Der SLEAZE Plattenteller im Oktober Nr. 61: Musik, Musik! Neue Musik! Und weil es jede Woche viel zu viel davon gibt und kein Schwein seine Zeit mit dem Lesen von ewig langem, poptheoretischen Pseudo-Gewäsch verschwenden möchte, machen wir es kurz, prägnant und knallhart!

Der SLEAZE Plattenteller im September Nr. 61 – Musikreviews der Stunde

Diesmal mit Archive, Kings Of Leon und Nicolas Jaar.

Archive – The False Foundation

Archive - The Falls

Archive – The Falls Foundation

Label: Dangervisit/PIAS
VÖ: 07.10.2016

Genre: Progressive-Trip-Hop
Klingt wie: Ein Album, das Zeit braucht

Archive waren die Vordenker des Progressive Rock, als auch des Trip-Hop, da sie beides mischten und Zutaten mit in die jeweiligen Genre brachten, die dort seltener vorkamen.
Auch auf ihrem zehnten Album ist das nicht anders und es gehen die Gitarren Hand in Hand mit dem Synthesizer.
Insgesamt erscheint „The False Foundation“ jedoch ein wenig unstrukturiert und fast schon langweilig. Gerade im Vergleich zum Vorgängeralbum, das spannendere Songs bot.
Dass sie das Experimentieren noch nicht verlernt haben, merkt man durchaus, aber es fehlt leider das letzte Quäntchen Herausforderung beim Zuhören.
Hektische Drumbeats, Synthesizer-Pop, Gitarrensalven und Industrialbeats sind da, aber sie schaffen es nicht, all das richtig zum Einsatz zu bringen.
Je öfter man die Platte hört, desto mehr kann man zwar eintauchen, aber bislang wartet man noch auf eine Offenbarung. Bleibt abzuwarten, ob sich das irgendwann noch einstellt oder eher belanglos bleibt.

(Fred)

5/10

Kings Of Leon – Walls

Der SLEAZE Plattenteller im Oktober

Kings Of Leon – Walls

Label: Sony Music
VÖ: 14.10.2016

Genre: Rock
Klingt wie: ein Album, das nicht weh tut

Ich weiß noch ziemlich genau, wie sehr ich die ersten beiden Platten der Kings of Leon gefeiert habe. Was für ein belebendes Gefühl mir ihre Musik damals gab. Kaum hatte ich meine Kopfhörer auf den Ohren, konnte ich nicht mehr stillstehen. Irgendwann zwischen „Sex on Fire“ und „Radioactive“, als die Kommerzkeule so richtig zuschlug, wurde mir das alles allerdings zu glatt und unaufregend und meine Begeisterung dafür verlief im musikalischen Sand. Nach drei Jahren Schaffenspause ist nun das siebente Album da und ich muss zugeben, das klingt erstaunlich frisch. Wenngleich man die alten, mitreißenden Nummern à la „Taper Jean Girl“ auch hier vergeblich sucht, so ist Walls ein Album, das man gut hören kann, das nicht weh tut, wenn es nebenher läuft, mich aber (leider) nicht wie früher zum intuitiven Tanzen bewegt.

(Mariella)

6/10

Nicolas Jaar – Sirens

Nicolas Jaar - Sirenes

Nicolas Jaar – Sirens

Label: Other People/Rough Trade
VÖ: 14.10.2016

Genre: Electronica
Klingt wie: Eine elektronische Schatzkiste

Wer an elektronische Musik denkt, hat meist einen stetig pumpenden Rhytmus im Kopf, blitzende Lichter und ekstatisch im Takt zuckende Körper. Das ist ein Teil dieser Sparte, aber noch nicht alles. Es gibt nämlich am anderen Ende dieses Spektrums ein paar Tüftler und Klanggestalter, die sich der Tanzbarkeit ihrer Musik nicht verpflichtet fühlen. Das Nicolas Jaar so einer ist, hat er mit seinem Debüt „Space Is Only Noise“ bereits klar gemacht.
„Sirens“ atmet nicht mehr diesen kompromisslosen Minimalismus, sondern öffnet sich auch für ausschweifende Ausbrüche.
Als musikalischer Grenzgänger offenbart uns Jaar mit dem aktuellen Werk einen konzeptuellen Abschluss der Trilogie, die die 12-Inch-Serie „Nymphs“ und den Soundtrack zum Film „Die Farbe des Granatapfels“ komplettieren.
Man kann alle Alben unabhängig voneinander hören und sogar die einzelnen Songs vom Rest loslösen. Dann sind sie immer noch gut und voller Experimente. Doch gedacht sind sie als zusammenhängendes Konstrukt und als klangliche Idee.
Aus Ambiente, hektischen, elektronischen Klängen, atonalen Saxophonen und dezentem Piano baut Nicolas Jaar einen einzigen Stilbruch.

(Fred)

7/10