzept

Nachdem Jungspund Raury mit seiner „Indigo Child“ EP letztes Jahr in der Blogsphäre ein paar Wellen schlagen konnte, kommt mit „All We Need“ nun sein erstes Album, welches das Bloggervolk in helle Aufregung versetzen oder ganz schnell wieder in der Versenkung verschwinden könnte. Das liegt an uns – dem Hörer.
Geboten bekommen wir nämlich keinen reinen Hip Hop, sondern ein sehr gewagtes und mutiges Album, das es schwer haben wird in Rap-Kreisen anerkannt zu werden. Doch das Genre geht seit einiger Zeit neue Wege und allen voran Kendrick Lamar, der vor allerlei Experimenten nicht zurückschreckt. Das könnte es Raury einfacher machen, mit seinem Singer-Songwriter Rap Fuß zu fassen. Schlecht ist das nämlich nicht, was uns präsentiert wird, nur recht ungewöhnlich und entsprechend ungewohnt für’s Ohr, da er aus Neo-Soul, Folk, Rock-Anleihen und klassischem Hip Hop seinen Indie-Rap zusammenmixt. Unterstützung erhält er dabei unter anderem von Big K.R.I.T. und Tom Morello (Gitarrist bei Rage Against the Machine – Anm. d. Red.) Das ist vom Ansatz gut, an der Umsetzung muss er aber noch ein wenig feilen, um seinen Platz in all den Einflüssen zu finden.

(Fred)

6/10

 

Beitragsbild via nerddrugs