Da ist sie wieder. Die divenhafteste (männliche) Diva, die diese Welt seit Axel Rose je gesehen hat. Fünf Jahre war es still um den Fleischfresser-verachtenden Morrissey. Dann erscheint 2013 seine Autobiographie („Morrissey“), 2014 ein neues Album. Er kündigt Konzerte an, um sie dann der Reihe nach wieder abzusagen. Gründe gibt es ja genug: Die mangelnde Gesundheit, allumfassender Weltschmerz oder der Name des Veranstaltungsortes (so geschehen im Dresdener Veranstaltungsort „Alter Schlachthof“!). Aber gut. So ist es eben. So ist ER eben. Das muss ein echter Morrissey-Fan schon verstehen. Und warum auch immer, verzeiht man es ihm auch. Trotz fehlender Kulleraugen hat Morrissey aus irgendeinem Grund diesen Hundewelpen Bonus. Was einem bei jedem anderen Musiker tierisch (ahahahaaaa, ist mir zuerst gar nicht aufgefallen) auf den Sack geht, scheint bei ihm völlig egal zu sein.

Morrissey - World Peace Is None Of Your Business

Morrissey – World Peace Is None Of Your Business

Das ist aber auch das einzige, was bei Morrissey egal ist. Dreißig Jahre nach der Veröffentlichung der ersten The Smith-Platte („The Smiths“) ist die „Queen“ immer noch nicht tot und Morrissey (vielleicht deshalb?!) schon gar nicht leise und handzahm geworden. Viel eher angriffslustig und vorwurfsvoll, was schon der Titel „World Peace Is None Of Your Business“ verrät. Es geht also um den nichtvorhandenen Weltfrieden, Regierungen als Ursprung allen Übels und die Schlechtigkeit des Menschen sowieso. „Der Mensch ist des Menschen Wolf“ (Thomas Hobbes, „Leviathan“) oder so ähnlich. Im Grunde also genau das, was wir eh schon immer wussten und aus dem Mund des melancholischen Briten nur allzu oft gehört haben. Also wieder nix mit neu erfinden, was wiederum egal ist, weil bei diesem Herren einfach nicht nötig.

Morrissey ist und bleibt auch auf diesem Album der etwas selbstgerechte, hochtrabende Ankläger, der mit schmachtend schöner Stimme alles und jeden an die Wand stellt und singt. Die Musik dazu ist genauso eingängig, wie irgendwie nebensächlich, reicht von spanischen Gitarren, raunzigem Akkordeon und großkotzigen Rocksoli bis zu weihnachtlichem Glockengebimmel und ist dabei oft eher ein nicht ganz gelungener und sehr gewollter Schlag in die musikalische Magengrube, als feinfühlige Melodien, die viel eher zu Morrisseys Gesang passen würden. Nun ja, zwischen gut und gut gemeint ist eben doch ein kleiner Unterschied.

https://www.youtube.com/watch?v=FEd-jyuyXpQ

„World Peace Is None Of Your Business“ ist keine dieser Platten, die man mal eben zum sommerlichen Grillen auflegt. Sie ist – wie immer bei Morrisseys Musik – eine Platte zum hinhören, zum mindestens ein paar Mal hören und zum spinnen melancholischer Tagträume. Musik, zu der – oder wegen der – man sich auch getrost aus dem Fenster stürzen könnte, weil einem alles so schrecklich und sinnlos erscheint und er doch so absolut Recht hat. Bis dann der bittersüße Beigeschmack der dritten Flasche Rotwein aufkommt und man sich in einem hellen Moment doch bewusst wird, dass es da oben vermutlich auch nicht besser ist als hier.

8/10