Das Leben ist nicht fair und wir SLEAZELs sind es erst recht nicht. Unsere Rubrik Schlechter als SLEAZE macht euch mit den schlechtesten Veröffentlichungen der kommenden Tage bekannt. Da wir aber keine kompletten Arschlöcher sind, versuchen wir wenigstens ehrlich zu sein. Ist eine VÖ überraschenderweise doch besser als wir vermutet haben, dann stehen wir auch dazu. In diesem Fall gibt es eine gute Bewertung und einen imaginären Blumentopf für den/die Künstler/in.

Tattarataaaaaaa…wir präsentieren euch: Schlechter als SLEAZE im September!

Diesmal in den Hauptrollen: Pur, Frank White, Ramona Rotstich und Bluma!

PUR – AchtungDownload

Label: Music Pur (Universal Music)
VÖ: 18.09.2015

Genre: Pop
Klingt wie: Weghören mit Anlauf / eine Auftragsproduktion des Bundesministeriums für  akustische Verwesung

Powerpop à la Pur. Das verspricht akustisch voll auf die Zwölf. Und zwar auch dann, wenn einem die Zwölf gar nichts getan hat. Powerpopper Hartmut E. und seine Mannen hauen erbarmungslos drauf. Maßgeblich für die künstlerische Arbeit von Rockröhre Engler (sozusagen Bietigheim-Bissingens Bonnie Tyler) war dessen Teilnahme am Vox-Format „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“, die weitere Früchte trug. Nämlich einen gemeinsamen Titel mit Xavier Naidoo fürs neue PUR – Album. Sagt ja niemand, dass Früchte zwingend lecker sein müssen. Gedacht sei da an die Kotzfrucht. Apropos Kotzfrucht: Insgesamt 15 Titel umfasst „Achtung“. Rockig. Balladesk. Und alles, was sonst noch so an Stilrichtungen und Effekten an einem Keyboard eingestellt werden kann – und an einem Hartmut E. Sogar von kräftigen Beats ist die Rede. Wobei kräftig ein unbestimmter Begriff ist und wohl genau deswegen verwendet wurde. Weil er nämlich andere Erwartungen / Hoffnungen weckt, als PUR zu halten imstande sind. Zu Verwechslungen trägt im Übrigen auch das Artwork von „Achtung“ bei, das an SBTRKT`s selbstbetiteltes Debütalbum erinnert. Vermutlich in der Hoffnung, es einmal in den Warenkorb musikalisch nicht gänzlich Desinteressierter zu schaffen: Auch mit unlauteren (weil unhörbaren) Mitteln. Pfiffig, diese PUR-Posse! Einen Stern gibt’s trotzdem. Wegen des Bonus-Tracks zugunsten einer Kinderhospizstiftung. Also: Nicht für das Lied („Track“ klingt bei PUR noch befremdlicher als ohnehin schon) gibt es den Stern, sondern für den karitativen Zweck.

(Anne)

1/10

Frank White – Weil die Straße nicht vergisst81f5RwSPcjL._SL1425_

Label: Maskulin (Groove Attack)
VÖ: 11.09.2015

Genre: Deutschrap
Klingt wie: Nichts Neues

Fler aka Frank White aka Patrick Losensky macht nach eigener Aussage Rap wieder hart, hat für dieses Unterfangen jedoch nicht unbedingt die geeignetsten Mittel parat. Zwar gibt er sich wie gewohnt als harter und pöbelnder Berliner Junge von der Straße, der sich von niemandem was sagen lässt und jeden eiskalt in den Boden stampft, doch sitzen an dieser Stelle eben auch die Schwachpunkte. Er scheint sich nämlich auch nichts von Label, PR-Agentur, oder Manager sagen zu lassen – was gerade im Rapgeschäft als lobenswerte Eigenschaft hervorgetan wird, doch manchmal nicht ganz verkehrt wäre. Das ist dann wohl auch die Erklärung, warum er zum wiederholten Male altbekannte Themen nach ebenso altbekannten Mustern vorzubringen wagt. Da muss man sich nicht wundern, dass die Sache letztendlich klingt wie 2001. Nur besser abgemischt und weniger bissig. Da die Straße (angeblich) nicht vergisst, ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis sie sich daran erinnert, dass wir das alles schonmal hatten und ihm seine lauwarm aufgewärmten Ergüsse um die Ohren haut.

(Fred)

3/10

Ramona Rotstich – Raketenbabyramona_rotstich_cover_360

Label: Koch Universal Music Austria
VÖ: 18.09. 2015

Genre: Girly-Dance-Schlager
Klingt wie: eine Beleidigung für Mädchen

Einigen wird Fräulein Rotstich durch „Voice of Germany“ bekannt vorkommen. Und was ist die nächstlogische Konsequenz eines Castingauftritts? Richtig, ein Album! Ramona Rotstich beschreibt ihre Musik als Mädchenmusik. Jetzt sitze ich hier und überlege, was genau macht Musik zu Mädchenmusik. Die dämlichen Texte, wie zum Beispiel  „Musik wird immer lauter, die Stimmung wird versauter, mir geht es wieder gut gut, das strahle ich auch aus aus“ ? Oder diese billigen Electrobeats, die bei geistig gesunden Menschen für Durchfall sorgen? Oder der PR-Text, der auch einen Softporno beschreiben könnte: „…die kindlichen Charme genauso überzeugend vermitteln kann, wie laszive Eleganz und aggressive Schönheit“. Sollte sich ein völlig unvoreingenommener Außerirdischer mit funktionierenden Ohren (bei Außerirdischen weiss man ja nie) dieses Album anhören und danach das Frauenbild beschreiben, das hier vermittelt wird, sind wir alle verloren. Danke Ramona.

(Yanah)

 0/10

Bluma – Mein Herz Tanzt Bunt61oHzlifb-L

Label: We Love Music (Universal Music)
VÖ: 04.09. 2015

Genre: Gipsy Pop
Klingt wie: Als würde mein Herz gleich stehen bleiben

In der Beschreibung dieser 13 Tracks starken Scheibe wird mir der Sonnenaufgang über Deutschland, Glück, Natürlichkeit und Liebe versprochen. Da der Postboote noch nicht geläutet hat, um mir mein tägliches Päckchen Glückseligkeit vorbeizubringen, muss ich also wohl oder übel auf Play drücken. Hätte ich es besser gelassen. Ich hätte wissen müssen, dass auf Platten, auf denen Bluma drauf steht, geballter Gipsy Pop drinnen ist. Eine Musikrichtung, deren Sinn ich genauso wenig verstehe wie Weltmusik, Schlager oder oder oder. So bunt Blumas Herz auch tanzen mag, meines bekommt von dieser Musik eher kurze, ungesunde Aussetzer. Hossa Hossa, Schunkel Schunkel, das Leben ist ein einziger Rummelplatz, in dem ich George Clooney treffe und er sich unsterblich in mich verliebt – und das alles auch noch bauchfrei! Und dann kommt das auch noch aus Berlin. Woher die Truppe ihre ungebrochene Fröhlichkeit nimmt, wird mir wohl auf ewig ein Rätsel bleiben. Macht aber auch nichts. Lassen wir es einfach dabei, dass heute Freitag ist, ich heute Morgen keine sauberen Schlüpper mehr hatte und dass Gipsy Pop einfach nicht meine Musik ist.

(Mariella)

1/10