Der SLEAZE Plattenteller im Oktober Teil 2 Nr. 62: Musik, Musik! Neue Musik! Und weil es jede Woche viel zu viel davon gibt und kein Schwein seine Zeit mit dem Lesen von ewig langem, poptheoretischen Pseudo-Gewäsch verschwenden möchte, machen wir es kurz, prägnant und knallhart!

Der SLEAZE Plattenteller im Oktober Teil 2 Nr. 62 – Musikreviews der Stunde

Diesmal mit Leonard Cohen, Maeckes, Crystal Fighters und Tschaika 21/16.

Leonard Cohen – You Want It Darker

Leonhard Cohen - You Want It Darker

Leonhard Cohen – You Want It Darker

Label: Columbia
VÖ: 21.10.2016

Genre: Singer-Songwriter
Klingt wie: eine Verführung 

Ganz ehrlich – was soll man schon schlechtes über den Altmeister Cohen sagen? Nicht einmal dann, wenn dieses Album wirklich schlecht wäre – WAS ES NICHT IST – würde ich es mich nicht trauen, zu sagen. Dementsprechend bin ich an dieser Stelle einfach nur froh, dass ich euch nicht anlügen muss. Denn You Want It Darker, das 14. Studioalbum des Kanadiers, ist nicht nur gelungen, es ist ein weiteres, wundervoll mystisches Hörbuch, erzählt von dieser wohlbekannten, rauchigen Stimme, die für immer unverwechselbar bleiben wird. Leonard Cohen schafft es in nur neun Tracks mehr zu sagen, als so manch andere auf 800 Seiten. Und das mit einer Eindringlichkeit und gleichzeitigen Wärme, die einem das Gefühl gibt, dass alles, einfach so und ohne Grund, gut wird. Er nimmt sie hinweg, die Sünden deiner (oder zumindest meiner) Welt. Danke Leonard – Amen.

(Mariella)

10/10

Maeckes – Tilt

Maeckes - Tilt

Maeckes – Tilt

Label: Vertigo Berlin
VÖ: 21.10.2016

Genre: Deutschrap
Klingt wie: Rap mit doppeltem Boden

„Ihr kennt mich noch nicht? Ich bin wie Vin Diesel, nur Vin Diesel ist intelligenter als ich.“ Wer sich selbst so vorstellt, scheint weder ernst noch reif zu sein. Doch genau so erleben wir den Stuttgarter immer wieder, wenn er nicht gerade als vierter Teil der Orsons unterwegs ist. Denn dort besetzt er eine völlig andere Rolle.
Mit Tilt präsentiert er uns nun ein weiteres Album, das pendelt – zwischen Melancholie und Hochstimmung, zwischen Blödsinn und Sinnhaftigkeit – und sich seiner Ambivalenz durchaus bewusst ist. Aber so ist das eben mit dem Leben. Sein Flow kommt ohne Gimmicks aus und er hat oft einen sehr legeren Plauderton. Die phonetischen Verrenkungen sind so absurd, dass sie charmant sind und Maeckes so anders, dass er einer von uns Normalen wird.

(Fred)

8/10

Crystal Fighters – Everything is My Family

Crystal Fighters - Everything is My Family

Crystal Fighters – Everything is My Family

Label: Play It Again Sam (rough trade)
VÖ: 28.10.2016

Genre: Electropop
Klingt wie: immer

Schau an, ein neues Crystal Fighters Album. Wobei „neu“ hier eigentlich nur auf das Cover und die Titel bezogen werden kann. Denn in musikalischer Hinsicht hat sich hier wenig bis gar nichts geändert. Tanzbare Beats, (meist) gute Laune und auch noch im Drogenrausch mitsingbare Texte. Nun gut, tiefgründige Texte waren noch nie ihr Ding. Muss es auch gar nicht sein. Die Crystal Fighters sind nach wie vor die Pächter der guten Laune und des tanzbaren Electropop. Man muss nicht immer alles ändern wollen – schon gar nicht, wenn es sich bisher als erfolgversprechend bewährt und für volle Hallen gesorgt hat. Man kauft die Crystal Fighters und bekommt genau das, was man sich erwartet – nicht mehr und nicht weniger.

(Mariella)

6/10

Tschaika 21/16 – Tante Crystal Uff Crack am Reck

Tschaika 21/16 – Tante Crystal Uff Crack am Reck

Label: Noisolution
VÖ: 11.11.2016

Genre: Wahnsinnsrock
Klingt wie: Eine Hochgeschwindigkeitsfahrt durch die Stadt

Tschaika 21/16 meinen, abgesehen von ihrer Spielfreude, nichts wirklich ernst. Das aufgedrehte Duo präsentiert mit ihrem Albumartwork den Traum einer jeden Stonerrockband, der durch Albumtitel und Songnamen jedoch sofort wieder seiner Ernsthaftigkeit beraubt wird. Macht aber nichts, denn „Lass mich doch in deinem Wald der Oberförster sein“, „Doom mich auch“ oder „Man nennt sie Nancy“ sind purer Spaß und Blödelei.
Hinter Tschaika 21/16 stecken zwei bunte Hunde der Berliner Musikszene. Tim, der hauptberuflich bei Rotor in die Saiten haut und Onkel, der nicht nur für die Ohrbooten oder Alligatoah trommelt, sondern gefühlt immer angerufen wird, wenn es in dieser Stadt ein Schlagzeug einzuspielen gibt.
Die Blödeleien stehen hier immer im Vordergrund und so nehmen sie uns auf einer imaginären Stadtrundfahrt mit in den Untergrund … besser gesagt die U-Bahn. Wenn man dabei nicht gut genug aufpasst, übersieht man die musikalischen Fähigkeiten der Beiden ein wenig. Doch genau das macht diese Platte aus, denn während Rotor-Songs – zu denen es eine klare klangliche Nähe gibt – immer vertrackter und ausgeklügelter sind, dominiert hier das einfach-mal-drauflos-spielen-Prinzip und wir finden uns in einem Strom aus Witz und musikalischer Grenzenlosigkeit wieder. Dabei heraus kommt dann ein überwiegend instrumentaler Spaß, den man irgendwie als Stoner-, Noise- und Mathrock mit krummen Takten und Trompeten bezeichnen kann. Eine Platte, wie eine Achterbahnfahrt: Nicht lebensnotwendig, zwischenzeitlich bekommt man etwas Angst, danach will man aber gleich nochmal.

(Fred)

7/10