Der SLEAZE Plattenteller im September Nr. 60: Musik, Musik! Neue Musik! Und weil es jede Woche viel zu viel davon gibt und kein Schwein seine Zeit mit dem Lesen von ewig langem, poptheoretischen Pseudo-Gewäsch verschwenden möchte, machen wir es kurz, prägnant und knallhart!

Der SLEAZE Plattenteller im September Nr. 60 – Musikreviews der Stunde

Diesmal mit Elektro Guzzi, Wilco,  Avec, Jack White und Blutige Knie.

Elektro Guzzi – Clones (MACRO M49)

Electro Guzzi - Clones

Electro Guzzi – Clones

Label: Macro Records
VÖ: 16.09.2016

Genre: Electro
Klingt wie: Eine Nacht tanzen

Elektro Guzzi ist eine jener Bands, die man live gesehen haben muss, um ihre Musik in ihrer ganzen Tragweite zu verstehen. Denn erst durch das Live-Zusammenspiel der drei Guzzis erfasst man das Konzept, die Finesse und Genialität mit der hier elektronische Musik gemacht wird. Die Genialität der drei Musiker zeigt auch einmal mehr ihr neues und mittlerweile schon sechstes Studioalbum Clones. Gespickt mit allerhand musikalischen Referenzen und feinsten Techno-Beats kann man sich mit diesen zehn Tracks auf eine schillernde Reise begeben, die man am besten spät abends und exzessiv tanzend zu Gin Tonic und flackernden LED-Scheinwerfern begeht. Akustischer Techno, den eben nur die Guzzis so hinbekommen.

 (Mariella)

9/10

Wilco – Schmilco

Wilco - Schmilko

Wilco – Schmilco

Label: dBpm/Anti
VÖ: 09.09.2016

Genre: Indierock
Klingt wie: Indie Schmindie

Eigentlich ist Wilco eine sehr ernste Band. Ernsthafte Songs, mit ernsten Lyrics, ernster Attitüde und gelacht wird nicht.
Doch nachdem sich 2009 ein Kamel mit Partyhut auf einen Balkon verirrte und ihr letztes Album Star Wars hieß und sich eine hübsche weiße Katze auf dem Cover niederließ, folgt der nächste Witz.
Keine Band, die sich und ihre Musik völlig ernst nimmt, lässt das Albumcover ihres neusten Werks von Joan Cornellá gestalten. Der katalanische Zeichner ist für seine schwarzhumorigen und verstörenden Comicstrips bekannt und hat bis dato auch noch nie ein Albumcover gemacht.

Dazu kommt, dass das Album Schmilco heißt. Angelehnt an Harry Nilsson und sein „Nilsson Schmilsson“, kommt die Special-Box sogar mit Gimmick. Einem Päckchen Scherz-Kaugummi, das uns einen kleinen Stromschlag verpasst. Lustig ist das alles und eigentlich so gar nicht ernst.

Aber – und das kommt dann natürlich auch wieder nicht sehr überraschend – die Songs sind natürlich keine Comedyshow, sondern fein gearbeitete und inhaltlich eher schwermütigere Angelegenheiten.
Die Band brilliert mit Folkpop, leichtem Indierock, akustischem Geschrammel und Country während Jeff Tweedy dazu vom Tod der Mutter oder „Normal American Kids“ singt … die er hasste, aber selbst eines war.
Und dann ist da auch immer mal wieder ein Hauch von Lennon (Shrug and Destroy) und George Harrison (Someone To Lose).
Es fehlen die ganz großen Songs, aber dafür gibt es viele kleine zauberhafte Momente und großartige Kunststückchen im Songwriting. Wer braucht da schon Hits.

(Fred)

8/10

Jack White – Acoustic Recordings 1998 – 2016

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Jack White – Acoustic Recordings 1998-2016

Label: Rca. Int (Sony Music)
VÖ: 09.09.2016

Genre: Rock’n’Roll
Klingt wie: Das Kind von Detroit und Nashville

Wer Jack White nur von White Stripes Hymnen wie Seven Nation Army kennt, wird über dieses Album ziemlich überrascht sein. Mr. White kann auch leise. Und minimalistisch.
Auf „Acoustic Recordings“ hört ihr in chronologischer Reihenfolge 18 Jahre Jack White. Stücke von den White Stripes wechseln sich mit den Titeln von den Soloalben ab, zusätzlich gibt es noch Lieder von diversen Soundtracks (Cold Mountain), Fremdalben (Raconteurs) Remixe und Outtakes.
Das Album bietet euch 26 Songs, die teilweise noch nie so veröffentlich worden sind und alle 26 Titel wurden extra für euch neu gemastert.
Ich persönlich war vorher schon ein Jack White Fan und fühle mich gerade sehr bestätigt. Dieser Mann ist talentiert und das ist wirklich mal eine schöne Abwechslung in der aktuellen Musikszene.

(Yanah)

8/10

Avec – What If We Never Forget

Avec - What if we never Forget

Avec – What if we never Forget

Label: Earcandy/Soulfood
VÖ: 23.09.2016

Genre: Singer/Songwriter-Indie
Klingt wie: Herbst

Kennt ihr dieses Gefühl, wenn man nach einem langen, heißen Sommer endlich wieder Lust auf den Herbst bekommt? Wenn man sich plötzlich wieder darüber freut, dass man einen Pullover tragen muss, wenn es an jeder Ecke wieder aus den Schornsteinen raucht und wenn es dann ganz unverhofft Ende Oktober das erste Mal schneit? Genau so klingt diese Platte. Einfach. Schön. Unkompliziert.

(Mariella)

8/10

Blutige Knie – Mucker, Booker, Wichtigtuer

Blutige Knie -

Blutige Knie – Mucker, Booker Wichtigtuer

Label: Bakraufarfita
VÖ: 02.09.2016

Genre: Groovepunk
Klingt wie: Punk für alle, die keinen Punk mögen

Blutige Knie ist die eine Hälfte von DxBxSx und die andere kommt von Sensor. Zusammen haben die beiden Hälften eine ganze Band gegründet und ihr erstes Album aufgenommen.
Blutige Knie tun weh, wenn man sie sich holt. Dabei fällt man nämlich meistens auf die Schnauze. Das tun die Blutigen Knie, die dem Autor zur Rezeption vorliegen, glücklicherweise nicht. Das liegt unter anderem daran, dass sie keinen allzu schnellen Punkrock runterkloppen, sondern das Tempo deutlich heruntergeschraubt haben. Der Punk ist zwar deutlich zu hören, aber man kann den Stonerrock Einfluss nicht leugnen. Zwischen die Riffs mischt sich dann eine klitzekleine Portion Blues, die sich zwar gut versteckt, aber immernoch präsenter ist, als ansonsten beim Punk. Dadurch wird insgesamt ein schöner Groove produziert, den man ebenda oft vergeblich sucht.
Dazu erzählen sie uns von ihrer Wanne voller Geld und was der Barkeeper wirklich denkt. Einen Song über Berlin gibt es auch, genauso wie die Antwort auf den Party-Patriotismus der deutschen Fanmeilen. Ist also noch Punk genug und genau diese Mischung macht die Platte so kurzweilig. Es trinkt sich das Sterni schon auf der heimischen Couch sehr gut dazu, aber live wird das sicher erst so richtig zünden.

Zusatzinfo: Die Record-Release-Show findet übrigens am 17. September im Schokoladen in Berlin statt.

(Fred)

6/10