Das Leben ist nicht fair und wir SLEAZELs sind es erst recht nicht. Unsere Rubrik Schlechter als SLEAZE macht euch mit den schlechtesten Veröffentlichungen der kommenden Tage bekannt. Da wir aber keine kompletten Arschlöcher sind, versuchen wir wenigstens ehrlich zu sein. Ist eine VÖ überraschenderweise doch besser als wir vermutet haben, dann stehen wir auch dazu. In diesem Fall gibt es eine gute Bewertung und einen imaginären Blumentopf für den/die Künstler/in.

Tattarataaaaaaa…wir präsentieren euch: Schlechter als SLEAZE im Mai!

Diesmal in den Hauptrollen: Michael Patrick Kelly, Sarah Connor, Alexandre Gern und Joris!

Michael Patrick KellyHuman

Michael Patrick Kelly

Michael Patrick Kelly – Human

Label: Sony Music
VÖ: 15.05.2015

Genre: Pop / Folk
Klingt wie: Ein Neuanfang

Nach sechs Jahren in einem französischen Kloster wurde aus „Paddy“ Michael Patrick Kelly, aus langen Zotteln wurde eine windschnittige Kurzhaarfrisur und aus schlechter Familienmusik mit leicht in­zes­tu­ösem Charakter, wurde…nun ja, weitaus weniger schlechte Musik. Ungeachtet aller bestehenden Abneigungen aus vergangen Tagen muss ich so fair sein und Michael Patrick nun als Solokünstler verstehen – trotz des stigmatisierten Nachnamens. Auch wenn sich jede Faser meines Körpers sträubt und mich beim Schreiben der folgenden Zeilen ein leichter Würgereiz überkommt: Herr Kelly kann singen und macht seine Sache gar nicht mal so schlecht. Human trifft zwar nicht meinen Musikgeschmack, aber es wird da draußen sicher einige Befürworter finden. Der Langspieler kommt sehr beschwingt, locker und eingängig daher. Verblüfft bleibe ich zurück und bin gespannt, welche Überraschungen der Tag sonst noch so bereithält…

(Stefan)

3/10

Sarah ConnorMuttersprache

Sarah Connor

Sarah Connor – Muttersprache

Label: Polydor (Universal Music)
VÖ: 22.Mai 2015

Genre: Pop, New Wave
Klingt wie: Sag ich, wenn meine Kopfhörer wieder funktionieren

Fünf Jahre sind seit Sarah Connors letztem Album vergangen. Schlimm ist das nicht. Hat sich einiges getan bei Delmenhorsts Ehrenbotschafterin: Dermatologisch ein Bilderbuch, musikalisch ein Wörterbuch. Und zwar ein deutsches. Denn ja: Ihr neu(nt)es Album heißt nicht zufällig „Muttersprache“. Zum einen ist es in selbiger gesungen. Zum anderen ist sie selbst Mutter und spricht über Themen, die sie in ihrem Muttersein bewegen. Naja. Singt. Aber das ist ja sprechen mit noch mehr Ton. Immerhin ist der bei Sarah Connor gerade. Gefallen muss es trotzdem nicht. Die Texte zum Album hat sie, nachdem sie sie krass gefühlt hat, erstmalig selbst geschrieben. Auch wenn diese sich unter anderem mit Flüchtlingsthematik oder Verlustängsten befassen, lesen sich die meisten der 13 Titel wie ein doppelt gehopstes Fiderallala. So auch die erste Single „Wie schön Du bist“, die sie für ihren pubertätsgebeutelten Sohn Tyler schrieb. Auf Adoleszenzsprech also quasi: „Gönn Dir Deine Mudder.“ Was kurz an Natalie Imbruglias „Shiver“ erinnert, ist – klar, weiß sie selber und so – tonsicher gesungen. Textlich: Liebeserklärung an ihren Sohn (was dessen Pubertätssymptomatik hoffentlich nicht verstärkt) – musikalisch: Airplay-Garantie für Radios, die keck mit den „größten Hits der 70er, 80er und 90er Jahre und dem besten von heute“ werben. Am Album mitgefriemelt hat übrigens auch Peter Plate (ehemals Rosenstolz). Diese Aussage ist wertfrei. Nicht wertfrei die Tatsache, dass Sarah Connor meine Kopfhörer kaputtgesungen hat. Zumindest haben sie vor „Wie schön Du bist“ noch funktioniert. Mehr gibt es vom Album ohnehin noch nicht zu hören. Und da SLEAZEt sich der Kreis: Schlimm ist das nicht. Das mit den Kopfhörern schon.

(Anne)

3/10

Alexandre Gern – Das Leben ist schön

Alexandre Gern

Alexandre Gern – Das Leben Ist Schön

Label: Telamo
VÖ: 08.05.2014

Genre: Irgendwas zwischen Ballermann und Musikantenstadl
Klingt wie: ein schlechter Witz

Ahahahaaaaa….ich lache und lache und kann einfach nicht aufhören. Schaut euch das an: Klick! Was für ein Video, was für ein Blick. was für große Gefühle! Jetzt wisst ihr, wovon ich spreche, wenn ich sage: Alexandre (neee, nicht AlexandER, AlexandRE mit re!) Gern! Was aussieht, wie der neue Bachelor, ist der Casanova – und vielleicht auch der (feuchte) Traum – betagter Damen aus Lothringen. Gesungen wird über Herzschmerz, „Isch klau dir die Welt“, liebe misch weil ich auf franzööööösiiiisch singe, obwohl ich eigentlich Deutscher bin-Geschwurbel. Unfassbar, was unter dem Decknamen Schlager alles durchgeht. „Ich hab heut nur an disch gedacht“ – SKIP – „Das Lebben ist schööön“ – SKIP – „Ein kleines Wunder wird Ewischkeit“ – SKIP SKIP SKIP…so jetzt ist aber auch wieder gut. Schunkelt ohne mich weiter! Schlager gehört verboten!

(Mariella)

-5/10

Joris – Hoffnungslos Hoffnungsvoll

Joris

Joris – Hoffnungslos Hoffnungsvoll

Label: Four Music
VÖ: 10.04.2015

Genre: Singer-Songwriter
Klingt wie: das Tagebuch eines Abiturienten

Früher waren es die Boybands, jetzt sind es die Singer-Songwriter. Es funktioniert und es verkauft sich. Junge Männer, innerlich zerrissen, trotzdem noch genug Zeit um die nützlichen Instrumente zu lernen, singen mit rauer Stimme über Liebe. Ich möchte brechen. Joris singt über rosa Scheiße, an die man mit 18 Jahren vielleicht noch glaubt. Gern würde ich ihm mit seiner nervigen Gitarre die  poetischen Fäkalien aus dem Hirn hauen, aber eventuell muss Joris einfach nur erwachsen werden. Um fair zu bleiben, wenn ich 15 Jahre alt wäre und Weltschmerz hätte, würde ich ihm vielleicht eine Chance geben. Glücklicherweise bin ich volljährig und darf Schnaps kaufen.

(Yanah)

1/10