Das Leben ist nicht fair und wir SLEAZELs sind es erst recht nicht. Unsere Rubrik Schlechter als SLEAZE macht euch mit den schlechtesten Veröffentlichungen der kommenden Tage bekannt. Da wir aber keine kompletten Arschlöcher sind, versuchen wir wenigstens ehrlich zu sein. Ist eine VÖ überraschenderweise doch besser, als wir vermutet haben, dann stehen wir auch dazu. In diesem Fall gibt es eine gute Bewertung und einen imaginären Blumentopf für den/die Künstler/in.

Tattarataaaaaaa…wir präsentieren euch: Schlechter als SLEAZE im Mai!

Diesmal mit Billy (Bill Kaulitz), Olli P. und Thomas Anders 

Billy – I’m Not Ok

Bill Kaulitz - I'm Not Ok

Billy – I’m Not Ok

Label: De-Code LTD
VÖ: 20.05.2016

Genre: Pop
Klingt wie: Ricky Martin auf Justin Bieber

Lieber Herr Kaulitz,

Sie kennen mich nicht. Zu meinem tiefsten Leidwesen kann ich das im Gegenzug von Ihnen nicht behaupten. Ich nahm Sie das erste Mal gezwungener Maßen in einer Menge schreiender Mädchen wahr, die Ihnen in einer mir unbekannten Frequenz ihre innbrünstige Liebe entgegenkreischten. Damals trugen Sie und Ihre Gefolgschaft noch Kakadu-Frisuren, sangen Lieder über Tropenstürme und schmückten Ihre musikalischen Errungenschaften mit dem klingenden Namen Tokio Hotel. Auch wenn ich Ihre Musik und Ihren Erfolg zum damaligen Zeitpunkt nicht nachvollziehen konnte, hatte sie in Anbetracht der vielen glücklichen Teenieherzen in irgendeiner Form ihre Daseinsberechtigung.

Nun sind Sie nach Jahren der Bühnen- und Kreisch-Abstinenz zurück. Ohne Kakadu, dafür mit umso mehr Körperschmuck und Schmuseblick. Wie es scheint, haben Sie aus dem Tokio Hotel ausgecheckt und reisen nun alleine mit einer EP durch die Gegend. Und genau hier liegt mein Problem: WAS SOLL DAS?

Ich möchte mich an dieser Stelle mit tiefstem Nachdruck beschweren und meinem Unmut über Ihre neue Art, sich auszudrücken, Nachdruck verleihen.

Das, was Sie da von sich geben, ist NOT OK – vielmehr frech und unverschämt. Abgesehen davon gibt es das (was auch immer es ist) schon. Es heißt Ricky Martin und Justin Bieber. Die Ihrerseits offenbar angestrebte künstlerische Kombination dieser beiden Schulhof-Casanovas ist mit nichts, aber auch wirklich gar nichts zu rechtfertigen.

Ich würde Sie daher höflichst bitten, sich ein anderes Hobby zu suchen – Beautysalons für Hunde sollen in letzter Zeit ein gutes Geschäftsmodel sein, an dem Sie vielleicht auch Gefallen finden würden. Egal, was Sie tun. Hauptsache Sie lassen das, was Sie im Moment tun.

Vielen Dank,
mit besten Grüßen und ein wenig Mitleid,

(Mariella)

0/10

Oli P. – Wie Früher

Schlechter als SLEAZE im Juni

Oli P. – Wie Früher

Label: Marcs Firma
VÖ: 27.05.2016

Genre: Singer/ Songwriter / Rapper
Klingt wie: Fahrstuhlmusik, leider mit Gesang

Der PR-Text sagt: „…es bietet sich dem Hörer ein Album, das man so nicht erwartet, jedoch insgeheim erhofft hatte.“ Da musste ich herzlich lachen. Wer sich (heimlich oder nicht) ein Oli P. Album erhofft hat, der muss schon einen besonderen Charakter haben. Wir in der Redaktion nennen diese Personen Special Kid (Das war gelogen, wir haben ein anderes Wort dafür. Aber dann bekommen wir wieder Ärger.)
Oliver Petszokat wird manchen noch ein Begriff sein. Er war in den 90ern der große Mädchenschwarm Ricky Marquart bei GZSZ. Hier ein Meilenstein aus Rickys Karriere, den ich euch nicht vorenthalten möchte: „Einige Zeit später erfindet Ricky Limonade „NataLimo“, welche er nach Nataly benennt, und erhält daraufhin eine Stelle als Getränkeentwickler in Barbaras Getränkefirma „Kupferbrunnen“.“
Logischer beruflicher Werdegang eines GZSZ-Stars scheint die Musikerkarriere zu sein. Oli P. wurde ein krasser Rapper und verwurstete Grönemeyers „Flugzeuge im Bauch“.
Long Story short, der Erfolg ging vorbei. Oli P. verschwand. Bis jetzt. Anscheinend hat ihm jemand eingeredet, Singer/Songwriter sind aktuell ein großes Ding. Deshalb singt Oli P. jetzt auch. Grundlos. Mir wäre es lieber gewesen, wenn er sich anders engagiert hätte. Basteln in der Schweiz. Kochen im Sudan. Putzen in Indien. Hat er aber nicht.

Fazit: Belangloses Album von einem belanglosen „Künstler“.

(Yanah)

1/10 (weil er nicht so fett wie Kim Frank geworden ist)

Thomas Anders – History

Schlechter als SLEAZE im Juni

Thomas Anders – History

Label: White Shell Music
VÖ: 27.05.2016

Genre: Pop
Klingt wie: Eine schreckliche Vergangenheit holt uns ein

Dieter Bohlen hat sich als Pöbler in einer bekannten Casting-Show festgesetzt und Thomas Anders existierte auch weiterhin irgendwo, aber davon bekam man nicht allzu viel mit. War ganz schön eigentlich, dieser Zustand. Was an Erinnerung blieb, waren eine Handvoll Refrains und Melodien, die man als Relikte großer, deutscher Pop-Momente akzeptierte und hin und wieder, meist als Persiflage, tolerierte. Das lag auch daran, dass man sich eben nur noch an kleine Ausschnitte erinnern konnte. Doch um die Refrains herum lauert das Grauen: Falsettgesang, hohle Drumsounds, Synthesizer-Salven und seichte Texte, noch seichter gesungen.
Doch das ist eben dem Thomas seine History, weshalb er die alten Songs jetzt alle nochmal neu eingesungen und ein paar neue dazu gepackt hat. Schön, wenn man sich seiner Vergangenheit bewusst ist und sie in Erinnerung hält. Doch es verläuft ein tiefer Graben zwischen Unterhaltung und Erhaltung. Thomas Anders ist reingefallen.

(Fred)

2/10