Musik, Musik! Neue Musik! Und weil es jede Woche viel zu viel davon gibt und kein Schwein seine Zeit mit dem Lesen von ewig langem, poptheoretischen Pseudo-Gewäsch verschwenden möchte, machen wir es kurz, prägnant und knallhart!

Tattarattaaaaaa: Der SLEAZE – Plattenteller!

Heute mit Get Well Soon, Einstürzende Neubauten, Pink Floyd, Ira Atari, Röyksopp und Theophilius London!

 

Get Well Soon – „The Lufthansa Heist EP // Henry EP // Greatest Hits EP“

Get Well Soon – "The Lufthansa Heist EP // Henry EP // Greatest Hits EP"

Get Well Soon – „The Lufthansa Heist EP // Henry EP // Greatest Hits EP“

Label: City Slang/Universal
VÖ: 07.11.2014

Genre: Alternative/Indie/Folk
Klingt wie: Konstantin Gropper hoch 3

Zwei Jahre gingen seit der letzten Veröffentlichung von Get Well Soon nun bereits ins Land. Mastermind Konstantin Gropper war in dieser Zeit jedoch nicht untätig. So produzierte er den Casper-Langspieler Hinterland und tüftelte an neuen Songs, mit denen wir nun beglückt werden. Der kreative Output muss dabei derart groß gewesen sein, dass sich Herr Gropper dachte, gleich drei EPs auf den Markt zu werfen. Mit jeweils einer Woche Abstand erscheinen die EPs The Lufthansa Heist, Henry und Greatest Hits. Alle drei Werke berühren ein anders Thema. So kehrt Konstatin Gropper mit The Lufthansa Heist zurück zu seinen musikalischen Anfängen. Es dominieren ganz klar die Gitarren. Die zweite EP stellt eine Hommage an Autor Arnold Stadler und dessen Roman „Der Tod und ich, wir zwei“ dar und kommt ziemlich düster daher. Die Greatest Hits EP wartet, wie der Name es schon vermuten lässt, mit Coverversionen auf. Zu hören sind u.a. „Always The Sun“ von The Stranglers, „Carless Whisper“ von George Michael und „Rocket Man“ von Elton John. Alle drei Werke bieten also ein gehöriges Potential an Abwechslung. Die für Get Well Soon typische melancholische Stimmung und eine gewisse Schwere schwingen jedoch immer mit – passend zu der grauen Jahreszeit. Mit seinen mächtigen Soundgebilden zeigt Herr Gropper, dass er ein wahrer Könner seines Fachs ist.

(Stefan)

8/10

Einstürzende Neubauten – “Lament”

Einstürzende Neubauten - Lament

Einstürzende Neubauten – Lament

Label: BMG Rights / Rough Trade
VÖ: 07.11.2014

Genre: Lyrischer Avantgarde Punk (oder so)
Klingt wie: Als könne man danach Blind den eigenen Namen tanzen

Is das Kunst oder kann das weg?

Asche auf ein Haupt, Verehrer dieser Kapelle werden wahrscheinlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.

Ich glaube um dieses Kunstwerk angemessen beschreiben zu können, müsste ich erstmal meinen Doktor in diversen Sprachen, Geschichte, Kunstgeschichte und Literaturwissenschaften machen. In meinem Wortschatz befinden sich nicht ausreichend adäquate Ausdrücke, um dem soeben Gehörten gerecht zu werden. Ich fühle mich dumm. Danke. Ich denke dieses Album werde ich bei meinem nächsten Date im Hintergrund laufen lassen, wenn ich möchte, dass der Typ endlich geht. Aber wahrscheinlich bin ich einfach nur ein Banause, der die Schönheit einer kratzenden, quietschenden, klirrenden, rasselnden und knarrenden Geräuschkulisse nicht zu schätzen weiß.

(Lana)

?/10

Pink Floyd – „The Endless River“

Pink Floyd - The Endless River

Pink Floyd – The Endless River

Label: Warner Music
VÖ: 07.11.2014

Genre: Rock/Psychedelic Rock/Progressive
Klingt wie: je und jeh

Pink Floyd veröffentlichen ihr letztes Album. Ein Gedanke, der irgendwie schwer zu fassen und noch viel schwerer zu glauben ist. Nach zwanzig Jahren setzen David Gilmoure und Nick Mason ihrer geschichtsträchtigen Band und ihrem 2008 verstorbenen und seit jeher unterschätzten Keyboarder Rick Wright ein gehöriges Denkmal. The Endless River ist ein Zusammenschnitt aus 20 Stunden Tonaufnahmen, die bei ihrem letzten Studiobesuch und der Produktion des letzten Albums „The Division Bell“ entstanden und als kreativer Überschuss unbeachtet in die musikalischen Archive der lebenden Legenden eingegangen sind. Damals noch mit besagtem Keyboarder. Man spielte einfach so drauf los und schaute, was dabei heraus kam. So, wie man das als Band, nein, so, wie man das als Pink Floyd eben so macht. Eine Hommage an vergangene Zeiten, an eine Ära voller musikalischer Wunder und an geliebte Freunde, mit denen man durch Dick und Dünn gegangen war. The Endless River ist der triumphale und bittersüße Abschied einer Band, die Musikgeschichte in Stein gemeißelt hat. Beim hören der 21 Tracks kann man die Musiker bildlich, dabei aber nie außer Atem und mit heroisch erhobenen Köpfen ins Ziel rennen sehen. Ein Ziel, dass sie hoffentlich nur als Zwischenstopp sehen. Und uns in spätestens zwanzig Jahren wieder mit einem letzten Album überraschen.

(Mariella)

10/10

Ira Atari – „Heroes“

Ira Atari - Heroes

Ira Atari – Heroes

Label: Audiolith
VÖ: 07.11.2014

Genre: Powerpop
Klingt wie: Schwellenzustand zwischen Indie und Mainstream

Berliner Schnauze ganz zahm, mit neuem Partner und im Rausch der 80er. Ira Göbel hat sich musikalische Unterstützung von Bernhard Raser geholt und vollzieht eine Kehrtwende. Auf Heroes herrscht die Abkehr von düsteren Texten, hin zum beschwingten Pop mit Synthesizern und Drum-Machines aus den viel zitierten 80ern. Sie zitieren aber nicht nur, sondern vereinnahmen dieses Jahrzehnt und bauen eine EP zusammen, die etwas über die trüben und kalten Herbsttage hinwegtrösten kann. So bunt wie das Cover ist auch die Musik und jeder Pop-Freund wird damit seine helle Freude haben.

(Fred)

6/10

Röyksopp – „The Inevitable End“

Röyksopp - The Inevitable Ende

Röyksopp – The Inevitable Ende

Label: Embassy One (Warner)
VÖ: 21.11.2014

Genre: Elektronischer Entspannungspop
Klingt wie: Röyksopp in düster

Röyksopp melden sich nach nur sechseinhalb Monaten zurück und präsentieren ihr ALLERALLERALLERALLERALLERLETZTES Album gemeinsam als Röyksopp. Das ist einerseits so wahnsinnig traurig und lässt andererseits die Erwartungen an diese ALLERALLERALLERALLERALLERLETZTE Platte so in die Höhe schießen, dass es dem Norwegischen Duo, wie man fairerweise zugeben muss, gar nicht möglich sein kann, diese zu erfüllen. Denn nach dem Ausflug in eine, für meinen Geschmack, etwas zu poppige Welt mit Sängerin Robyn im Frühjahr, hatte man doch gehofft, dass dieses nächste Album, zumal es nun auch noch das ALLERALLERALLERALLERALLERLETZTE ist, den Hörer noch einmal in wie durch „Junior“ verursachte Rauschzustände versetzt. Die bleiben leider mit dem gefühlt wahnsinnig düsteren, man mag fast sagen extrem herbstlichen, aber sehr treibenden „The Inevitable End“ aus. Es ist eher etwas für den Trancezustand, den man am Abend erreicht, weil man nicht schlafen kann, da man vor lauter Dunkelheit den ganzen Tag geschlafen hat. Vielleicht ist das ja typisch norwegisch. Jedem Ende folgt ja bekanntlich auch ein Anfang. Und auf den freuen wir uns dann schonmal.

(Kirsten)

7/10

Theophilius London – „Vibes“

Theophilius London - Vibes

Theophilius London – Vibes

Label:Warner Music
VÖ: 31.10.2014

Genre: Soul/R&B/Electronic/Dance/ Hip Hop
Klingt wie: Die perfekte Musik zum Vorglühen

Der Name ist Programm. Vibes groovt und das nicht zu knapp, auch wenn der Einfluss von Executive Produzent Kanye West nicht zu überhören ist. Wer sich vom zweiten Album des Ausnahmetalents also Ähnliches erwartet, wie bei der ersten Platte, wird eventuell etwas enttäuscht sein, da es mehr nach großem Tamtam und imposanter Show à la Kanye West und weniger nach Theophilius London klingt. Ja, weniger ist manchmal mehr. Wenn Texte aber nur mehr dazu da sind, um posermäßig das musikalische Gerüst auszukleiden, ist weniger dann aber doch zu wenig. Dennoch ein Album, das Spaß macht. Nur eben nicht so sehr, wie beim letzten Mal.

(Mariella)

6/10